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Er mag den Wein im Eis gebadet

Der Eingangsbereich der Weinhandlung Schubi Weine an der Bernstrasse in Luzern ist unspektakulär, man wähnt sich in einem Quartierladen. War es auch, bei der Gründung vor 105 Jahren. Seither hat sich viel verändert.
Interview Daniel Schriber
Pius Schumacher, Geschäftsführer der Schubi Weine AG, in seinem «Jahrgangskeller» an der Luzerner Bernstrasse. (Bild Eveline Beerkircher)

Pius Schumacher, Geschäftsführer der Schubi Weine AG, in seinem «Jahrgangskeller» an der Luzerner Bernstrasse. (Bild Eveline Beerkircher)

Wir steigen die enge Treppe hinunter in den Keller – und staunen. Über 3500 Sorten Wein lagern hier, 150 000 Flaschen. Dazu Spirituosen, Whiskys und Grappas aus aller Welt. Den Gesamtwert verrät Geschäftsführer Pius Schumacher nicht. Toscana, Bordeaux, Spanien, Übersee, Schweiz und Österreich: für jeden Ort ein Regal. Für jeden Geschmack etwas. 1000 Quad-ratmeter umfasst Schubis Reich.

Gleich neben dem historischen «Jahrgangskeller» mit Weinschätzen aus den letzten hundert Jahren steht eine kleine Bar. Pius Schumacher holt eine Flasche Barbera d’Alba Superiore, 2011, von Marco Parusso aus Monforte d’Alba – denselben Wein, den er zum Wochenbeginn, als er seinen 50. Geburtstag feierte, seinen Gästen offerierte. Ein schwerer Tropfen – 16 Volumenprozent. Schumacher prostet den Gästen zu, hebt sein Glas nach oben, professioneller Blick, lässt es kurz schwingen, dann nimmt er einen Schluck.

Pius Schumacher, danke für den Wein. Er ist kühl. Zu kühl?

Pius Schumacher: Gerade bei einem schweren Wein ist es wichtig, dass er kühl eingeschenkt wird. Besonders im Sommer.

Keine Zimmertemperatur?

Schumacher: Diese alte Regel trifft heute nicht mehr zu. Das kommt wohl von früher, als es noch keine Heizungen gab. Wein sollte bei 17 bis 18 Grad eingeschenkt werden.

Was tun, wenn man keinen eigenen Wein-Kühlschrank hat?

Schumacher: In diesem Fall können Sie die Flasche vor dem Genuss problemlos einige Minuten in den Kühlschrank stellen. Sehr effektiv ist auch ein kurzes Eisbad!

Weinliebhaber werden Sie beneiden. Trinken Sie jeden Tag?

Schumacher: Im Geschäft trinke ich sehr selten. Daheim mit meiner Frau mehrmals pro Woche ein oder zwei Gläser.

Mehr nicht?

Schumacher: Ich trinke zum Genuss, nicht um mich zu betrinken. Ausserdem werde ich von zu viel Rotwein rasch müde.

Sie trinken nie über den Durst?

Schumacher: (schmunzelt) Wenn das mal vorkommt, dann eher mit Spirituosen.

Wie wählen Sie den Wein für Ihr Geschäft aus, wenn Sie ihn nicht trinken?

Schumacher: Ich degustiere sehr viel, manchmal Hunderte Weine, mehrere Stunden am Stück. Natürlich können wir da den Wein nicht runterschlucken. Jeden Tag erhalten wir neuen Wein – davon landen nur etwa 1 bis 3 Prozent in unserem Weinkeller.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Weine aus?

Schumacher: Augen, Nase, Gaumen – beim Weintrinken spielen verschiedene Sinne mit. Die Harmonie muss stimmen. Aber auch die Geschichte eines Produkts interessiert mich, Authentizität ist wichtig.

Welchen Wein mögen die Schweizer?

Schumacher: Kräftige und süssliche Weine sind im Trend.

Frauenweine?

Schumacher: Es sind längst nicht nur Frauen, die süsse Weine mögen. Manche Männer geben es vielleicht einfach nicht so gerne zu (lacht).

Welche Herkunft ist Trumpf?

Schumacher: Vor einigen Jahren waren Weine aus Australien, Chile oder Kalifornien hip. Heute setzen die Kunden wieder vermehrt auf Weine aus der Schweiz. Aber auch Österreich ist gross im Kommen.

Die Preisspanne ist gross. Wie viel muss ich für eine Flasche ausgeben?

Schumacher: Die meisten Flaschen verkaufen wir für 12 bis 17 Franken. In diesem Bereich finden Sie ganz gute Produkte. Aber auch für 10 Franken finden Sie einen anständigen Wein.

Wo liegt die Untergrenze?

Schumacher: Zwischen 6 und 8 Franken. Alles darunter würde ich nicht empfehlen.

Wieso nicht?

Schumacher: Die ganz billigen Weine haben kaum Charakter und wenig Geschmack. Oft sind sie aus verschiedenen Weinen zusammengemischt.

Und die Obergrenze?

Schumacher: Es macht schon einen Unterschied, ob Sie einen Wein für 30 oder für 10 Franken trinken. Das werden Sie merken. Die sensorische Grenze liegt für mich irgendwo zwischen 70 und 120 Franken. Ab diesem Preis bezahlen Sie vor allem für die Marke, den Jahrgang, die Exklusivität. Viele Bordeaux-Weine gehen für über 1000 Franken über den Ladentisch.

Wer zahlt das?

Schumacher: Neue Märkte – zum Beispiel die Chinesen – haben das Weintrinken neu entdeckt. Den reichen Chinesen geht es vor allem um Exklusivität. Es geht darum, möglichst rare Tropfen zu besitzen – logischerweise treibt dies die Preise nach oben.

Welches ist Ihr teuerster Wein?

Schumacher: Ein Château Mouton-Rothschild, 1er grand cru classé, Pauillac, in der 6-Liter-Imperialflasche, Jahrgang 2010.

Der Preis?

Schumacher: 8900 Franken.

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