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Kommentar

Es ist Zeit für mehr Veloinfrastruktur in der Stadt Luzern

Die Stadtluzerner befinden am 19. Mai über den Projektierungskredit von 2,05 Millionen Franken für ein Veloparking unter der Bahnhofstrasse. Redaktor Roman Hodel sagt, weshalb das Geld gut investiert ist.
Roman Hodel
Roman Hodel

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Die Zahlen sind imposant: Rund 13,4 Millionen Franken kostet die geplante Velostation mit rund 1100 Abstellplätzen unter der Luzerner Bahnhof­strasse. Allein der Projektierungskredit, über den die Stimmberechtigten am 19. Mai befinden, verschlingt 2,05 Millionen Franken. Damit kostet der Bau eines einzigen Veloparkplatzes laut Berechnungen der Stadt 12 400 Franken.

Das ist zweifellos eine hübsche Stange Geld. Allerdings gibt es für die auf den ersten Blick hohen Kosten auch eine Erklärung: So ist der Baugrund geologisch anspruchsvoll, es wimmelt von wichtigen Leitungen und Kanalisationen, die verlegt werden müssen, und es handelt sich um eine innerstädtische, sprich teure Lage. Es versteht sich von selbst, dass Bauen hier teurer ist als auf dem Littauerberg. Weiter zeigt ein Vergleich mit ähnlichen, unterirdischen Projekten bei grossen Bahnhöfen in anderen Städten, dass sich die Kosten dort in einem ähnlichen Rahmen bewegen: In Zürich-Stadelhofen beispielsweise rund 12 000 Franken pro Veloabstellplatz.

Nun kann man sich fragen, wozu der Bahnhof überhaupt eine weitere Velostation braucht. Vor allem weil die bestehende hinter der Uni erst noch schlecht ausgelastet ist. Der Grund ist simpel: Die Veloabstellplätze auf der Bahnhofstrasse sind für Pendler aus sämtlichen Quartieren mit Ausnahme von Tribschen-Langensand attraktiver als die Velo­station auf der anderen Seite des Bahnhofs. Hinzu kommt: Wegen der Neugestaltung der bald autofreien Bahnhofstrasse– notabene die Umsetzung eines Volkswillens – müssen ausgerechnet dort mehrere hundert Abstellplätze weichen.

Es gibt aber noch einen generellen Aspekt: Das Velo wird immer beliebter. Vor neun Jahren betrug sein Anteil am Stadtluzerner Verkehr noch zwei Prozent, inzwischen sind es vier Prozent – in 15 Jahren sollen es zehn Prozent sein. Das stellt automatisch neue Anforderungen an die Infrastruktur. Die Velostrasse Freigleis ist etwa ein erstes grösseres Bauprojekt. Veloparkhäuser sind ein nächster Schritt. Oder anders gesagt: Was für Autos an Infrastruktur seit Jahrzehnten normal ist, gilt zunehmend auch für Velos. Allein am Bahnhof soll das Angebot an Abstellplätzen bis im Jahr 2035 von 3000 auf rund 7000 steigen. Weil der Platz dort aber heute schon knapp und die Nutzung enorm ist, bleibt der Stadt nichts anderes übrig, als Lösungen im Untergrund anzupeilen.

Verständlich ist ebenfalls, dass die Stadt die Velostation jetzt realisieren will, gleichzeitig mit der Aufwertung der Bahnhofstrasse. Alles andere wäre unsinnig. Zumal sie ja mit der Umsetzung des Volkswillens ohnehin in Verzug ist. Dies weil die Planung und Projektierung komplexer und damit auch teurer ist als ursprünglich angenommen. Unverständlich ist allerdings, wieso eine Velo­station nicht bereits Bestandteils des Projektwettbewerbs zur Aufwertung der Bahnhofstrasse im Jahr 2016 war, sondern erst letztes Jahr aufs Tapet kam.

Mag sein, dass man zu gewissen Erkenntnissen erst später kommt. Unter diese Kategorie fällt vermutlich auch die Idee von Privaten, man könnte die Velostation unter die Reuss verfrachten. Allerdings mutet der Zeitpunkt dieser Lancierung zwei Wochen vor der Abstimmung befremdlich an. Denn als «interessierte Bürger», wie sich die Initianten bezeichnen, hätten sie bereits im letzten September in unserer Zeitung lesen können, dass ein Veloparking geplant ist – und entsprechend reagieren können. So hätte die Stadt allenfalls Zeit gehabt, für eine seriöse Abklärung von deren Berechnungen.

Eine solche könnte das Parlament per Vorstoss zwar immer noch verlangen – auch nach einem Ja am 19. Mai zum Kredit. Fraglich ist bloss, ob sich das lohnt. Erstens würde das aktuelle Projekt verzögert und zweitens sendet der Kanton als Eigentümer des Gewässergrundstücks äusserst zurückhaltende Signale bezüglich Bewilligungsfähigkeit aus.

Ja, die Velostation kostet etwas, doch eine günstigere Variante ist an dieser Lage kaum zu realisieren. Abgesehen davon kann sich die Stadt das Projekt leisten, sie steht finanziell gut da. Das soll aber nicht heissen, dass die Benutzung der Velostation auch gratis sein soll. Über eine angemessene Bewirtschaftung wird das Parlament noch diskutieren müssen.

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