ESCHENBACH: 2013 wird ein gutes Chriesi-Jahr

Nach dem verregneten Frühling beginnt in den nächsten Tagen die Kirschenernte. Sie fällt heuer unerwarteterweise besser aus als 2012.

Mario Wittenwiler
Drucken
Teilen
Kommen heuer gut: Landwirtin Anna Stocker und Lehrling Daniel Arnold betrachten die Chriesi-Auswahl. (Bild: Eveline Beerkircher)

Kommen heuer gut: Landwirtin Anna Stocker und Lehrling Daniel Arnold betrachten die Chriesi-Auswahl. (Bild: Eveline Beerkircher)

Gegen Hagel sind die meisten Bauern versichert, nicht jedoch gegen Regen oder Frost. So blickte man in den vergangenen Wochen öfters mitfühlend auf die vom Regen überschwemmten Gemüsefelder. Muss man sich auch um die Kirschen Sorgen machen?

«Nein», sagt Adrian Seeholzer, Präsident des Luzerner Obstbauvereins. «Wir gehen davon aus, dass die Kirschenernte heuer sogar besser ausfällt als vor einem Jahr.» In Zahlen: In der Zentralschweiz rechnet Seeholzer mit 170 000 Kilogramm geernteten Tafelkirschen, welche in den Handel gelangen. Das wären deutlich mehr als etwa im letzten Jahr; damals wurden in unserer Region insgesamt 130 000 Kilogramm Tafelkirschen geerntet.

Chriesi-Schwemme im Juli

Die kühle und feuchte Witterung im Verlaufe des Frühlings hatte jedoch Auswirkungen auf den Erntestart. Die Ernte beginnt zirka zwei Wochen verspätet und wird bis in den August hinein dauern. Die ersten Kirschen für den Grosshandel wurden jedoch bereits vor zwei Wochen in der Westschweiz geerntet. «Die grössten Kirschenmengen sind dieses Jahr im Juli zu erwarten. Dadurch stehen die Chriesi in Konkurrenz zu den anderen Sommerfrüchten», erklärt Josef Christen, Kommunikationsleiter des Schweizer Obstverbands. Warum die enormen Regenfälle nicht zu einer Kirschen-Krise führten, erklärt er so: «Trotz der starken und langen Niederschläge und sogar dem späten Schneefall gab es keinen Spätfrost.»

Preise bleiben ungefähr gleich

Auf dem Hof von Xaver und Anna Stocker in Eschenbach blühte die Bigarreau-Burlat-Sorte bereits im April und überstand deswegen die lange Regenperiode fast ohne Schäden. «Jetzt sollte es eine Zeit lang trocken und sonnig bleiben, wodurch die Chriesi ihr süsses Aroma entwickeln. Dann kommen wir am Ende nicht so schlecht heraus», ist Xaver Stocker überzeugt. Die gesamtschweizerische Ernte wird ebenfalls durchschnittlich ausfallen, erwartet Josef Christen. «Wir gehen von rund 1800 Tonnen in der Schweiz produzierten Tafelkirschen aus, welche in den Handel gelangen.» Die grössten Produzenten sind landesweit die Nordwestschweiz mit Baselland, Solothurn und dem Fricktal mit zirka 800 000 Kilo sowie die Ostschweiz mit 640 000 Kilo Kirschen. Nicht in diese Zahlen mit einberechnet sind Kirschen, welche von den Produzenten direkt ab Hof verkauft werden. Die Preise bleiben ebenfalls ungefähr gleich wie im Vorjahr: «Der Produzenten-Richtpreis ist zirka 10 Rappen höher als im Vorjahr und bewegt sich je nach Grösse zwischen 5.20 und 7.80 Franken», erklärt Josef Christen.

Die wirklich grosse Prüfung steht den Kirschen noch bevor: Ihr grösster Feind ist neben dem Frost nämlich die Kirschfruchtfliege, die ihre Eier in die Früchte ablegt, wodurch diese ungeniessbar werden. Vor zwei Jahren kam – aus dem Süden eingewandert beziehungsweise eingeflogen – die Kirschessigfliege dazu. Ob die Kirschen befallen sind, zeigt sich erst bei der Ernte.

«Durchschnittlicher Wert»

Auf dem Hof der Stockers in Eschenbach kann in den nächsten Tagen mit der Kirschenernte begonnen werden. Xaver Stocker rechnet mit einer Ernte zwischen 10 000 und 12 000 Kilogramm. «Ein durchschnittlicher Wert», so der Eschenbacher. Bei Stockers macht die Kirschenproduktion etwa ein Viertel des gesamten Betriebs aus. Daneben unterhalten sie 50 Kühe, bauen Kartoffeln an und bewirtschaften Apfel- und Birnbäume.

Gute Chriesi dank Kiesmoräne

«Unsere Chriesi-Kultur steht auf einer Kiesmoräne des Reussgletschers. Dadurch ist der Boden sehr durchlässig und kann viel Wasser aufnehmen», erklärt Stocker, der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Zentralschweizer Obstproduzenten ist. Auf seinem Hof bewirtschaftet er mit seiner Frau und den zwei Söhnen auf einer Fläche von 1,2 Hektaren Kirschenkulturen, daneben besitzt er 20 Hochstamm-Kirschbäume. Nun steht aber erst mal die Chriesi-Ernte an.

HINWEIS

An den «Chriesi-Tagen» vom kommenden Wochenende kann man sich ein Bild der Kirschenkulturen machen: Am Samstag von 9 bis 16 Uhr auf dem Neuklosterhof in Eschenbach bei Xaver und Anna Stocker und am Sonntag bei Monika und Moritz Näf von 10 bis 16 Uhr im Holz 1 in Eich.