Streit entbrannt um Luzerner Langzeitgymnasium: «Erneute Attacke hinter den Kulissen»

Luzerner Mittelschullehrer zeigen sich irritiert: Holt das Gewerbe etwa zum grossen Schlag gegen das Langzeitgymnasium aus?

Adrian Venetz
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«Der Gewerbeverband Luzern plant die Abschaffung des Langzeitgymnasiums!» Mit dieser Schlagzeile wendet sich der Verband der Luzerner Mittelschullehrer (VLM) an die Öffentlichkeit. Präsident Markus Elsener schreibt in der Mitteilung von einer «erneuten Attacke» auf das Untergymnasium, obwohl sich zur Genüge gezeigt habe, dass eine Abschaffung finanzpolitisch unbegründet sei.

 Markus Elsener, Präsident Verband Mittelschullehrer.

Markus Elsener, Präsident Verband Mittelschullehrer.

Bild: Nadia Schärli, Luzern, 4. Februar 2019

Besonders stossend sei, so Elsener, dass Gaudenz Zemp, FDP-Kantonsrat und Direktor des KMU- und Gewerbeverbands (KGL), «hinter den Kulissen» Pläne schmiede und darauf verzichtet habe, den Lehrerverband zu kontaktieren. Dabei hätten doch die «bildungspolitischen Diskussionen der letzten Jahre gezeigt, dass das Langzeitgymnasium in Luzern bestens verankert» sei und sich bewährt habe.

Weiter schreibt der VLM: «Dass mit der Abschaffung des Untergymnasiums die Berufslehre gestärkt oder die unterdurchschnittliche Berufsmaturitätsquote im Kanton Luzern erhöht würde, ist ein Irrtum, wie die Zahlenvergleiche im Statistischen Jahrbuch 2019 deutlich aufzeigen.»

In investigativer Manier stützt sich der VLM in seiner Mitteilung auf «verschiedene Quellen», die «übereinstimmend bestätigen», dass Zemp im Hintergrund einen Angriff aufs Langzeitgymnasium plane. Den Ball flachhalten will dagegen Gaudenz Zemp selber. Zwar stimme es, dass er sich jüngst mit diesem brisanten Thema beschäftigt und den Austausch mit anderen Fraktionen gesucht habe, wie er auf Anfrage sagt. Er habe dies jedoch nicht als KGL-Direktor getan, sondern in seiner Rolle als Kantonsrat und Bildungspolitiker.

Gaudenz Zemp an einer Veranstaltung.

Gaudenz Zemp an einer Veranstaltung.

Bild: Dominik Wunderli, 11. Januar 2016

«Viele Zahlen und Fakten gesammelt»

Von einer Attacke des KGL aufs Untergymnasium könne keine Rede sein. Aber es müsse doch erlaubt sein, dass sich ein Kantonsrat mit bildungspolitischen Fragen beschäftige, ohne dass der Lehrerverband gleich mit «heftiger politischer Auseinandersetzung und bildungs- und regionalpolitischen Flurschäden» drohe, so Zemp.

Kein Geheimnis macht er daraus, dass er Fragezeichen hinter die «Doppelspurigkeit im Kanton mit Kurz- und zusätzlichem Langzeitgymnasium» setzt. Die Tatsache, dass es in 17 Kantonen gar kein Langzeitgymi mehr gebe, zeige doch, dass es nicht nur um Finanzfragen gehe, sondern dass es «gesellschaftspolitische und pädagogische Gründe gibt, die für ein alleiniges Kurzzeitgymnasium sprechen». Dies hätten ihm Gespräche auf Bundes- und Kantonsebene gezeigt. Darüber hinaus habe er «viele Zahlen und Fakten gesammelt», die für eine Überprüfung der aktuellen Situation sprächen.

Zemp ist sich bewusst, dass eine Abschaffung des Langzeitgymnasiums in Luzern wiederholt zur Debatte stand, aber verworfen wurde. Es sei dabei aber um finanzielle Aspekte gegangen. Sein Fokus liege auf einem «optimalen Berufswahlprozess und auf Chancengleichheit». Eine Diskussion in dieser Breite sei nie geführt worden. Er plane keinen Vorstoss, vielmehr strebe er eine «grundlegende Überprüfung der bestehenden Prozesse und Strukturen an».

Der VLM wolle seine Mitteilung nicht als Drohung verstanden wissen, erwidert Markus Elsener. «Aber wir wollen uns an der Diskussion beteiligen.» Interessant sei übrigens, dass der Kanton Schaffhausen derzeit die Einführung eines Langzeitgymnasiums prüfe – der politische Vorstoss dazu stamme aus dem Lager der FDP und SVP.

In der Zentralschweiz bietet derzeit einzig der Kanton Schwyz kein Langzeitgymnasium an, möglich ist dieser Bildungsweg dort aber trotzdem an den Privatschulen Immensee und Einsiedeln.