Interview

Luzerner Bildungsdirektor kontert Maskenpflicht-Kritik von Eltern: «Die Handhabung ist einfach zu erlernen»

Eltern und Lehrpersonen setzen Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann und Gesundheitsdirektor Guido Graf mit einem offenen Brief unter Druck. Sie wollen keine Maskenpflicht an Schulen. Marcel Schwerzmann nimmt im Interview Stellung.

Roger Rüegger
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Luzerner Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann

Luzerner Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann

Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 12. Dezember 2019

Gegen die Maskenpflicht für Schüler an Luzerner Gymnasien und Berufsschulen regte sich Widerstand. In einem offenen Brief kritisierten Eltern die Massnahme. Der Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann verteidigt im Interview die Maskenpflicht.

Wo tragen Sie eine Maske?

Marcel Schwerzmann: Überall dort, wo es vorgeschrieben ist oder der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann. Etwa im ÖV und beim Coiffeur. Im Sommer war ich in Süddeutschland. Dort habe ich in Geschäften, Museen und Restaurants eine Maske getragen.

Welche Erfahrung machten Sie?

Ich akzeptiere die Maskenpflicht, weil mir meine Gesundheit wichtig ist. Meine Coiffeuse erzählte, dass sie mit wenigen Unterbrüchen acht Stunden pro Tag eine Maske trägt und zweimal 40 Minuten im ÖV unterwegs ist. Sie war froh, dass sie wieder arbeiten durfte.

Im Brief fehlt das Verständnis für Maskenpflicht an Schulen.

Natürlich ist es nicht ideal, mit Masken zu arbeiten. Gerade in der Schule, wo der persönliche Kontakt und die soziale Interaktion wichtig sind. Wir haben uns diese Situation nicht ausgesucht. Die rechtlichen Vorgaben des Bundesrates und die Absprache im Kantonalen Führungsstab sind für uns verbindlich.

Maskentragen sei ein Angriff auf die Menschenwürde und habe gesundheitliche Konsequenzen.

Das sehe ich nicht so. Derzeit gilt es, die Pandemie einzudämmen. Es geht hier um das sehr hohe Gut Gesundheit. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Studien, die dies belegen. In gewissen Berufen wird über längere Zeiträume mit Masken gearbeitet – ohne Probleme.

Masken könnten das Erkrankungsrisiko erhöhen, wenn man sie mit schmutzigen Händen berührt.

Die richtige Handhabung der Masken ist einfach zu erlernen und liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen.

Weshalb streben Sie als Alternativen keine Plexiglas-Lösung an?

An Luzerner Schulen kommen bei gewissen Situationen Plexiglasscheiben zum Einsatz. Bei Zehntausenden Schülern ist der Einsatz von Plexiglas organisatorisch nicht einfach. Sie schützen auch nicht vor aerosoler Übertragung.

Es wird verlangt, dass die Regierung sich «für eine (angst) freie umfassende Bildung» einsetzt.

Ich sehe nicht, was Maskentragen mit «angstfreier Bildung» zu tun hat. Wir leben in einer speziellen Situation und müssen angemessene, notwendige Massnahme zur Sicherheit aller treffen.

Wann wird die Pflicht aufgehoben?

Das kommt auf den weiteren Verlauf der Pandemie an. Je besser wir uns an Vorschriften halten, umso eher kommen wir davon weg. Wann dies sein wird, weiss ich auch nicht.

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