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Ernüchterte Luzerner Hanf-Produzenten hoffen auf das Ausland

Viele witterten im Anbau von CBD-Hanf das grosse Geld. Womöglich zu viele: Nach einer kurzen, aber heftigen Boom-Phase ist der Preis dramatisch eingebrochen. Ein Seetaler Unternehmen kämpft ums Überleben.
Raphael Zemp
CBDeluxe-Teilinhaber Marco Joller in der Produktionshalle im Industriegebiet von Hitzkirch. (Bild: Dominik Wunderli, 29. Mai 2018)

CBDeluxe-Teilinhaber Marco Joller in der Produktionshalle im Industriegebiet von Hitzkirch. (Bild: Dominik Wunderli, 29. Mai 2018)

«Die nächste Ernte wird darüber entscheiden, ob es uns weiterhin geben wird.» Florian Koch, grossgewachsen mit rotem Bart und Haar, ist Geschäftsführer von CBDeluxe und wählt dramatische Worte, die er mit einem entsprechend ernsten Gesichtsausdruck unterstreicht.

Seit knapp einem Jahr gibt es das junge Startup-Unternehmen mit Sitz in Hitzkirch: Vier Kollegen und Geschäftspartner die sich 300-Stellenprozent teilen – und CBD-Hanf anbauen. «Cannabis- Entrepreneurs», würden sie in den USA genannt. Koch steht in der Produktionshalle von CBDeluxe, am äussersten Rande des Industriegebiets, sekundiert von Teilinhaber Marco Joller.

Draussen zirpen Grillen, zwitschern Vögel, in der Ferne rauscht der Seetaler Durchgangsverkehr. Hier drinnen, hinter mit Karton abgeklebten Fenstern und heruntergelassenen Storen («Wir müssen die Blüten vor Sonneneinstrahlung schützen»), werkte bis vor wenigen Monaten ein Metallbauer. Jetzt rauscht es ebenfalls: Die eine Lüftung garantiert konstant optimale Temperatur für die heranwachsenden Hanfstecklinge, die andere trocknet bereits geerntete Hanfblüten. Um die unverkennbar süssen Hanfharzdüfte bereits vor der Eingangstür zu erschnuppern, braucht man keine Spürhund-Nase.

Kritischer Kontostand

Nach einer kurzen Betriebsbesichtigung und vielen Fragen bringen wenige Zahlen die gegenwärtig verzwickte Lage der jungen Unternehmer auf den Punkt. Knapp 5000 Pflanzen züchten sie an ihren zwei Produktionsstandorten in der Region Lenzburg und Hitzkirch. 40 Kilogramm CBD-Blüten ernten sie jeden Monat.

Als die Seetaler ihre ersten Businesspläne schmiedeten, lag der Verkaufspreis für das Kilo CBD-Hanf bei 5000 Franken. Wenige Monate später war er bereits um die Hälfte eingebrochen. «Unser erste Ernte haben wir dann noch für 1000 Franken pro Kilo verkaufen können», sagt Koch. Es ist dieser rasante Preiszerfall, der nach rund einer halben Million Investitionskosten, monatlichen Stromrechnungen von über 7000 Franken sowie weiteren Auslagen dazu geführt haben, dass sich der Firmenkontostand nun auf einem sehr kritischen Niveau befindet.

Zwei Mitarbeiter haben bereits gekündigt – «von sich aus», wie Koch betont. Das junge Unternehmen droht dabei Opfer einer Entwicklung zu werden, die ihresgleichen sucht. Niemand hat es kommen sehen, da war CBD-Hanf auch schon im entlegensten Bergdorf erhältlich. Grossverteiler, Tankstellenshops und Kioske, sie alle boten das Gras ohne High an.

Seetaler bekräftigen: «Wir kämpfen weiter»

Anfangs konnte davon denn auch nicht genug produziert werden, die Nachfrage erstaunte selbst CBD-Pioniere. Viele glaubten von diesem Boom profitieren zu können. Im ganzen Land wurden Firmen gegründet und Industriehallen mit CBD-Hanf begrünt.

Jetzt, nach einigen Ernten, zeigt sich: Wohl zu viele. Gerade bei den kleinen Produzenten ist die anfängliche Euphorie verflogen und Ernüchterung eingekehrt. So auch im Luzerner Seetal, bei CBDeluxe. Trotzdem bekräftigen die Jungunternehmer: «Wir kämpfen weiter».

Nebengeschäfte als zwischenzeitliche Firmenretter

Dabei haben die Seetaler schon früh unternehmerisch gehandelt und auf den Preiszerfall reagiert: «Eigentlich wollten wir ausschliesslich produzieren. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen habe wir einen eigenen Shop in Hochdorf eröffnet.»

Dort, wie auch im Online-Shop, bieten die Jungunternehmer nebst selbstproduziertem CBD- Gras, Grow-Equipment und Raucher-Accessoires auch Hanf-Öle und -Tees zum Verkauf an sowie Liköre, die mit CBD allerdings noch nichts zu tun haben ausser den Brand-Namen. «Dieses Geschäft hat uns zwischenzeitlich gerettet», sagt Koch. Auch wenn sie angezählt sind: Noch glauben die jungen Seetaler an einen guten Ausgang ihres Geschäftsabenteuers.

Vom Schweizer Markt versprechen sie sich dabei keine Rettung. «Der ist gesättigt», so Koch. Ihre ganze Hoffnung ruht auf dem Ausland, vor allem auf Italien. Dort ist derzeit besonders THC-armer Hanf gefragt – aufgrund strengerer Bestimmungen. (Eine Situation, die Kiffer vermutlich verwundert: Züchtet doch der illegale Markt den Hanfpflanzen seit Jahrzehnten einen immer höheren THC-Gehalt an – für einen wirkungsvolleren Rausch.) Koch weiss: «Sorten, deren THC-Anteil unter 0,2 Prozent liegt, können über 2000 Franken pro Kilo erzielen.» Es ist denn auch kein Zufall, dass die ganze aktuelle Ernte über einen Vertriebspartner schliesslich in Italien landen soll – «sofern der Preis stimmt».

Von null auf über 50 Millionen

CBD-Hanf darf seit 2011 legal angebaut und gehandelt werden. Der gegenwärtige Boom hat allerdings erst im Sommer 2016 seinen Lauf genommen. Damals brachte die Schaffhauser Firma Bio-Can den ersten CBD-Hanf als Tabakersatz auf den Markt – und war selbst darüber erstaunt, wie gut sich dieses verkaufte. Daraufhin setzte eine stürmische Anbauschlacht ein: Noch im Januar 2017 gab es in der Schweiz bloss fünf registrierte CBD-Firmen. Ende Jahr lag diese Zahl bereits bei 490. Inzwischen ist die 600-Marke geknackt.

Im selben Zeitraum sind im Kanton Luzern knapp zehn Firmen entstanden, die CBD-Hanf anbauen – fast ausschliesslich in Hallen. Wie viel sie produzieren, das wissen weder Bund noch Kanton aufgrund der fehlenden Meldepflicht. Klar ist: Schweizweit hat die junge Branche im letzten Jahr über 50 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet, wovon ein Viertel in die Staatskasse geflossen ist, in Form von Tabaksteuer. (zar)

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