Eritreer sticht viermal zu – Kriminalgericht verhängt stationäre Behandlung plus mehrjährige Freiheitsstrafe

Weil er sich über seine Partnerin geärgert hatte, rastete ein Eritreer völlig aus. Der Mann hätte in Rage fast die Mutter seiner Tochter getötet. Einsehen, dass er krank ist, will er aber nicht.

Roger Rüegger
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Warum ein Mann aus Eritrea im Juni 2017 ausgerastet ist, wird nie ganz geklärt werden. Der Mann schlug in der Wohnung seiner damaligen Partnerin in einer Luzerner Landgemeinde mit Händen und Füssen auf die Frau ein, ehe er mit einem Küchenmesser viermal auf deren Oberkörper einstach.

Es handelte sich um die Mutter der gemeinsamen Tochter. Sie wurde dabei schwer verletzt und überlebte nur, weil sie relativ schnell notoperiert werden konnte. Bei der Verhandlung am Luzerner Kriminalgericht vom 6. August (wir berichteten) sagte der Beschuldigte, dass ihn die Frau zornig gemacht habe. Er sei ausgerastet, weil er ihr Geld gegeben habe, damit sie Lebensmittel einkaufen könne. Sie habe dies aber nicht getan.

Beschimpft und weggestossen, dann stach der Mann zu

Als er die rund 350 Franken zurückgefordert habe und ausserdem von ihr verlangt habe, dass sie mit ihm zurück nach Luzern reise, hätte sie ihn beschimpft und gestossen. Das Geld habe sie nicht herausgegeben. Da habe er zugestochen und sie geschlagen. «Ich wollte das nicht tun. Es tut mir leid», entschuldigte er sich vor den beiden Richterinnen und dem Richter mehrfach.

Entschuldigt hat das Gericht aber gar nichts. Das Dreiergremium verurteilte den 26-jährigen Mann für versuchte (eventuell-) vorsätzliche Tötung und für mehrfache Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 9 Monaten unter Anrechnung von 1155 Tagen bereits abgesessenem Freiheitsentzug. Das Gefängnis wird zu Gunsten einer stationären Behandlung aufgeschoben. Weiter wird der Beschuldigte für die Dauer von 12 Jahren des Landes verwiesen. Damit ist das Urteil schärfer, als von der Staatsanwaltschaft beantragt. Die Anklage forderte eine Strafe von 6,5 Jahren – mit Aufschub zu Gunsten einer stationären Behandlung.

Die Therapiegespräch nerven

Der Mann leidet an einer Form von Schizophrenie. Therapieren lassen will er sich aber nicht. Die Gespräche würden nerven. Die Medikamente, die man ihm verabreiche, würden ihm gut tun, sagte er via Dolmetscher zum Gericht.

Am Tag des Vorfalls Tat fuhren der Beschuldigte, seine damalige Freundin und die heute vierjährige gemeinsame Tochter mit dem Bus nach Luzern in die WG-Wohnung des Beschuldigten. Auf dem Weg trank der Mann zwei Dosen Bier, es folgten später zwei weitere. Bereits in der Wohnung des Eritreers kam es zu einer Auseinandersetzung. Nachdem er die Wohnung verlassen hatte, um einen Kollegen zu besuchen, reiste die Frau wieder zurück in ihren Wohnort. Wenig später kam es zur blutigen Auseinandersetzung. Während der Beschuldigte auf sein Opfer einschlug und schliesslich mit dem Messer zustach, lag das Töchterchen unmittelbar daneben auf dem Bett.

Der Verteidiger plädierte auf eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren. Allerdings wehrte er sich gegen eine stationäre Behandlung.

«Es war kein leichtes Vergehen. Doch mein Mandant wollte die Frau nicht töten. Er war in Rage und konnte sich nicht kontrollieren. Im Nachhinein ist ihm bewusst, dass er eine schlimme Tat begangen hatte.»

Eine Massnahme bringe kein Resultat, seine Krankheit müsse mit Medikamenten behandelt werden. Das dies in seiner Heimat erfolgreich vonstattengehen würde, sei eher unwahrscheinlich, weshalb er betonte, dass der Landesverweis abzuweisen sei.

Das Urteil liegt im Dispositiv vor. Es ist nicht rechtskräftig.