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ERFINDUNG: Hüswiler Kegelbahn – eine Trouvaille im Landesmuseum

Ein Luzerner Tüftler baute 1932 die erste Kegelstellmaschine der Welt. Noch heute existiert seine Werkstatt – es ist die schweizweit letzte Kegelbahnfirma.
Niels Jost
Pirmin Kunz, Geschäftsführer der Kegelbahntechnik Hüswil, auf der Heubühne. (Bild: Niels Jost)

Pirmin Kunz, Geschäftsführer der Kegelbahntechnik Hüswil, auf der Heubühne. (Bild: Niels Jost)

Staubig und stickig ist es auf der Heubühne der Firma Kegelbahntechnik in Hüswil, das zur Gemeinde Zell gehört. Man würde es nicht erahnen, dass hier echte Raritäten gelagert sind. Stolz zeigt Geschäftsleiter Pirmin Kunz auf ein Holzgerüst mit öligen Ketten und eingespannten Seilen sowie auf das danebenliegende Holzbrett. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich hierbei um die Einzelteile einer alten Kegelstellmaschine handelt. Das Gerüst enthält neun Öffnungen, wodurch einst die umgestossenen Kegel mit Seilen wieder hinaufgezogen wurden. «Ich schätze, diese Maschine wurde hier vor rund 80 Jahren gebaut», sagt Kunz.

«Ein gutes Zvieri» als Lohn

Von demselben Hersteller aus Hüswil sind sogar noch ältere Maschinen erhalten. Eine gehört sogar zur Sammlung des Landesmuseums in Zürich (siehe Kasten). Dabei handelt es sich um die weltweit erste Maschine, die die neun Kegel automatisch abräumte und wieder richtig auf die Bahn stellte. Dafür waren die Kegel oben an Seilen befestigt. Die historische und sperrige Maschine ist allerdings nicht ausgestellt, sondern lagert demontiert im Sammlungszentrum, wie Alexander Rechsteiner, Sprecher des Landesmuseums, erklärt.

Erfunden hat die Kegelstellmaschine der Hüswiler Landwirt Walter Heiniger im Jahr 1930. Auf die Idee brachten ihn «die oberen Herren von Zell und Umgebung», weil sie «wie so oft keinen Kegelsteller fanden», ist im «Luzerner Tagblatt» aus dem Jahr 1983 zu lesen. «Die Gemeinderäte, Amtsrichter usw. versprachen Heiniger ein gutes Zvieri und ein rechtes Trinkgeld, wenn er irgendein technisches Hilfsmittel finden konnte, das die Kegelsteller ersetzt.»

Weltweites Patent

Der junge Heiniger bastelte auf dem Bauernhof seines Vaters an der Maschine, die er 1932 «einer breiten Öffentlichkeit mit namhaften Persönlichkeiten aus der Schweiz und aus anderen Ländern» präsentierte. Noch im selben Jahr liess er die Erfindung weltweit patentieren. «Er war ein wahrhafter Tüftler, ein Pionier», schwärmt Pirmin Kunz von seinem Vor-Vorgänger. Denn Walter Heiniger gründete die Firma Hewa Heiniger AG, die seine Söhne Walter jun. und Kurt übernahmen und bei der Pirmin Kunz lange Zeit angestellt war. Im Jahr 2010 hat Kunz das gesamte Inventar, die Mitarbeiter und die Räumlichkeiten der Hewa AG übernommen und gründete seinerseits die Firma Kegelbahntechnik.

Einzige Firma in der Schweiz

Selbst heute erinnert in der Werkstatt vieles an die Anfänge der Kegelbahnmaschinen. Überall sind alte und neue Bestandteile gelagert. «Schweizweit sind wir leider noch die einzige Firma, die mit solchen teils originalen Teilen Kegelbahnen repariert», erzählt Kunz, der trotz Dutzender Regale genau weiss, wo sich welches Einzelteil befindet. Jährlich bringen er und seine beiden Mitarbeiter bis zu 350 Kegelbahnen in der ganzen Schweiz wieder auf Vordermann, meist sind es Einzelanfertigungen. Sogar in Mailand, Finnland, Neuseeland oder Südafrika hatte er schon Kundschaft. Trotzdem sei das Geschäft mit den Kegelbahnen, das in den Sechzigerjahren regelrecht florierte, rückgängig, bedauert Kunz. Zum Glück könne er sein Geschäft mit anderen Metallbauarbeiten und Reparaturen an Bowlingbahnen quer subventionieren.

Komplett neue Bahnen baut die kleine Firma nach wie vor, allerdings nur noch selten. Auch grosse Umbauten tätigt das Unternehmen. «Es gibt immer weniger Kegelvereine, sie haben Nachwuchsprobleme. In der Freizeit ist der Kegelsport nicht mehr sonderlich populär. Entsprechend werden Bahnen abgerissen oder nicht mehr repariert.» Kunz schätzt, dass es schweizweit noch rund 1500 Kegelbahnen gibt – vor 20 Jahren waren es fast doppelt so viele. Die letzte komplett neue Kegelbahn hat Kunz vor drei Jahren gleich nebenan im bernischen Wyssachen im Gasthof Rössli gebaut, sie hat rund 70 000 Franken gekostet.

Der Chef kegelt in keinem Club

Doch die Kegelbahnmaschinen würden ohne die Kegel und Kugeln keinen Spass bereiten. So werden auch diese in der Hüswiler Manufaktur repariert. Dafür werden beide Spielgeräte in Drehbänke eingespannt und danach wieder glänzend lackiert. Etwas Spannendes verrät uns Kunz noch zum Schluss: «Eigentlich kegle ich ja gar nicht», gibt er lachend zu, fügt aber sogleich an: «Jedenfalls nicht in einem Verein.»

Niels Jost

die historische Kegelbahn aus dem Jahr 1932. (Bild: Schweizerisches Landesmuseum)

die historische Kegelbahn aus dem Jahr 1932. (Bild: Schweizerisches Landesmuseum)

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