Der neue Luzerner Kantonsbaumeister will «frischen Wind» in die Verwaltung bringen

Seit etwas mehr als 100 Tagen amtet René Schmid als Kantonsbaumeister – mit unkonventionellen Methoden.

Dominik Weingartner
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Zwei Dinge fallen beim Betreten des Büros von René Schmid sofort auf: erstens befindet sich kein Papier auf seinem Schreibtisch. Und zweitens sitzt der Kantonsbaumeister nicht alleine im Büro, wie man das von einem kantonalen Dienststellenleiter vielleicht erwarten würde. Es sind zwei Anzeichen dafür, dass es der Mann ernst meint, wenn er sagt, dass er «frischen Wind» in die kantonale Verwaltung bringen will.

Seit dem 1. November des vergangenen Jahres führt Schmid als Kantonsbaumeister die Dienststelle Immobilien des Kantons Luzern. In den ersten hundert Tagen im Amt hat der 47-Jährige einiges verändert. Sein Einzelbüro hat er eigenhändig zu einem Gemeinschaftsbüro umfunktioniert. Jetzt sitzt er mit zwei Angestellten dort. «Ich mag den direkten Austausch mit den Mitarbeitenden, weil es oft effizienter ist», sagt Schmid. Und Papier habe er eigentlich nie dabei. «Ich habe ja alles auf dem Laptop», begründet er.

Der neue Kantonsbaumeister René Schmid bei der ZHB in Luzern auf seinem E-Trottinett, mit dem er regelmässig durch die Stadt düst.

Der neue Kantonsbaumeister René Schmid bei der ZHB in Luzern auf seinem E-Trottinett, mit dem er regelmässig durch die Stadt düst.

Bild: Patrick Hürlimann (19. Februar 2020)

Vor seinem Amtsantritt bei der Kantonsverwaltung war der gelernte Architekt während 18 Jahre bei den SBB tätig, zuletzt als Leiter Projekt- und Baumanagement in der Division Immobilien. Dort habe er vor allem Bahnhöfe, Büros und Wohnungen gebaut, sagt Schmid. «Jetzt habe ich ein sehr breites Portfolio: Schulen, Klöster, Schlösser, Gefängnisse und sogar Ruinen. Die Vielfalt macht es aus.»

Grossprojekte vor Augen

Auf den neuen Kantonsbaumeister warten aber nicht nur Klöster und Schlösser, sondern auch einige ambitionierte Grossprojekte. Darunter ist etwa die geplante neue Kantonsverwaltung auf dem Seetalplatz in Emmenbrücke. Alleine in dieses Projekt will der Kanton rund 160 Millionen Franken investieren. Darin sieht der Kantonsbaumeister eine grosse Chance. Denn heute, so Schmid, funktionierten die kantonalen Dienststellen sehr unterschiedlich, was auch mit den vielen Standorten zu tun habe. «Eine zentrale Kantonsverwaltung bietet die Chance, einen Kulturwandel anzustossen», sagt er. Das habe er bei den SBB erlebt. Die Bundesbahnen haben ihren neuen Hauptsitz in Bern Wankdorf 2014 eröffnet. Schmid war an der Planung des Baus direkt beteiligt. Damals habe es auch kritische Stimmen gegeben, was einen zentralen Hauptsitz beträfe. «Mittlerweile sind die meisten begeistert, weil die Wege viel kürzer geworden sind.»

Der Wechsel vom Bundesbetrieb SBB in die Luzerner Verwaltung hat dem gebürtigen Zürcher keine grosse Mühe bereitet. Zumal sein Vorgänger Hans-Urs Baumann gute Vorbereitung geleistet habe und die Mitarbeiter ihn wohlwollend aufgenommen hätten, wie er sagt. «Ich hatte schon bei den SBB viel mit der Politik zu tun», sagt Schmid. Zwar seien die politischen Prozesse in einer Kantonsverwaltung etwas zeitintensiver. Aber: «Die Investitionsfähigkeit des Kantons hat sich verbessert und es herrscht fast etwas wie Aufbruchsstimmung im Kanton.»

Schmid ist kurz nach seinem Stellenantritt von Zürich nach Luzern gezügelt. Er wohnt wenige Gehminuten von seinem Arbeitsort an der Stadthofstrasse entfernt. Zur Dienststelle fährt er mit einem Elektro-Trottinett. «In Zürich sind sich die Leute diesen Anblick gewöhnt, weil man die dort mieten kann. In Luzern werde ich manchmal ein bisschen schräg angeschaut», sagt er und lacht.

Hierarchien auflösen

Schmid hat auch einige Mentalitätsunterschiede zwischen Zürich und Luzern festgestellt. So sei die Zentralschweiz stärker «männerdominiert», wie er sagt. Er sei ein «Freund von gemischten Teams», so Schmid. Ihm sei wichtig, dass sein Team eine gute Mischung an qualifizierten Frauen und Männern aufweise, sagt er. Zudem empfindet der passionierte Motorradfahrer die kantonale Verwaltung als «eher hierarchisch organisiert». Das möchte er ein bisschen auflösen. «Die Mitarbeiter sollen mir alles sagen können. Ich mag es, wenn ich herausgefordert werde», sagt Schmid. Zudem sei es sein Anspruch, greifbar zu sein, und zwar für seine 45 Mitarbeiter, die Politik und die Bevölkerung.

Vielleicht trifft man den neuen Kantonsbaumeister auch mal in der Swisspor-Arena. Denn der Fussball ist eine weitere Leidenschaft von Schmid. Dazu gehört auch das Segeln, das er aber weiterhin auf dem Bodensee zu tun gedenkt, wo seine langjährige Partnerin lebt. Auf die Frage, ob er auch auf dem Vierwaldstättersee segeln werde, sagt er: «Ich denke weniger. Ich bin eher Genuss- als Sportsegler.»