Mit gerade mal 28 Jahren in die Exekutive: Benjamin Emmenegger ist der jüngste Gemeinderat von Neuenkirch

Jünger als er war noch keiner im Gemeinderat von Neuenkirch. Der 28-jährige Benjamin Emmenegger spricht über seine erstaunliche Wahl und erklärt, weshalb er ab September nicht nur Neuland betreten wird.

Stephan Santschi
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Banjo spielen ist eines der Hobbys von Benjamin Emmenegger, der heute sein Amt als Gemeinderat von Neuenkirch antritt. Bild: Dominik Wunderli (Neuenkirch, 29. August 2018)

Banjo spielen ist eines der Hobbys von Benjamin Emmenegger, der heute sein Amt als Gemeinderat von Neuenkirch antritt. Bild: Dominik Wunderli (Neuenkirch, 29. August 2018)

Ja, er habe leer geschluckt, als ihn die Neuenkircher FDP fragte, ob er anstelle des abtretenden Balz Koller für den Gemeinderat kandidieren wolle. Politisch hatte Benjamin Emmenegger bis dahin nämlich noch kein Amt bekleidet, kurz davor hatte er sich lediglich erkundigt, ob er in der Lokalpartei eine Funktion übernehmen könnte. Als ihm gleich die Chance auf einen Sitz in der Kommunalregierung in Aussicht gestellt wurde, staunte er nicht schlecht. Benjamin Emmenegger erklärte sich nach reiflicher Überlegung dazu bereit.

Das alles geschah im November 2017. Nun, neun Monate später, steht der mittlerweile 28-Jährige kurz vor dem Einzug ins Gemeindehaus. Heute tritt er dort sein 25-Prozent-Pensum an, als jüngster Gemeinderat in der Geschichte Neuenkirchs notabene. Historische Ausmasse nahm bereits die Nomination im Februar an, als das Pfarreiheim mit 350 Menschen proppenvoll war. «Es hatte mehr Leute, als üblicherweise an einer Gemeindeversammlung», erinnert sich Emmenegger. Neben ihm standen zwei weitere Kandidaten zur Auswahl, letztlich setzte sich der Newcomer mit über 70 Prozent der Voten durch. «Das hatte ich selber nicht erwartet. Ich kannte nicht die Hälfte der Personen, die für mich stimmten.»

Frage des Alters flösst ihm Respekt ein

Mehrmals erwähnte er bei seinem Auftritt, dass er ein «Macher» und kein «Laferi» sei. «Vielleicht war es das Bedürfnis nach frischem Wind, das für dieses klare Ergebnis sorgte», mutmasst er. Da in den kommenden drei Monaten kein weiterer Gegenkandidat auftauchte, wurde Emmenegger Ende April still gewählt. «Auf mich», so ist er sich bewusst, «wartet jetzt eine grosse Herausforderung.»

Das Alter könnte dabei durchaus zu einem Thema werden. «Es ist gut möglich, dass man mir den Hut des Jungen aufsetzen will, dem man zeigen muss, wie die Dinge laufen.» Davor hat er Respekt, und deshalb wird er gut vorbereitet an seine Aufgaben herantreten. «Ich werde mir die zeitlichen Ressourcen freischaufeln, um in meinen Ressorts sattelfest zu sein. Sonst steht man unter Umständen schnell mit dem Rücken zur Wand.» Emmenegger hat aber genug Selbstbewusstsein, um zu sagen: «Ich traue mir zu, diese Funktion sicher so gut wie der Durchschnitt auszuführen.»

Auch in Emmen nahe dran am Gemeinderat

Obwohl er bisher noch keine politischen Parolen formuliert oder auf der Strasse mit Kafi und Gipfeli um die Gunst der Bevölkerung gebuhlt habe, wie er schmunzelnd anmerkt, so betrete er doch nicht nur Neuland. In Emmen arbeitet der studierte Wirtschaftsinformatiker nämlich seit viereinhalb Jahren im Departement Finanzen und Informatik der Gemeindeverwaltung, seit einem Jahr ist er Controller und zuweilen direkt in die Geschäfte des Gemeinderats involviert. «Ich war schon immer an Politik interessiert. Durch meinen Job in Emmen bin ich viel näher an die Thematiken herangerückt.» Da die Dossiers teilweise miteinander korrespondieren würden, könne es künftig vorkommen, dass er im Neuenkircher Gemeinderat in den Ausstand treten müsse und seine beratende Funktion in Emmen nicht oder nur unter Vorbehalt wahrnehmen könne. «Ich werde diese beiden Bereiche sauber trennen, sehe aber auch Potenzial für Synergien.»

Über politische Ziele gibt er vorderhand noch zurückhaltend Auskunft, zunächst wolle er sich einarbeiten, begründet Emmenegger. Der Slogan der FDP – «gemeinsam weiterkommen» – entspreche ihm aber durchaus, «ich bin einer, der Leute motiviert und mit ihnen etwas auf die Beine stellt». Das zeigt sich im IT-Unternehmen, das er mit Studienkollegen gegründet hat. Oder im Privatleben mit langjährigen Engagements in der Guggenmusik Schlochthüüler und dem Männerchor Hellbühl. Auch mit Familienmitgliedern und Freunden hat Benjamin Emmenegger immer wieder musikalische Auftritte.

«Man soll sich weiterhin Grüezi sagen»

Ob er auch in der Politik den richtigen Ton trifft, wird sich bald herausstellen. In der 7000-Einwohner-Gemeinde wird Emmenegger für die Landwirtschaft, den Umweltschutz und die Liegenschaftsverwaltung verantwortlich sein. «Neuenkirch wächst, doch es soll übersichtlich bleiben. Man soll sich auf der Strasse weiterhin Grüezi sagen und das Velo vor dem Einkaufen nicht abschliessen müssen», findet Benjamin Emmenegger. Eng begleiten möchte er die Bauern bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen. «Neuenkirch zählt mit rund 120 direktzahlungsberechtigten Betrieben zu den grössten Landwirtschaftsgemeinden im Kanton.»