«Es ist schon so eine schwierige Zeit»: Rothenburger Wirtin wehrt sich gegen Coronastrafbefehl vor Gericht

Die Wirtin der Fläckebar in Rothenburg soll während des Lockdowns ihre Bar offen gehalten und Gäste bedient haben. «Stimmt nicht», sagt Sarina Conti und wehrt sich gegen einen Strafbefehl. Nun musste sie sich vor dem Richter verantworten.

Sandra Monika Ziegler
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Die Rothenburger Wirtin Sarina Conti soll gegen die Regeln während des Lockdowns im Frühling verstossen haben. Am Montag musste sie sich deshalb vor dem Bezirksgericht Hochdorf verantworten. Die Verhandlung fand im Kulturzentrum «Braui» statt, damit die nötigen Abstände eingehalten werden konnten.

Sarina Conti wehrt sich gegen den Strafbefehl.

Sarina Conti wehrt sich gegen den Strafbefehl.

Sandra Monika Ziegler (Hochdorf, 26. Oktober 2020)

Was war geschehen? Am 6. April, 17.10 Uhr, habe die Fläckebar-Wirtin zwei Gäste ihr Getränk in Plastikbechern draussen auf der Terrasse konsumieren lassen. So steht es im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. Da zu dieser Zeit coronabedingt für Gastrobetriebe ein Ausschankverbot galt, habe sie gegen die Vorschriften verstossen. Das verneint die Geschäftsführerin der Fläckebar.

Beschuldigte fordert Freispruch

Die Staatsanwaltschaft erliess gegen Conti einen Strafbefehl. Neben einer bedingten Geldstrafe wurde ihr eine Busse von 1000 Franken auferlegt und obendrauf Verfahrenskosten von 530 Franken. Conti ist aber nicht gewillt zu zahlen:

«Ich fordere einen vollumfänglichen Freispruch. Ich bin mir keiner Schuld bewusst.»

Die Beschuldigte führt seit 2018 die Fläckebar in Rothenburg und hat gegen den Strafbefehl Einspruch erhoben. Den Vorfall schildert sie so: «Wir hatten wegen Corona auf Take-away umgestellt. Die beiden Personen hatte ich nicht bedient, ihr Getränk hatten sie nicht von der Fläckebar bezogen.»

Den beiden Polizisten, die am besagten Tag auf Streife waren, habe sie den Vorfall genau erklärt. Doch diese hätten auf ihrer Version beharrt. Das wiederholte die 26-Jährige auch am Montag vor dem Hochdorfer Bezirksgericht. «Sie riefen mich zu ihrem Wagen und wollten mich gleich mitnehmen. Das wollte ich nicht. Zudem verlangten Sie, dass ich ein Papier unterschreibe, auch das habe ich verweigert. Ich habe eine Einvernahme auf dem Posten erwartet», erklärt sie. Doch es kam anders. Es gab keine Einvernahme, nach dem Protokoll kam der Strafbefehl.

Schutzkonzept sei eingehalten worden

Vor Gericht werden der Beschuldigten der Rapport, ihre Wirtschaftsbewilligung und ein Foto, das die Polizisten am besagten Tag machten, vorgelegt. Zum Protokoll wiederholt Conti: «Das, was mir vorgeworfen wird, habe ich nicht gemacht. Die beiden Männer wurden nicht von mir bedient. Wir hatten nur Take-away, die Bestellungen wurden durch das Fenster gereicht. Wir hielten uns strikt an die Vorgaben. Obwohl erlaubt, liessen wir die Gäste nicht die WC's benutzen. Wir wiesen auch darauf hin, dass sie ihre Bestellung nicht vor Ort konsumieren können, sondern ausserhalb der Terrasse, zum Beispiel vis-à-vis am Brunnen.»

Die Fläckebar in Rothenburg.

Die Fläckebar in Rothenburg.

Bild: PD

Auf dem Foto, das ihr vorgelegt wurde, waren ihr Vater und ein älterer Herr zu sehen. Zur Situation erklärt sie: «Der ältere Mann stand am Fenster und wollte einen Hotdog bestellen. Er wollte wissen wie das jetzt funktioniert mit Corona. Da habe ich ihm erklärt, dass er auf die Bestellung weiter weg warten müsse und auch dort sein Getränk konsumieren soll. Doch er blieb stehen, er verstand nicht, was ich meinte. Dann ging ich raus, um ihn von der Terrasse zu begleiten, in diesem Moment kam die Polizei.»

Als Nächstes zitierte der Richter aus ihrer Bewilligung: «Auf dieser Wirtschaftsbewilligung ist kein Hinweis zum Take-away.» Conti antwortet: «Das ist so, wegen Corona war aber erlaubt, die Bar auf Take-away umzustellen. Das hat mir auch die Gewerbepolizei bestätigt.»

Auf die Frage, warum sie den Strafbefehl nicht akzeptiere, sagt Conti: «Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Es wäre höchstens eine Verwarnung angebracht gewesen. Es ist schon so eine schwierige Zeit im Gastgewerbe.» Auf ein letztes Wort verzichtete sie.

Weder Bier noch Gäste kontrolliert

Nach der Verhandlung sagt Sarina Conti gegenüber unserer Zeitung: «Warum soll ich eine Busse bezahlen, wenn ich nichts gemacht habe?» Sie bemängelt auch, dass nicht untersucht wurde, ob das Getränk in den Bechern überhaupt aus ihrem Lokal hätte stammen können. Denn in nächster Nähe der Fläckebar hat es weitere Take-aways. Sie selber schenke zum Beispiel kein Eichhof-Bier aus. Auch seien weder die beiden Personen mit dem Getränk noch der ältere Herr befragt worden, moniert Conti. «Es macht den Eindruck, als hätten die Polizisten nach einem Verstoss gesucht. Sie sind an diesem Tag auch auffällig oft durchgefahren und auch zu Fuss unterwegs gewesen.»