Es ist eng beim Seniorentanz

Hunderte Senioren feierten in Luzern die Seniorenfasnacht. So viele, dass dies Auswirkungen auf die nächste Fasnacht haben könnte.

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Ein Tanzball wie im Film: Seniorenfasnacht 2012 im Casino (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Ein Tanzball wie im Film: Seniorenfasnacht 2012 im Casino (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Es erinnerte an ein Rockkonzert: Bereits eineinhalb Stunden vor der Türöffnung drängelten sich die zahlreiche Senioren vor dem Eingang des Casinos in der Stadt Luzern. Sie alle konnten es kaum erwarten, endlich an der Seniorenfasnacht das Tanzbein zu schwingen. «Im nächsten Jahr müssen wir die Anzahl der Gäste vielleicht sogar beschränken», sagt Rolf Keller, Alt-Weyzunftmeister, der im Auftrag des Lozärner Fasnachtskomitees die Seniorenfasnacht mitorganisierte. 400 Personen passen in den Saal des Casinos, am Samstag war er bis auf den letzten Platz besetzt. «Die Seniorenfasnacht ist ein voller Erfolg. Jedes Jahr kommen mehr», sagt Keller. Noch erfreulicher: Immer mehr würden sich auch aufwendig verkleiden.

Wählerische Tanzpartnerin

Willkommen sind alle Personen ab 60 Jahren. «Türkontrollen gibt es aber nicht», sagt Keller. Nach oben hin sind derweil keine Altersgrenzen gesetzt. «Die ältesten Fasnächtler sind hier um die 100. Nicht ganz 100, aber immerhin 90 Jahre alt, ist Ernst Fellmann aus Luzern. Gekonnt bewegt er sich und seine Tanzpartnerin, die 78-jährige Luzernerin Anita Kost, übers Tanzparkett. «Ich bin schon als junger Mann an die Fasnacht gegangen», sagt Fellmann.

Fellmann hat Glück. Denn Kost tanzt nicht mit jedem und ist sehr wählerisch. «Ich schaue mir die Tänzer auf der Tanzfläche genau an. Wenn einer gut tanzt, fordere ich ihn auf.» Kost gefällts hier. «Ich kenne viele von früher.»

Ein Tanzball wie im Film: Seniorenfasnacht 2012 im Casino (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Ein Tanzball wie im Film: Seniorenfasnacht 2012 im Casino (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Zünfte mit dabei

Doch nicht nur die Senioren fanden sich im Casino ein, sondern auch die Wey-Zunft, die Zunft zu Safran, die Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern und die Fidelitas Lucernensis. Die Senioren begrüssten die Gesellschaften mit tobendem Applaus.

Fritschivater Damian Hunkeler konnte sich kaum setzen, da wurde er schon zu einem Tanz aufgeboten. Hunkeler ist überzeugt, dass es in Zukunft wieder mehr klassische Maskenbälle geben wird, wie es die Seniorenfasnacht ist. «Man besinnt sich auf alte Zeiten», sagt Hunkeler.

So war es früher

Die Senioren sind sich einig: Früher gab es eindeutig mehr Maskenbälle. Was das Feiern angeht, stehen sie den jüngeren Fasnächtlern derweil in nichts nach.

Elisabeth Sigrist (62) aus Meggen: «Ich habe meinem Mann gesagt, dass er erst am Aschermittwoch die Polizei rufen soll, falls ich nicht wieder auftauche. Die Seniorenfasnacht ist toll. Aber wenn sie am Abend stattfinden würde, wäre es noch besser.»

Hans Fessler (70) aus Luzern: «Als ich 20 Jahre alt war, habe ich mit Ruedi Schlotterbeck, dem Erfinder des Urknalls und des Fötzeliregens, zusammen in einer Guuggenmusig gespielt. Wir nannten uns die Maihof-Wecker. Guuggenmusigen gab es früher selten.»

Marie-Theres Barmet (72) aus Luzern: «Als ich jung war, haben wir an der Fasnacht weniger Alkohol getrunken als die Jugendlichen heute. Dafür waren wir vermehrt maskiert.»

Rita Limacher (65) aus Meggen: «Früher haben wir unsere Kostüme selber genäht und sind dann so an die Maskenbälle gegangen. Damals hatten wir keine Handys. Trotzdem haben wir Freundinnen uns immer wieder gefunden.»

Andreas Bättig