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Darum verschwindet das letzte Gastrolokal am Luzerner Grendel

Viele in der Stadt bedauern die Schliessung der Cafeteria «Emilio» am Luzerner Grendel. Jetzt spricht der Eigentümer der Liegenschaft über die Gründe und erklärt auch, wieso er an dieser prominenten Lage seit Jahrzehnten Sozialhilfebezüger wohnen lässt.
Roman Hodel
Die Cafeteria Emilio am Grendel gibt es seit mehreren Jahrzehnten.(Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 2. Juli 2018))

Die Cafeteria Emilio am Grendel gibt es seit mehreren Jahrzehnten.(Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 2. Juli 2018))

«Oh nein. Ich war dort so gerne Kaffee trinken.» und «So schade. Ich mag das Emilios. Wo gibt es in der Altstadt etwas Vergleichbares?» oder auch «Die Altstadt ist sowieso langweilig geworden.» Das bevorstehende Ende der Cafeteria Emilio am Luzerner Grendel (Ausgabe vom 23. Juni) sorgt nicht nur auf dem Facebook-Account und in der Leserbriefspalte unserer Zeitung für zahlreiche Kommentare. Auch beim Quartierverein Altstadt bedauert man die Schliessung des letzten Gastrolokals am Grendel, wie Präsident Pierre Rügländer auf Anfrage sagt: «Die Entwicklung ist nicht vorteilhaft, aber das ist der Lauf der Dinge.»

Ein Vertreter der Eigentümerfamilie der Liegenschaft Grendel 9, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, bedauert «das Ende einer erfolgreichen Cafeteria» ebenfalls sehr, betont aber: «Ein Gastronomiebetrieb wäre für uns weiterhin denkbar gewesen, doch auf die Angebote des Lokals hat sich halt kein Anbieter im bisherigen Sinne gemeldet.» Offensichtlich sei das betriebswirtschaftliche Risiko an diesem Standort zu gross. Dass dies womöglich am Preis liegen könnte, stellt er in Abrede: «Der Mietzins war bisher kein Verhandlungsthema und somit auch nicht im Mittelpunkt der Vermietung.» Wie hoch dieser bisher war, will der Eigentümer allerdings nicht sagen. Nur so viel: «Der Vermieter kann sich nicht um das betriebliche Risiko eines Mieters kümmern.»

Beworben hätten sich einige Uhren- und Schmuckgeschäfte, mehrere Mode- und Accessoireläden von erstklassigen Markenartikeln, eine Schnellimbisskette und Take-away-Anbieter, jedoch kein Gastronomie-Anbieter im bisherigen Sinne. Laut dem publizierten Baugesuch soll eine Bijouterie einziehen. «Möglicherweise», sagt der Vermieter. «Die Verträge sind noch nicht unterschrieben.» Warum heisst es dann im Baugesuch, dass der Laden aus betriebswirtschaftlichen Gründen bereits am 21. Januar 2019 eröffnet werden muss? «Das liegt an der dringend notwendigen Dachsanierung, welche im Oktober beginnt und Mitte Januar abgeschlossen ist», so der Vermieter. «Sobald das Baugerüst weg ist und die Grendel-Strassensanierung durch die Stadt fertig erstellt ist, wollen unsere Interessenten den Laden eröffnen können.»

«Seit einiger Zeit regnet es massiv hinein»

Auslöser des «Emilio»-Endes ist die Dachsanierung, verbunden mit dem dazugehörenden Gerüst und Notdach. «Seit einiger Zeit regnet es massiv hinein und es mussten mehrfache Reparaturarbeiten vorgenommen werden», sagt der Hausbesitzer. Deshalb habe man Anfang Jahr bereits ein anderes Baugesuch fürs Dach, die Fassade und die Wohnungen eingereicht – dieses sei von der Stadt bewilligt worden. Im Zuge dessen wurde auch eine Sanierung des «Emilio»-Lokals zum Thema – die letzte liegt 30 Jahre zurück. Die Pächterin kündigte daraufhin den Mietvertrag auf Ende Oktober – von sich aus, wie sie betont. Als Grund gab sie gegenüber unserer Zeitung die hohen Investitionskosten an, dies, zumal sie auf die Pension zugehe.

«Die Nachfrage nach unseren Wohnungen ist gross, obschon sie einfach sind – wir haben nicht einmal einen Lift, trotz sieben Etagen.»

Beinahe zeitgleich mit der «Emilio»-Schliessung beginnt im Oktober die Sanierung der oberen Stockwerke. «Das Dach besteht immer noch aus fast 80-jährigen Schieferziegeln, die nun ersetzt werden», so der Vermieter. Zudem kontrolliere man auch gleich die Balken im Dachstuhl. Bei den acht 1,5-Zimmer-Wohnungen würden die Bäder und die Küchen ersetzt. Die Mietzinse von heute 900 bis 1000 Franken pro Monat blieben gleich. Das ist einigermassen erstaunlich, da nicht üblich. Der Eigentümer sagt dazu: «In gut der Hälfte dieser Wohnungen sind seit Jahrzehnten Sozialhilfeempfänger einquartiert – deshalb kann ich nicht mehr verlangen.» Diese Leute bräuchten auch eine Chance. «Ausserdem können wir im Gegensatz zu professionellen Vermietern nach persönlichen und situativen Kriterien aussuchen.» Dazu muss man wissen: In der Stadt Luzern erhält eine Einzelperson, die von der Sozialhilfe lebt, 850 Franken zum Wohnen, plus maximal 30 Prozent der Nebenkosten. Der Eigentümer arbeitet nicht nur mit der Stadt, sondern auch mit der Caritas und dem Frauenhaus zusammen.

Es habe zu wenig Autoparkplätze

«Die Nachfrage nach unseren Wohnungen ist gross, obschon sie einfach sind – wir haben nicht einmal einen Lift, trotz sieben Etagen», sagt der Eigentümer. Ein Mangel, der noch nie einen Mieter gestört habe. «Viel mehr ärgern sie sich, dass es nur Veloparkplätze und zu wenige Autoparkplätze in der Umgebung gibt.» Die oft fehlenden Parkplätze seien auch der Grund, wieso die Altstadt immer mehr verkümmere. «Abends ist es hier wie tot», sagt der Eigentümer.

Allerdings sind am Grendel auch fast nur noch Geschäfte für Touristen präsent. Dass dies seinen Teil dazu beiträgt, sieht er anders: «Kultur und Tourismus sind für Luzern überlebenswichtig, für die Steuereinnahmen, die Sozialhilfe und das Bildungswesen.» Auch die Luzerner seien gerne Touristen in der ganzen Welt. «Stellen Sie sich vor, wir hätten in unserer schönen Stadt eine Lebensqualität wie einer Region, wo nur Schwerindustrie vorhanden ist, wäre das etwa besser?»

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