Hier ist das Verhältnis mit der EU entspannt: Kanti-Unterricht mit europäischer Note in Luzern

In der Luzerner Kantonsschule Musegg sind diese Woche Schüler aus Kroatien, Deutschland und Spanien zu Gast. Thema des europäischen Austauschprogramms «Erasmus+» ist Medienkompetenz.

Alexander von Däniken
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Arbeiten an der Kanti Musegg gemeinsam an ihrer Medienkompetenz (von links): Luz Cabra aus Mallorca, Alicia Marbach aus Adligenswil, Antonia Duševic aus Kroatien und Anna Domrös aus Deutschland. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 4. November 2019)

Arbeiten an der Kanti Musegg gemeinsam an ihrer Medienkompetenz (von links): Luz Cabra aus Mallorca, Alicia Marbach aus Adligenswil, Antonia Duševic aus Kroatien und Anna Domrös aus Deutschland. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 4. November 2019)

Wie gehen Jugendliche mit Fake News um? Wie ausgewogen wurde online und im Print über die Europawahlen berichtet? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Kantonsschule Musegg in Luzern, die Gesamtschule Brühl in Deutschland, das Gymnasium Binissalem in Mallorca und jenes in Zadar, Kroatien. Die vier Schulen nehmen am Austauschprojekt «Erasmus+» teil, die Kanti Musegg als einzige in der Zentralschweiz.

Diese Woche weilen jeweils zwischen 14 und 17 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Kroatien und Spanien in Luzern. Nach Projektwochen in diesen Ländern ist dies der Abschluss. «Wir sind sehr stolz, dass wir diese wertvolle Erfahrung im internationalen Umfeld machen können», sagt Rektorin Franziska Schärer. Gerade im angespannten Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU sei es umso schöner, solche Partnerschaften zu pflegen. Dass es zu einem neuen Projekt kommt, schliesst Schärer nicht aus.

«Globales Thema unter neuem Blickwinkel»

Das würden auch die rund 60 beteiligten Schülerinnen und Schüler begrüssen, wie eine Umfrage unserer Zeitung vor Ort zeigt. Die Adligenswilerin Alicia Marbach (16) war begeistert, als sie vom Programm erfahren hat: «Das gibt die Möglichkeit, in andere Länder zu reisen, deren Kultur kennenzulernen und ein globales Thema unter neuem Blickwinkel zu betrachten.»

Anna Domrös (18) aus Brühl musste hingegen erst ein bisschen zur Projektteilnahme gedrängt werden: «Aber ich bin froh über den Schubser meines Englischlehrers. Gerade unter den Schülerinnen aus Deutschland sind Freundschaften entstanden. Und durch die Zusammenarbeit mit den Schülern aus anderen Ländern konnte ich mein Englisch verbessern.» Das bestätigt auch Luz Cabra (15). Die Schülerin aus Mallorca hat sich zudem in Luzern verliebt: «Es ist wie im Märchen.»

Die Austauschschüler leben noch bis Freitag bei Pflegeeltern. So auch Antonia Duševic (17) aus Kroatien: «Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, auch Luzern ist sehr schön.» Sie sei eigentlich kein Politik-Fan, das habe sich mit diesem Projekt aber geändert.

Alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler des aktuellen Programms «Erasmus+». (Bild: PD/Daniela Kyburz)

Alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler des aktuellen Programms «Erasmus+». (Bild: PD/Daniela Kyburz)

Blogeinträge in englischer Sprache

Natürlich sind die ausländischen Gymischülerinnen und Gymischüler nicht fürs Sightseeing hier. «Sie befassen sich sehr intensiv mit den Medien», sagt Konstanze Rauber, seitens Kanti Musegg für das Projekt verantwortlich. In der «Amtssprache» Englisch verfassen die Schüler Beiträge für den öffentlichen Blog «Students for Europe». Dabei achten sie penibel auf seriöse Quellen und eine auf verifizierte Fakten gestützte Medienanalyse.

Klaus Sautmann ist Raubers Pendant an der Gesamtschule Brühl, die zugleich als Europaschule in Nordrhein-Westfalen international ausgerichtet ist. Er hält es für zunehmend wichtiger, dass sich die Jugendlichen schon in den Gymnasien möglichst hautnah mit anderen Ländern befassen. Allerdings sieht er beim Thema Fake News auch grösseren Handlungsbedarf: «Wenn sich schon Schüler nach zwei Jahren intensiver Arbeit noch schwertun, Fake News von seriösen Meldungen zu unterscheiden, wird das die Gesellschaft auch fordern.»

Konstanze Rauber sieht die Entwicklung optimistischer: «Lügen sind Teil unseres Alltags. Das wird man nie lösen können. Wichtig ist, die Nutzerinnen und Nutzer für das Thema zu sensibilisieren und ihnen Methoden zu vermitteln, Fake News zu erkennen.» Dazu gehören auch Podiumsdiskussionen. Am Dienstag werden als Höhepunkt des Austauschprojekts Jungpolitiker an einer Podiumsdiskussion an der Kanti Musegg auftreten und über die Beziehung zwischen der Schweiz und der EU diskutieren.