ERNTE: Hummeln gegen Quittenmangel

Das Quittenangebot ist immer kleiner, schuld ist der Feuerbrand. Ein Projekt zeigt: Hummelvölker können das Problem entschärfen.

Niels Jost
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Die Quittenplantage von Alois Füglister in Ballwil wird durch spezielle Netze geschützt. (Bild: PD)

Die Quittenplantage von Alois Füglister in Ballwil wird durch spezielle Netze geschützt. (Bild: PD)

Niels Jost

«Wir benötigen jedes Jahr rund 50 Tonnen Quitten», sagt Katja Ottiger von der gleichnamigen Spezialitäten AG aus Ballwil. Die Firma verarbeitet die aromatische Frucht zu Gelee und Konfitüre weiter. Auch für Sirup, Schnaps oder Gebäcke können Quitten gebraucht werden. «In den letzten Jahren war es enorm schwierig, die benötigte Menge zusammenzubringen.» Die Firma schaltete sogar Inserate, um genügend Quitten für die Produktion zu erhalten und um der Nachfrage gerecht zu werden. «Diese hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt», so Ottiger.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in anderen Betrieben. Der Grund: Die Quittenbäume sind hochanfällig auf Feuerbrand, viele mussten deshalb gefällt werden, die Ernten in grossen Mengen blieben in den letzten Jahren aus.

1000 Bäume unter einem Netz

Seit 1989 wütet die Pflanzenkrankheit Feuerbrand in der Schweiz. Nach dem Befall des Bakteriums zerfällt der ganze Baum innert ein bis zwei Jahren. «Im ganzen Kanton Luzern gibt es eine wirklich grosse Quittenkultur, ansonsten vor allem nur Einzelbäume», sagt Beat Felder von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa). Da die Quittenbäume erst im Mai bei höheren Temperaturen blühen, ist die Gefahr einer Blüten­infektion höher als etwa bei Äpfeln oder Birnen. Deshalb verbot der Kanton Luzern 2009, Quittenbäume sowie andere anfällige Baumarten innerhalb von deklarierten Feuerbrand-Schutzobjekten zu pflanzen, etwa in Erwerbsobstanlagen oder wertvollen Hochstamm-Obstgärten. Nur mindestens 500 Meter ausserhalb dieser Schutzobjekte ist es erlaubt, Quittenbäume zu pflanzen.

Für das Feuerbrand-Problem bei Quittenbäumen scheint nun aber eine Lösung gefunden zu sein: Ein Projekt, das die Lawa in enger Absprache mit dem Produzenten und dem Abnehmer lancierte, scheint zu fruchten. Alois Füglister, dessen Hof 500 Meter hinter der Verarbeitungsfirma Ottiger in Ballwil steht, pflanzte vor fünf Jahren auf einer Hektare 1000 Quittenbäume. Damit die Bäume nicht vom Feuerbrand infiziert werden, sind sie komplett in ein Netz gehüllt. «Dadurch können Insekten die Bäume nicht anfliegen», erklärt Beat Felder. «Dennoch ist Feuerbrand nicht gänzlich auszuschliessen, weshalb die Bäume gerade nach der Blütezeit regelmässig kontrolliert werden.» Um die Bestäubung sicherzustellen, sind innerhalb des Netzes drei Hummelvölker in Styroporboxen platziert. Anders als Bienen müssen die Hummeln nicht täglich fliegen.

Ernte von 30 Tonnen Quitten

«Dieses Projekt macht Mut», sagt Beat Felder. Schliesslich wolle man die Quittenbäume nicht ihrem Schicksal überlassen. «Die Not macht erfinderisch. Ein solches Projekt gibt es nur in Luzern.» Dass künftig auch in anderen Höfen Quittenbäume gepflanzt und in Netze eingespannt werden, kann sich Beat Felder durchaus vorstellen. «Allerdings nur in Absprache mit unserer Dienststelle und einem Abnehmer.» Die aktuelle Ernte fiel für Alois Füglister zum ersten Mal im erwarteten Rahmen aus. «Anfangs musste ich den richtigen Umgang mit den Hummelvölkern lernen, aber dieses Jahr bin ich zufrieden mit der Ernte», so Füglister. Die letzten Früchte pflückte er am vergangenen Samstag von den Bäumen: Gut 30 Tonnen Quitten ist die diesjährige Ausbeute. Bis auf ein paar private Abnehmer verkaufte der Ballwiler die Ernte an die Ottiger Spezialitäten AG. Zuvor mussten sie aber noch gereinigt werden. «Dafür haben wir extra eine Maschine angeschafft», so Füglister.

Quitten: Übers ganze Jahr erhältlich

Der Kilopreis für Quitten liegt im ähnlichen Rahmen wie jener für Tafelobst. Allerdings wiegen die Quitten mehr als andere Obstsorten und weisen laut Beat Felder eine bessere Qualität auf als etwa importierte Quitten. Die süssen Produkte aus Quitten stehen nicht nur in dieser Jahreszeit in den Verkaufsregalen. In der Ottiger Spezialitäten AG etwa werden die geschnetzelten Früchte eingefroren. «Unsere Produktion läuft das ganze Jahr», sagt Katja Ottiger. «Gut 280 Tonnen Früchte verarbeiten wir jährlich – Quittengelee ist unsere Leadersorte.»