Er rettete Hunderte Juden: Kriegsheld erhält Grabstein im Friedental

Der polnische Diplomat Konstanty Rokicki hat während des Zweiten Weltkriegs Hunderte von Juden vor den Konzentrationslagern gerettet. Auf dem Friedhof Friedental soll am 9. Oktober 2018 ein Grabstein errichtet werden, der an seine grossen Verdienste erinnert.

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Ein Porträt des ehemaligen polnischen Konsuls in Bern, Konstanty Rokicki. Daneben ein Beispiel eines von Rokicki ausgefüllten, falschen Passes. (PD/ Archiv Yad Vashem)

Ein Porträt des ehemaligen polnischen Konsuls in Bern, Konstanty Rokicki. Daneben ein Beispiel eines von Rokicki ausgefüllten, falschen Passes. (PD/ Archiv Yad Vashem)

Konstanty Rokicki (1899-1958) hatte als Mitarbeiter der polnischen Exilregierung auf der Botschaft in Bern während des Zweiten Weltkrieges massgeblich mitgewirkt, um hunderte Jüdinnen und Juden vor dem Abtransport in Konzentrationslager zu retten, schreibt die Stadt Luzern in einer Mitteilung. Um ihm einen würdigen Erinnerungsort zu geben, werde die polnische Botschaft voraussichtlich am 9. Oktober auf dem Friedhof Friedental einen Grabstein aufstellen.

Als Mitglied der sogenannten «Berner Gruppe» habe er geholfen, den Verfolgten falsche Pässe auszustellen, damit sie ins Ausland fliehen konnten. Seine mutige Mitwirkung war in der Schweiz bis vor Kurzem kaum bekannt.

Rokicki stellte laut der polnischen Botschaft in Bern mit Hilfe seines jüdischen Untergebenen Juliusz Kühl in den Jahren 1942 bis 1943 paraguayische Reisepässe für 2200 vom Tode bedrohte Juden aus. Die Pässe hätten schätzungsweise 700 bis 800 Menschen das Leben gerettet haben. Der polnischen Botschaft sei rund die Hälfte von ihnen bekannt. Mindestens 20 der Geretteten lebten noch.

Grabstein als Andenken

Konstanty Rokicki blieb nach dem Krieg in der Schweiz, zog bald nach Altdorf. 1958 verstarb er im Kantonsspital Luzern und wurde auf dem Friedhof Friedental in einem Reihengrab beerdigt, wie Thomas Scherer, Aussenbeziehungsbeauftragter der Stadt, auf Anfrage sagte. Man schliesse daraus, dass er wohl in ärmlichen Verhältnissen gelebt habe.

Auf Bitte der polnischen Botschaft half die Stadt Luzern ab März 2018 mit, den genauen Standort des Grabes zu suchen (Ausgabe vom 22. April 2018).

Rokickis Leichnam sei damals im Grabfeld 17 bestattet worden, sagte Scherer. Das Feld sei aber rund 20 mal 40 Meter gross, Pläne der Belegung habe man keine mehr. Mithilfe von Flugaufnahmen aus der Zeit hätten Vermessungstechniker versucht, das Grab ausfindig zu machen. Das gelang nicht abschliessend. Der Grabstein werde nun in der Nähe errichtet. (pd/sda/zfo)