Corona-Virus schlägt im Kanton Luzern gleich doppelt zu – Vorbereitungen für Tests zu Hause laufen

Eine Kantischülerin und ein Familienvater sind die ersten Luzerner Corona-Patienten. Dabei wird es nicht bleiben, sagt Gesundheitsdirektor Guido Graf.

Alexander von Däniken
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Die Kantonsschule Alpenquai in Luzern: Eine 16-jährige Schülerin wurde als Erste im Kanton Luzern positiv auf das Corona-Virus getestet.

Die Kantonsschule Alpenquai in Luzern: Eine 16-jährige Schülerin wurde als Erste im Kanton Luzern positiv auf das Corona-Virus getestet.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 5. März 2020)

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Corona-Virus auch den Kanton Luzern erreicht. Eine 16-jährige Schülerin der Kantonsschule Alpenquai in Luzern und ein 45-jähriger Mann wurden unabhängig voneinander infiziert. Dies gab der Kanton am Donnerstag bekannt. Der Fall der Schülerin wurde bereits frühmorgens publik. An einer Medienkonferenz am Nachmittag gaben Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP), Kantonsarzt Roger Harstall und Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie am Luzerner Kantonsspital (Luks) weitere Details preis.

Die Schülerin habe sich vom 21. bis am 24. Februar in der Nähe von Bergamo in der Lombardei aufgehalten, führte Harstall aus. Am vergangenen Montag und Dienstagmorgen, also unmittelbar nach den Schulferien, sei sie noch in die Schule gegangen, mit rund 1200 Schülern eine der grössten in der Deutschschweiz. Als sich erste Symptome zeigten, sei die Schülerin unverzüglich ins Luks geschickt worden, wo sie sich in einer neu geschaffenen Isolationsabteilung befindet. «Sie ist in guter gesundheitlicher Verfassung», so Harstall. Marco Rossi fügte an, dass demnächst besprochen werde, wann die junge Frau nach Hause geschickt werden könne, wo sie sich weiter isoliert aufhalten soll.

Kantonsapotheker Stephan Luterbacher beantwortet Leserfragen:

Eltern, Klassenkameraden und Lehrer in Quarantäne

Alle Personen, die mit der Schülerin Kontakt hatten, halten sich bereits zu Hause in vorsorglicher Quarantäne auf. Das betrifft die Eltern, 20 Mitschülerinnen und Mitschüler sowie acht Lehrpersonen. Das bestätigt auf Anfrage der Klassenlehrer. Er sei zu Hause, ihm gehe es gesundheitlich gut. Laut Kantonsarzt Roger Harstall hatten auch zwei Lehrpersonen und ein Mitschüler, die nicht im Kanton Luzern wohnen, mit der jungen Frau Kontakt. In diesen Fällen sei der jeweilige Wohnkanton zuständig. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler erhalten nun zu Hause Fernunterricht. Für die übrigen Klassen der Kanti Alpenquai – und auch alle anderen Schulen im Kanton – gibt es bis auf weiteres regulären Unterricht.

Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie beim Luzerner Kantonsspital, Guido Graf, Gesundheits- und Sozialdirektor des Kantons Luzern sowie Kantonsarzt Roger Harstall bei der Medienkonferenz im Luzerner Kantonsspital.

Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie beim Luzerner Kantonsspital, Guido Graf, Gesundheits- und Sozialdirektor des Kantons Luzern sowie Kantonsarzt Roger Harstall bei der Medienkonferenz im Luzerner Kantonsspital.

Patrick Hürlimann (5. März 2020)

Über die zweite Person aus dem Kanton Luzern, deren Probe im Referenzlabor in Genf positiv war, gab Roger Harstall wenig bekannt. Es handle sich um einen 45-jährigen Mann, der sich in der Schweiz angesteckt hat. «Er hatte Kontakt mit einer Person, die in einem anderen Kanton lebt und positiv getestet worden war.» Nachdem sich auch beim Luzerner Symptome gezeigt hätten, sei er unter Isolation gestellt worden. «Auch ihm geht es gesundheitlich gut.» Frau und Kind seien unter vorsorglicher Quarantäne.

Weitere Verdachtsfälle in Abklärung

Neben den zwei bestätigten Fällen gebe es im Kanton Luzern aktuell weitere Verdachtsfälle. Sie werden in den vom Bund bestimmten Laboratorien abgeklärt. «Es werden mit Sicherheit noch mehr Fälle dazukommen», sagte Guido Graf. Er mahnte, weder in Panik zu geraten, noch die Epidemie zu verharmlosen. Das gemeinsame Ziel von Bund und allen Kantonen sei es, die Verbreitung des Virus zu verzögern. «Wenn sich das Virus langsam durch die Bevölkerung bewegt und immer nur wenige Personen krank sind, können wir das bewältigen.» Und weiter:

 «Wenn gleichzeitig Zehntausende Personen ausfallen, kollabiert zuerst unser Gesundheitssystem, dann das öffentliche Leben und zuletzt auch die Wirtschaft.»

Graf erinnerte deshalb an die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit: Hände regelmässig gründlich waschen oder desinfizieren; ins Taschentuch oder in die Armbeuge husten oder niesen; Taschentücher in verschlossenen Abfallkübel entsorgen; keine Begrüssung per Handschlag, Umarmung oder Kuss; Abstand halten zu anderen Personen; Grippesymptome zu Hause kurieren; nicht ohne Voranmeldung zum Arzt. Laut Marco Rossi wird das nicht immer gemacht: «Es kommen täglich zwischen 40 und 50 Menschen zu uns ins Luks, die nur Erkältungssymptome haben.»

Enge Zusammenarbeit mit Spitex

Gleichzeitig sorgt auch der Kanton Luzern vor: In einer Task-Force Corona beraten sich Vertreter der Gesundheitsbehörden, Spitäler, Ärzte, Spitex-Dienste, Schulen, Polizei, des Zivilschutzes und der Gemeinden. Eine weitere Arbeitsgruppe unterstützt die Wirtschaft; etwa bei der Kurzarbeit. «Wir arbeiten auch eng mit der Spitex zusammen, damit wir dort, wo der Hausarzt einen Corona-Test anordnet, den Abstrich an der Rachenschleimhaut auch bei den Leuten zu Hause machen können», so Graf. Dieses Szenario wird dann aktuell, wenn laut dem Infektiologen Marco Rossi die Kapazitäten im Luks ausgereizt sind. Ansonsten gelten im Kanton Luzern dieselben Regeln wie bisher.

Die Schülerinnen und Schüler der Kanti Alpenquai nehmen den Vorfall ernst, wie eine Umfrage vor Ort zeigt. «Ich bin etwas verunsichert. Ich weiss nicht, ob die Schule nicht doch besser geschlossen werden soll», sagt Anna. Sie sei via Mail von der Schulleitung informiert worden. Wie andere angefragte Schüler sagt auch Jaelle: «Ich glaube, jetzt wird sich das Virus schnell verbreiten.» Das wäre zu verhindern gewesen, meint Kimi: «Es wäre besser gewesen, wenn jene Schüler, die in Norditalien in den Ferien waren, vorsorglich zwei Wochen zu Hause geblieben wären.»

Zu Hause bleiben, wenn man krank ist

Unsere Zeitung hat bei Kantonsarzt Roger Harstall nachgefragt. Der Schulbetrieb sei in den Gesprächen mit dem Bund und den anderen Kantonen eines der Hauptthemen gewesen. «Dabei haben wir uns alle darauf geeinigt, den Schulbetrieb möglichst normal weiterlaufen zu lassen.» Generell müsse die Regel eingehalten werden,

«dass man zu Hause bleibt, wenn man krank ist.»

Die Regel gilt natürlich auch für Arbeitgeber. Da bilden jene Unternehmen, die in unmittelbarer Nähe zur Kanti Alpenquai liegen, keine Ausnahme. Zum Beispiel Emmi. Weder am Hauptsitz neben der Kanti noch an den rund 25 anderen Standorten habe es bei der Milcherverarbeiterin bisher einen Corona-Fall gegeben, sagt Mediensprecherin Sibylle Umiker. Daher gelten die bisher bekannten Präventionsmassnahmen des Bundes. So finden bis auf weiteres keine Sitzungen mit mehr als 20 Teilnehmern statt, kleinere auf ein Minimum reduziert.

Ähnliches teilt die CSS mit. Die Versicherung empfiehlt jedoch laut Sprecherin Christina Wettstein ihren Angestellten, nach Absprache mit dem Vorgesetzten zu Hause zu bleiben, wenn ein möglicher Kontakt mit einer infizierten Person bestand. Gleiches gelte für Angestellte, die unter den typischen Symptomen leiden.

Die Medienkonferenz des Kantons zum Nachschauen:

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