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Er verteilt 40 Millionen Franken an die Luzerner Bauern

Samuel Brunner wird ab kommendem Jahr neuer Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Kreditkasse mit Sitz in Sursee. Nebenbei führt er einen Hof – was ihm in seinem Hauptjob hilft.
Lukas Nussbaumer
Samuel Brunner (39) vor dem Aktenschrank, in dem die rund 6000 Dossiers der Landwirtschaftlichen Kreditkasse aufbewahrt werden. Bild: Corinne Glanzmann (Sursee, 17. Mai 2018)

Samuel Brunner (39) vor dem Aktenschrank, in dem die rund 6000 Dossiers der Landwirtschaftlichen Kreditkasse aufbewahrt werden. Bild: Corinne Glanzmann (Sursee, 17. Mai 2018)

Samuel Brunner aus Rothenburg ist einer von rund 1200 Luzerner Bauern, die ihren Hof nebenbei bewirtschaften. Damit gehört er innerhalb dieses (Land-)Wirtschaftszweigs zu einer wachsenden Gruppe. Im Hauptberuf, und zwar im Umfang eines 80-Prozent-Pensums-, ist der 39-Jährige stellvertretender Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Kreditkasse des Kantons Luzern. Ab dem kommenden Jahr leitet er die als Genossenschaft organisierte Kasse: Der Vorstand hat ihn kürzlich einstimmig gewählt.

Brunner folgt auf Beat Ineichen, der Ende Jahr pensioniert wird. Die Kreditkasse mit Sitz in Sursee gewährt den Luzerner Bauern jährlich zinslose Kredite in der Höhe von etwa 40 Millionen Franken (siehe Kasten).

Als stressig empfindet der verheiratete Vater von drei Kindern die Doppelbelastung nicht. Im Gegenteil: «Die Arbeit auf dem Hof ist ein guter Ausgleich zum Bürojob. Ausserdem behalte ich so einen engen Kontakt zu den Bauern. Das fördert das Verständnis für deren Probleme.» Im Alleingang muss der Meisterlandwirt und Agrokaufmann die Arbeit auf seinem Landwirtschaftsbetrieb allerdings nicht stemmen: Seine Eltern und seine Frau Erika packen mit an.

Luzerner Bauern sind extrem hoch verschuldet

Wer dem gross gewachsenen Bald-Geschäftsführer der nach Bern zweitgrössten Kreditkasse der Schweiz zuhört, spürt sofort: Brunner liegt die Landwirtschaft am Herzen. Entsprechend hoch sind die Dossierkenntnisse des sportbegeisterten früheren Kirchmeiers von Rothenburg. Die Summen, mit denen er und seine Mitarbeiter zu tun haben, schüttelt er aus dem Ärmel, ebenso die Kriterien, die Gesuchssteller erfüllen müssen, und die Probleme der Luzerner Bauern kann er als Angehöriger dieses Berufsstands bestens nachvollziehen.

Und Probleme haben die hiesigen Landwirte in der Tat: Sie sind im Vergleich zu ihren Kollegen in anderen Kantonen sehr stark verschuldet – mit mehr als 50 000 Franken pro Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt. Umgerechnet auf einen mittleren Bauernhof von etwas mehr als 16 Hektaren heisst das: Jeder Luzerner Bauer trägt eine Schuldenlast von rund 850 000 Franken.

Luzerner Landwirtschaft ist besonders tierintensiv

Grund für diese aussergewöhnliche Situation ist die Struktur der Luzerner Landwirtschaft. Sie ist überdurchschnittlich tierintensiv, was aufgrund immer strengerer Tierschutzvorschriften hohe Investitionen in Ställe und Einrichtungen zur Folge hatte. Das Positive: Die Infrastruktur auf Luzerns Landwirtschaftsbetrieben ist in einem besseren Zustand als in anderen Kantonen. Brunner glaubt denn auch, dass der künftige Investitionsbedarf rückläufig sein wird. Dies auch aus einem zweiten Grund: «Viele Bauern sind stark verunsichert und haben Projekte sistiert. Sie wollen den Investitionsentscheid lieber ihren Nachfolgern überlassen.»

Von Gedanken über seine eigene Nachfolge ist Samuel Brunner weit entfernt. Er hat vor, noch lange für die Kreditkasse zu arbeiten. Schliesslich habe er in den vergangenen 17 Jahren sowohl als Kreditexperte als auch im Treuhandbereich arbeiten und so ständig neue Herausforderungen meistern können.

Die zusätzliche Führungsverantwortung betrachtet er als Herausforderung. «Ich will auch künftig im Tagesgeschäft mitarbeiten. Dafür müssen wir uns leicht neu organisieren.» Das gelte auch für seinen Hof: «Falls nötig, werden wir die Arbeitsprozesse weiter optimieren.»

Weitere Informationen: www.kreditkasse.ch

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