Erdbeben: Der Kanton Luzern probt den Notfall

Der Kanton Luzern übt den Ernstfall. In einer 32-Stunden-Übung simuliert der Krisenstab Erdrutsche mit Todesopfern und Verletzten sowie Trockenheit.

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Kommandozentrale im Armee-Ausbildungszentrum in Luzern. (Bild: PD)

Kommandozentrale im Armee-Ausbildungszentrum in Luzern. (Bild: PD)

Seit Montagmorgen hat die kantonale Führungsunterstützung des Kantons Luzern den Ernstfall geprobt. Denn: Im Ereignisfall muss jeder Handgriff sitzen, um den betroffenen Menschen zu helfen. Die Übung lief von Montag auf Dienstag während 32 Stunden - durchgehend.

Die Übungsanlage sieht wie folgt aus: Ein Erdbeben der Stärke 7.0 auf der Richterskala erschüttert den Raum Emmen. Es gibt Tote, viele Menschen sind verletzt. Zudem brennt das Tanklager in Rothenburg und wichtige Verkehrsachsen sind unterbrochen. Infolge eines Nachbebens gibt es ausserdem in Emmen und Luzern zahlreiche Überschwemmungen.

Kommandozentrale im Armee-Ausbildungszentrum in Luzern. (Bild: PD)

Kommandozentrale im Armee-Ausbildungszentrum in Luzern. (Bild: PD)

Die 72 beteiligten Personen musste eine effektive und flüssige Stabsorganisation aufbauen. Ziel ist es, Grundlagen zu erarbeiten, um eine fiktive Katastrophe rasch bewältigen zu können. Unter anderem sind die Teams mit eingeschlossenen Menschen, mit dem Ausfall von Strom und Spitälern, mit brennenden Tanklagern und mit einem Nachbeben konfrontiert, das eine Flutwelle in der Luzerner Seebucht auslöste.

«Die Übung war von langer Hand geplant. Das Szenario basiert auf den neusten Erkenntnissen der Erdbebenforschung in der Schweiz», sagte Major Armin Camenzind, Chef Führungsunterstützung des Kantonalen Führungsstabes Luzern. Einen direkten Bezug zu den aktuellen Ereignissen in Japan gibt es nicht. Parallel zur Stabsübung wurde ein möglicher Ernstfall im Feld geübt: Am Montag und Dienstag trainierten zwei Pionierzüge der Zivilschutzorganisation Emme die Bewältigung der Schadenlage bei einem Erdbeben.

pd/rem

Heftiges Erdbeben 1601 in Luzern

Eine ETH-Studie aus dem Jahr 2001 untersuchte anhand von Sedimentschichten vergangene Beben und fand Spuren von mehreren schweren Erdbeben im Raum Luzern. Bereits 1601 beschrieb Renward Cysat, der damalige Stadtschreiber Luzerns, ein «starkes und fürwahr erschreckendes Erdbeben». Zerstörte Häuser, Erdrutsche und eine Flutwelle waren die Folge. Spätere Untersuchungen schätzten das Beben auf eine Stärke von 6,2 auf der Richterskala - damit wäre es eines der bislang stärksten Erdbeben in Mitteleuropa gewesen.