Erster Corona-Fall an Schule im Kanton Luzern nach Lockerungen: Schüler in Reiden positiv getestet

Ein Sekschüler ist in Reiden am Coronavirus erkrankt. Der Kanton Luzern lobt das schnelle Handeln der Schulleitung.

Fabienne Mühlemann
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Die Sek-Schulhäuser Johanniter 3 und 4 in Reiden.

Die Sek-Schulhäuser Johanniter 3 und 4 in Reiden.

Bild: Fabienne Mühlemann, Reiden, 18. Mai 2020

Eine Woche nach den Lockerungen des Lockdowns ist in Reiden ein Schüler der ersten Oberstufe positiv auf Covid-19 getestet worden. Die Schule informierte am Wochenende die Eltern der betroffenen Stufe in einem Schreiben über den Fall. Der Schüler befindet sich nun in Isolation. Eine Quarantäne der siebten Klasse hat der Kantonsarzt jedoch nicht angeordnet, der Schulbetrieb läuft mit den Schutzbestimmungen weiter.

Ein Bericht auf dem Onlineportal von «20 Minuten» am Sonntag über den Fall schlug hohe Wellen. Darin äusserte eine Mutter Kritik über die Kommunikation, da nur die erste Oberstufe informiert wurde. Der Gemeinderat berief deswegen am Montagnachmittag kurzerhand eine Pressekonferenz in Reiden ein, an der nebst der Schulleitung auch der Gemeindeführungsstab unter der Führung von Gemeinderat Bruno Aecherli anwesend war.

Schule Reiden ist «korrekt vorgegangen»

An der Pressekonferenz führte unter anderem Schulleiter Timo Helfenstein das Vorgehen nach Bekanntwerden des Falls aus. «Ich wurde am Freitagabend nach 20 Uhr über den Fall informiert.» Daraufhin habe er gleich den Kantonsarzt kontaktiert und mit dem Gesundheits- und Sozialdepartement des Kanton Luzern das weitere Vorgehen besprochen. Am Samstag seien die Eltern der Stufe informiert worden. «Weil die Stufen getrennt gehalten werden, hielten wir die Kommunikation zu diesem Zeitpunkt für korrekt und richtig adressiert», so Helfenstein. Man wollte ausserdem keine unnötige Angst verbreiten. Helfenstein erklärte auch, dass die Schule kein Entscheidungsorgan sei und eine Quarantäne-Anordnung oder Tests der Schüler über die kantonale Dienststelle laufe.

Das gilt an den Luzerner Schulen

Weisen an einer Schule Personen Krankheitssymptome auf, sollen diese sich laut dem Luzerner Kantonsarzt Roger Harstall in Isolation begeben und testen lassen. Personen mit engem Kontakt zu Erkrankten sollen sich in Quarantäne begeben.

Was bedeutet das nun für Fälle an Schulen? «Das Miteinander der Kinder im schulischen Setting wird nicht als enger Kontakt definiert», heisst es beim Bundesamt für Gesundheit. Folglich sei beim Auftreten eines Einzelfalls eine Quarantäne für eine ganze Schulklasse nicht nötig, so der Kantonsarzt. Derzeit habe er keine Kenntnis von weiteren Covid-19-Fällen an Luzerner Schulen, so Roger Harstall weiter. Er führt aus: «Gemäss derzeitigem Stand sind keine Schüler infolge eines Kontaktes mit einem positiv getesteten Schüler oder einer Lehrperson im Kanton Luzern in Quarantäne.» (rt)

Der Kanton Luzern lobt das Verhalten der Schule Reiden zum Umgang mit dem Covid-19-Fall. Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, sagt: «Aus unserer Sicht ist die Schule Reiden richtig vorgegangen. Dies betrifft insbesondere auch die Information.» So seien alle Schüler der siebten Klasse, die teilweise in klassengemischten Gruppen unterrichtet werden, am Samstag informiert worden. «Nur diese Lernenden können in der Schule allenfalls in Kontakt mit dem Schüler gekommen sein.» In der Pause würden die Schüler gemäss dem kantonalen Schutzkonzept nicht gemischt. «Die Eltern der Lernenden anderer Klassen wurden am Montag informiert, was durchaus zeitgerecht ist.» Aufgrund der unterschiedlichen Schulgrössen in den Gemeinden ist ein situationsgerechtes Vorgehen laut Charles Vincent zentral.

Eltern meldeten Kinder vom Unterricht ab

Der Vorfall sorgt trotz Lob des Kantons bei vielen Eltern für Beunruhigung. «Die Schule hat heute morgen viele Anrufe und Mails von besorgten Eltern der Oberstufenschüler erhalten», sagt Rektorin Sabine Beyer. Einige Eltern hätten ihre Kinder vom Unterricht abgemeldet. Laut Beyer werden in den ersten beiden Wochen nach der Wiedereröffnung der Schulen gemäss Empfehlungen der Dienststelle Volksschulbildung des Kanton Luzern Abmeldungen toleriert, um den Ängsten Rechnung zu tragen. Deswegen sei im Unterricht vor allem Stoff repetiert worden. «Das ändert sich ab nächster Woche, denn dann gilt wieder die obligatorische Schulpflicht», sagt Beyer. Würden Schüler ohne Entschuldigung, wie zum Beispiel einem Arztzeugnis, dem Unterricht fernbleiben, drohe im schlimmsten Fall eine Busse.

Rückkehr des Betroffenen ist noch unklar

Aus Gründen des Datenschutzes wurden an der Medienkonferenz keine Angaben über den betroffenen Schüler gemacht oder gesagt, wo er sich angesteckt hat. Auch wann dieser in den Unterricht zurückdarf, ist unklar. «Der Kanton wird grünes Licht geben, sobald keine Ansteckungsgefahr mehr von dem Schüler ausgeht», sagt Timo Helfenstein.

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