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Luzernerin hilft Müttern in Äthiopien: "Es braucht oft nur 200 Franken Starthilfe"

Mit ihrem Verein Ilanga unterstützt die Egolzwilerin Annemarie Geurts alleinerziehende Frauen in Äthiopien. Ausserdem bietet sie Reisen an, auf denen Einblicke in ihre Arbeit gewährt werden.
Nathalie Ehrenzweig
Annemarie Geurts mit drei Kindern, deren Mütter von Ilanga unterstützt werden. (Bild: PD)

Annemarie Geurts mit drei Kindern, deren Mütter von Ilanga unterstützt werden. (Bild: PD)

Seit Annemarie Geurts vor über 30 Jahren das erste Mal in Süd­afrika rumreiste, ist es um die Egolzwilerin geschehen. Obwohl sie auch noch andere Kontinente bereiste, lässt sie Afrika nicht mehr los. «Mit meinem Mann wollte ich eine Weltreise machen, doch wir haben 17 Monate in ­Afrika verbracht», erzählt sie lachend. Später nehmen die Eltern auch ihre Kinder, heute 20 und 18, mit. «Nach so vielen wunderschönen Reisen bekam ich irgendwann das Gefühl, dass ich nicht nur immer in Bewegung sein will, sondern auch was tun, etwas ­zurückgeben möchte», sagt sie.

Auf Empfehlung des Jour­nalisten und Reiseleiters Walter ­Eggenberger besucht sie deshalb eine NGO in Äthiopien und lernt dabei die Sozialarbeiterin Leti kennen. «Sie erzählte mir von ihren Träumen und Ideen, dass sie alleinerziehenden Frauen helfen möchte, und fragte mich, ob ich sie unterstützen würde. Da sagte ich spontan Ja. So gründeten wir 2016 unseren Verein Ilanga, das Sonnenschein bedeutet.»

Fasziniert vom Pragmatismus der Äthiopier

Schnell bildet sich in Addis Abeba ein Team von drei Frauen, die sich um die Alleinerziehenden und ihre Kinder kümmern. «Unser Ziel ist, den Frauen die Möglichkeit zu geben, sich und ihren Kindern selbst zu helfen. Capacity Building ist das Stichwort. Dabei geht es meistens ­darum, den Frauen einen zinslosen Mikro­kredit zu gewähren, damit sie in eine Selbstständigkeit starten können», erklärt die 56-Jährige. Wichtig sei dem Verein, dass die Frauen überlegen, was sie können und welche Tätigkeit in ihrer Situation und ihrem Umfeld Sinn macht. «Sie produzieren zum Beispiel Injeras, eine Art Fladenbrot, die sie an Restaurants verkaufen. Dazu brauchen sie Zutaten und den entsprechenden Ofen. Mit 200 Franken können wir ihnen eine Starthilfe geben.» Andere stellen Kollo, einen Snack her, oder brauchen eine Fritteuse, um Samosas zuzubereiten. Auch Handarbeiten wie Korbflechten und Nähen sind gefragt.

Viele der Hilfe suchenden Frauen haben behinderte Kinder. Auch ehemalige Strassenkinder suchen bei Ilanga Unterstützung. «Gerade Alleinerziehende brauchen eine Aufgabe, die sie daheim ausführen können, damit sie auch bei ihren Kindern sein können, besonders, wenn diese behindert sind», betont Annemarie Geurts. Die Mütter und Kinder brauchten aber oft auch Nahrungsmittelhilfe, wenn sie unterernährt seien. Oft fehle es an allem, auch an einem Wohnort.

Die Not sei riesig, die alleinerziehenden Frauen zuunterst in der gesellschaftlichen Hierarchie. «Ich habe kein Helfersyndrom», sagt Geurts, «ich freue mich einfach, dass wir mit ein­fachen Mitteln eine grosse Veränderung im Leben dieser Frauen und Kinder erwirken können. Wir verlangen aber Initiative von ihnen.» Ilanga sei wie ein Sprungbrett, wie eine Familie, findet eine der Unterstützten. Dass die Armen hier den Ärmsten helfen, liege wohl auch daran, dass die Religion eine wichtige Rolle spiele: «Es hat mich inspiriert, dass die Notleidenden von Familie, Freunden und auch Fremden unterstützt werden, so gut es geht», sagt Geurts. Die Zusammenarbeit mit dem Team vor Ort und die strahlenden Augen der Mütter und Kinder gäben ihr ausserdem viel Energie.

Erlös aus den Reisen fliesst teils an das Projekt

Bereits haben einige Frauen ihren Kredit zurückbezahlt, zurzeit kümmert sich Ilanga um 20 Frauen mit 32 Kindern. «Das Team in Äthiopien muss jeweils definieren, wie viele Frauen sie beraten können, denn wir tun das alle ehrenamtlich», betont Annemarie Geurts. Die Betreuung der Frauen, die Besuche, Business-Coaching oder andere Beratungen seien ebenso wichtig wie die Mikrokredite. «Die Frauen sind sehr arm. Deshalb gehen wir mit ihnen einkaufen, statt ­ihnen das Geld zu geben. Oder wir kaufen Geräte wie Injera-Öfen, und sie zahlen sie bei uns ab.» Ein paar machten auch mal Rückschritte, deshalb sei die ­Begleitung so wichtig.

Die Herzlichkeit, die direkte Kommunikation und der Pragmatismus der Äthiopier fasziniert die Egolzwilerin. «Mir liegt die Mentalität hier. Und natürlich bietet Äthiopien einen tollen Mix von Kultur und Natur», schwärmt sie. Das möchte sie auch den Reisegruppen vermitteln, die sie, zusammen mit ihrem Tourismus-Partner Semere, durch das Land führt. «Wir sehen Land und Leute, kulturelle Sehenswürdigkeiten und die Natur und machen verschiedene Besuche, zum Beispiel in einer Schule, in einem Spital und bei Ilanga-Frauen.» Der interkulturelle Austausch liege ihnen sehr am Herzen.

Während sich das Team in Addis Abeba um die Frauen kümmert, treibt Geurts die Finanzen des Vereins auf: «Ich mache klassisches Fundraising, verkaufe an Basaren Schals, Schmuck und Korbwaren aus Äthiopien, organisiere Vorträge, ausserdem bekommen wir Spenden und ein Prozent des Preises der Reisen. Es wäre toll, wenn ich mit einem stabilen Budget bis 15 000 Franken im Jahr rechnen könnte. Damit könnten wir viel bewegen.»

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