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Dieser Hausarzt eröffnet in Kriens einen Buchladen

Thomas Conzett reduziert sein Pensum als Arzt und erfüllt sich bei der Teiggi in Kriens den Traum vom eigenen Buchladen. Am Samstag öffnet sein Lokal. Am meisten nervös macht ihn die Kaffeemaschine.
Yasmin Kunz
Hausarzt Thomas Conzett (46) eröffnet diesen Samstag auf dem Teiggi-Areal in Kriens einen Buchladen. (Bild: Jakob Ineichen, 12. September 2018).

Hausarzt Thomas Conzett (46) eröffnet diesen Samstag auf dem Teiggi-Areal in Kriens einen Buchladen. (Bild: Jakob Ineichen, 12. September 2018).

Die Bohrer laufen auf Hochtouren und kistenweise Bücher stehen zum Einräumen parat. Wir besuchen den neuen Buchladen BuK (Buch und Kaffee) in Kriens. Dieser befindet sich an der vorderen Ecke des Teiggi-Areals an der Schachenstrasse. Bis zur Eröffnung am Samstag hat Thomas Conzett noch viel Arbeit vor sich. Er ist der Geschäftsführer des Lokals. Rund 800 Bücher müssen in die Regale. Zuvor wird mit einem Lappen Baustaub abgewischt. Der Vorplatz, wo künftig Tische und Stühle stehen werden, ist am Tag unseres Besuchs ebenfalls leer und in der Bar fehlen noch so einige Utensilien.

«Ich werde noch Nachtschichten einlegen», sagt Thomas Conzett. Und als wüsste seine Schwiegermutter, dass er kaum dazu kommen wird, seinen Laden zu verlassen, bringt sie ihm Essen vorbei und wünscht ihm zugleich viel Erfolg für den letzten Schliff. Am Samstag gehört die Baustelle der Vergangenheit an. Auch Kaffee werden die Gäste dann trinken können. «Das Herzstück, die Kaffeemaschine, trifft am Freitag ein.» Den Kaffee bezieht er von der kleinen Horwer Rösterei «El Imposible Roasters», die Speisen stammen von lokalen Anbietern.

Im BuK werden auch Lesungen stattfinden

Der 46-Jährige wagt mit BuK ein neues Abenteuer. Mit Midlife-Crisis habe das aber nichts zu tun, stellt er sogleich klar. «Bücher sind seit jeher meine Leidenschaft, nun will ich mir damit ein zweites Standbein aufbauen.» Dass es ein mutiger Schritt ist, weiss Conzett und fügt an: «Viele Ökonomen würden mir wohl davon abraten.» Dies, weil ein Grossteil der Bücher heute über das Internet gekauft wird.

«Viele Ökonomen würden mir davon abraten.»

Thomas Conzett, Geschäftsführer BuK

Conzett geht es aber nicht bloss um den Verkauf von Büchern. «Ich will einen Ort der Begegnung schaffen. Ich glaube, es gibt ein Bedürfnis nach Orten zum Verweilen, Lesen und Leute treffen.» Im Herbst stehen ausserdem schon drei Lesungen von Buchautoren auf dem Programm. Ein Buchladen dieser Art sei für die Krienser ein neues Angebot.

Das Lokal misst 85 Quadratmeter auf zwei Stockwerken. Auf insgesamt 25 Quadratmetern darf er Speisen und Getränke anbieten. So lauten die gastgewerblichen Vorschriften. Um dieses Lokal zu führen, hat der Luzerner die Wirteprüfung absolvieren müssen.

Buchladen als Ausgleich zum Hausarzt

Thomas Conzett erfüllt sich mit dem Buchladen also einen lang gehegten Wunsch. Seinen ursprünglichen Beruf, Conzett ist Hausarzt in der Pilatuspraxis in Luzern, gibt er dabei nicht auf. Er wird weiterhin in einem Teilzeitpensum in der Gemeinschaftspraxis tätig sein. «Der Arztberuf bereitet mir Freude.» Mit dem BuK will Conzett sich einen Ausgleich schaffen. Darum geht es ihm auch nicht primär um den Gewinn. Damit er Gewinn erzielen würde, müsste Conzett pro Stunde elf Bücher verkaufen. «Das ist unrealistisch», wie er selber sagt. «Mein Ziel ist es, einen einladenden Ort der Begegnung zu schaffen.» Die Teiggi sei für ihn ein Glücksfall. «In der Stadt Luzern, wo es bereits ähnliche Angebote gibt, hätte ich mich nicht getraut, ein solches Lokal zu eröffnen.»

Der dreifache Familienvater, der sich selber als Vielleser bezeichnet, hat die Bücherauswahl für seinen Laden nicht allein getroffen. «Sonst würden wir hier wahrscheinlich ausschliesslich Belletristik anbieten», sagt er mit einem Schmunzeln. Derzeit lese er «Alle ausser mir» von der italienischen Schriftstellerin Francesca Melandri.

Mit Bernadette Reber und Simone Gschwend, einst in der Buchhandlung Hirschmatt in Luzern tätig, ist nun ein professionelles Team entstanden. Die beiden Buchhändlerinnen haben ihn bei der Lektüreauswahl unterstützt. So findet sich bei kurzem Stöbern in den Kisten allerlei unterschiedliche Literatur: Kinderbücher wie «Ronja Räubertochter», Sachbücher sowie richtig kitschige Romane. Conzett weiss genau, welche Werke in welchem Regal zu stehen kommen sollen. Obwohl der Neo-Buchhändler sehr gelassen wirkt, gibt er zu, etwas angespannt zu sein. Insbesondere die Kaffeemaschine macht den Arzt noch etwas nervös. «Ich habe erst in einem Kurs realisiert, dass das Schäumen von Milch für einen Cappuccino weit schwieriger ist, als es aussieht.»

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