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Eritreer auf dem Weg zum Berufsattest: «Ohne Abschluss ist es schwierig»

Dieses Jahr beginnen doppelt so viele erwachsene Flüchtlinge eine Lehrstelle im Kanton Luzern wie letztes Jahr. Einer von ihnen ist Ablel Mengistu. Der 24-jährige Eritreer arbeitet in einer Käserei und will Milchpraktiker werden.
Roseline Troxler
Der aus Eritrea stammende Ablel Mengistu absolviert bei der Bio-Käserei von Georg Hofstetter in Ruswi eine Lehre. (Bild: Dominik Wunderli, 23. August 2018)

Der aus Eritrea stammende Ablel Mengistu absolviert bei der Bio-Käserei von Georg Hofstetter in Ruswi eine Lehre. (Bild: Dominik Wunderli, 23. August 2018)

Ablel Mengistu ist seit Anfang August Lehrling. Das Besondere: Der Eritreer, der vor vier Jahren in die Schweiz geflüchtet ist, ist schon 24-jährig und damit um einiges älter als seine Mitschüler.

In seinem Lehrbetrieb, der Biokäserei Hofstetter in Ruswil, steht an diesem Donnerstagvormittag das Reinigen der «Käsekessi», der Pressevorrichtungen und vielen Behältern, die für die Produktion des Weich- und Hartkäses genutzt werden, auf dem Programm. Konzentriert putzt Ablel Mengistu Behälter um Behälter. Auf die Lehrstelle in der Käserei stiess der Eritreer durch ein Zeitungsinserat. Er zögerte nicht lange und rief seinen jetzigen Chef Georg Hofstetter an – ohne Erfolg. «Deshalb bin aufs Velo gestiegen und sogleich zur Käserei gefahren», erzählt Mengistu auf Hochdeutsch.

«Dass er mir sein Bewerbungsdossier persönlich in die Hände gedrückt hat, gefiel mir.»

Georg Hofstetter, Biokäserei Hofstetter Ruswil

Das hat Georg Hofstetter imponiert: «Dass er von Wolhusen mit dem Velo hergefahren ist und mir sein Bewerbungsdossier persönlich in die Hände gedrückt hat, gefiel mir.» Mengistu erhielt eine zweimonatige Praktikumsstelle. In zwei Jahren nun will er den Abschluss zum Milchpraktiker mit eidgenössischem Berufsattest machen.

Möglichst viele Flüchtlinge sollen eine Lehre machen

Dieses Jahr haben im Kanton Luzern 46 erwachsene Flüchtlinge eine Lehre gestartet. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr, wie das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH Zentralschweiz mitteilt.

Christine Spychiger ist Leiterin der Fachstelle Migration Co-Opera, einem Bereich des SAH Zentralschweiz. Die Fachstelle ist für die berufliche Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen ab 21 Jahren zuständig. Christine Spychiger sagt zur Entwicklung: «Vielerorts herrschte die Meinung vor, dass erwachsene Flüchtlinge kaum einen Ausbildungsplatz erhalten. Wir haben bewiesen, dass es sehr wohl möglich ist.»

650 Personen werden begleitet

Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH Zentralschweiz hat mit dem Kanton Luzern eine Leistungsvereinbarung für die berufliche Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen ab 21 Jahren. Dafür zuständig ist die Fachstelle Migration Co-Opera. Sie unterstützt und berät Personen bei der sprachlichen und beruflichen Integration. Die Fachstelle befindet sich beim Reussport in Luzern. Migration Co-Opera begleitet aktuell rund 650 Personen. Vor kurzem wurde die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton fürs kommende Jahr erneuert. (rt)

Sibylle Schmidt, Teamleiterin Soziale Arbeit, führt aus: «Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Flüchtlinge auch über 30 eine Lehre machen. Sie bedeutet eine wirkliche Integration, während eine Arbeitsstelle zwar kurzfristig lukrativer, aber oft weniger nachhaltig ist.» Auch die Wirtschaft habe das Potenzial von vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlingen als Lehrlinge erkannt. «Viele Firmen haben gute Erfahrungen gemacht. Ausserdem können manche Stellen von Schweizern gar nicht besetzt werden», sagt Schmidt. Dies bestätigt Georg Hofstetter. «Es fehlt den Käsereien an Nachwuchs.»

«Der Grossteil der Klientinnen und Klienten, welche wir vermitteln, stammt aus Eritrea, Syrien und Afghanistan.»

Sibylle Schmidt, Teamleiterin Soziale Arbeit SAH

Die Bedeutung der Herkunft, so ist Spychiger überzeugt, spiele eine immer geringere Rolle. «Der Grossteil der Klientinnen und Klienten, welche wir vermitteln, stammt aus Eritrea, Syrien und Afghanistan.» Die Vielfalt der Branchen, in welchen Geflüchtete beschäftigt werden, ist gross und reicht vom Gastgewerbe über die Gesundheitsbranche, zum Bau bis hin zur Wirtschaft.

«Diese Leute beissen durch»

Einen weiteren Vorteil sieht Christine Spychiger im Alter der Flüchtlinge. «Der Wille, die Lehre durchzuziehen, ist sehr gross. Sie wissen, dass sie nicht zig andere Möglichkeiten haben.» Dies sieht auch Georg Hofstetter so: «Diese Leute beissen durch.» Hofstetter hat schon mehreren Flüchtlingen Praktika angeboten und positive Erfahrungen gemacht. «Beim Schnuppern merke ich rasch, ob es passt.» Schwierigkeiten würde den Flüchtlingen oft der getaktete Arbeitsrhythmus bereiten. «Sie müssen sich daran gewöhnen.»

Das SAH Zentralschweiz begleitet vorläufig Aufgenommene und Flüchtlinge, die mindestens über das Deutschniveau A2 verfügen. «Wir machen eine Standortbestimmung, triagieren in passende Massnahmen, bereiten sie auf den Schweizer Arbeitsmarkt vor und vermitteln Stellen», sagt Sibylle Schmidt. Dies bedeute oft auch, Ansprechpartner für die Arbeitgeber zu sein oder einen Klienten zur Vertragsunterzeichnung zu begleiten. Das SAH berät die Lernenden bis zum ersten Zeugnis. «Dann klären wir ab, ob sie weiteren Support brauchen.» Ablel Mengistu ist dankbar für die Hilfe. «Das SAH hat mir einen Mentor vermittelt und gezeigt, wie ich eine Bewerbung schreibe und mich in einem Betrieb vorstelle.»

Eine besondere Schwierigkeit für die Flüchtlinge ist die Sprache. Gefragt sind im Berufsalltag viele Fachbegriffe. Georg Hofstetter hat dafür eigens einen Ordner angefertigt, in dem er Fotos den korrekten Begriffen zuordnet, die Mengistu büffeln muss. Neben den sprachlichen Hürden sieht Christine Spychiger auch das fehlende Beziehungsnetz der Klienten als Problem.

Mentoren gesucht, die bei Lehrstellensuche helfen

Auch deshalb sucht das SAH Zentralschweiz nach weiteren Mentoren, die einen Flüchtling oder vorläufig Aufgenommenen während des Prozesses der Lehrstellensuche unterstützen und für ihn ihr Beziehungsnetz nutzen. «Wir brauchen solche Türöffner», betont Spychiger. «Gerade, weil Flüchtlinge kein hier gültiges Zeugnis vorweisen können, müssen sie die Chance haben, sich mittels Praktika zu beweisen.»

Für Ablel Mengistu war bald klar, dass er eine Lehre anstrebt. «Ohne Abschluss ist es schwierig in der Schweiz.» Die Arbeit in der Käserei gefalle ihm. «Ich will mit meinen Händen arbeiten. Der Betrieb ist gut und mein Chef ist sehr nett», sagt der junge Mann mit dem ansteckenden Lachen.

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