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Ermittlungen zum Krienser Imam: «Es geht nicht, dass während einer Predigt zu Gewalt aufgerufen wird»

Der Islamwissenschaftler Andreas Tunger-Zanetti begrüsst die Ermittlungen zum Imam, der in Kriens Schläge gegen die Ehefrau propagiert haben soll. Es ist nicht das erste Mal, dass die Dar-Assalam-Moschee negativ in die Schlagzeilen gerät.
Yasmin Kunz/Roman Hodel
In diesem Gebäude an der Motelstrasse 1 befindet sich die Dar-Assalam-Moschee. (Bild: LZ)

In diesem Gebäude an der Motelstrasse 1 befindet sich die Dar-Assalam-Moschee. (Bild: LZ)

Die umstrittene Predigt, bei der ein Imam aus dem Irak in der Krienser Dar-Assalam-Moschee an der Motelstrasse gesagt haben soll, notfalls dürfe man seine Ehefrau schlagen (wir berichteten), hat ein Nachspiel: Die zuständige Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, bestätigt eine Meldung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Es handle sich um ein Offizialdelikt. «Untersucht wird der Straftatbestand «öffentlicher Aufruf zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit», wie Kopp sagt. Weitere aktuelle oder vergangene Vergehen seitens des Imam seien der Luzerner Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hat, begrüsst Islamwissenschaftler Andreas Tunger-Zanetti, der an der Universität Luzern für das Zentrum Religionsforschung arbeitet:

«Es ist ein richtiger und nüchterner Schritt, denn es geht nicht, dass während einer Predigt zu Gewalt aufgerufen wird – sofern es sich so zugetragen hat.»

Durch die Ermittlungen sei der Verein, der die Moschee betreibe, zumindest der Staatsanwaltschaft gegenüber gezwungen, sich zu erklären. Er zweifelt allerdings daran, ob sich der Vorwurf des Gewaltaufrufs konkret erhärten und somit ahnden lässt.

Laut Tunger-Zanetti ist die betroffene Moschee die verschlossenste in der Region Luzern: «Auch mit uns, dem Zentrum für Religionsforschung, ist der Austausch schwierig.» Die anderen Moscheen seien offener. Wobei: Es sei generell für Forscher und auch für Behörden nicht immer einfach, mit kleineren, von Migranten getragenen Religionsgemeinschaften ins Gespräch zu kommen. «Dahinter steckt jedoch nicht unbedingt böser Wille, sondern mitunter Unfähigkeit oder es sind sprachliche Barrieren vorhanden.» In der Regel seien Moscheen als Vereine organisiert. «Diese Leute arbeiten alle ehrenamtlich», sagt er.

Trotzdem entschuldige dies in keiner Weise, wie der Imam jenes Koran-Zitat, auf dem sein Aufruf basiert, ausgelegt haben soll: «Er soll daraus die Berechtigung zur Tätlichkeit herausgelesen haben, was sich die Gesellschaft nicht wünschen kann – und er soll es, was das Auffällige ist, vor allem ausgesprochen haben», so Tunger-Zanetti. Der Islamwissenschaftler hält aber fest:

«Generell wird der Einfluss von Predigten überschätzt. Es ist ja nicht so, dass diese 60 Zuhörer nun alle heimgehen und ihre Frauen schlagen.»

Es seien allenfalls einzelne, die sich durch eine Predigt in ihrem Handeln bestätigt fühlten. «Dennoch ist jeder davon einer zu viel.»

In der Dar-Assalam-Moschee treffen sich vornehmlich arabische Muslime aus Nordafrika und dem Nahen Osten. Sie steht nicht zum ersten Mal negativ in den Schlagzeilen: 2015 soll der gleiche Imam bereits radikale Botschaften propagiert haben. Und nicht nur das: Abdulrahman O. war mit der sogenannten Schaffhauser IS-Zelle befreundet. Gegen ihn und drei weitere Iraker wurde ermittelt wegen Unterstützung terroristischer Aktivitäten. Drei der vier Angeklagten kassierten vom Bundesstrafgericht mehrjährige Freiheitsstrafen. Einzig Abdulrahman O. wurde freigesprochen. Ihm konnte keine Unterstützung einer kriminellen Organisation bewiesen werden.

Der 38-Jährige war 2007 als Asylbewerber in die Schweiz eingereist. Heute lebt er laut «20 Minuten» mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Ennetbürgen. Er soll mit Autos handeln. Unklar ist, wie oft Abdulrahman O. in Kriens predigt, ob er sogar der ständige Imam ist. Von der Dachorganisation Islamische Gemeinde Luzern war am Montag niemand erreichbar.

Krienser Imam beschäftigt auch den Kantonsrat

Auch der Luzerner Kantonsrat befasst sich mit dem Freitagsgebet des Imams. So hat am Dienstag Carlo Piani im Namen der CVP-Fraktion eine Anfrage eingereicht. Darin will Piani unter anderem vom Regierungsrat wissen, welche Präventivmassnahmen er einleiten wolle und wie die Überwachung der Moscheen sichergestellt werden solle. Weiter fragt Piani nach, inwiefern dem Imam das Praktizieren im Kanton Luzern untersagt werden könne.

Gemäss Anfrage ist der Imam den Behörden bekannt. Er sei 2015 von der Bundesanwaltschaft zusammen mit drei weiteren Irakern angeklagt worden. Während die anderen Mitglieder der sogenannten Schaffhauser Zelle, mit denen der Imam befreundet war, wegen terroristischer Aktivitäten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden, erhielt er einen Freispruch. Der Vorwurf, er habe eine kriminelle Organisation – in diesem Fall den IS – unterstützt, liess sich nicht beweisen.

Antworten verlangt auch der Krienser Peter Portmann im Namen der SVP-Fraktion im Einwohnerrat Kriens. Er will vom Stadtrat etwa wissen, ob ihm bekannt sei, dass in der Moschee gelegentlich Hassprediger auftreten würden, und ob eine Schliessung der Moschee ins Auge gefasst worden sei. (stp/rt)

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