ESCHENBACH: Die Neueröffnung des Viehmarktes ist geglückt

Um die 150 Kühe wurden gestern das erste Mal am neuen Standort des Schlachtviehmarkts verkauft. Nicht alle Händler sind froh über diesen unfreiwilligen Umzug.

Martina Odermatt
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Landwirte und Viehhändler begutachten die Tiere am Schlachtviehmarkt in Eschenbach. Bild: Dominik Wunderli (22. November 2016)

Landwirte und Viehhändler begutachten die Tiere am Schlachtviehmarkt in Eschenbach. Bild: Dominik Wunderli (22. November 2016)

Um 7.30 Uhr fahren sie mit ihren grossen Lastwagen beim Areal Höndlen in Eschenbach vor. Einer nach dem anderen trifft ein, öffnet die Klappe des Anhängers, führt seine Tiere hinaus auf den Platz und bindet sie an den Vorrichtungen fest. Nach 10 Minuten ist bereits der halbe Platz mit muhenden Kühen besetzt. Hier und da feilschen Käufer und Verkäufer bereits hart um den angemessenen Preis für die Tiere. «Nein, das geht nicht, für diese Kuh muss ich etwas mehr haben», tönt es aus den Reihen.

Das ist er also, der erste Schlachtviehmarkt in Eschenbach nach dem Aus in Sursee. Marktbetreiberin ist die vom Zentralschweizer Viehhändlerverband und dem Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV)gegründete Gesellschaft «Viehmarkt Eschenbach». Somit ist in der über hundertjährigen Geschichte der Schlachtviehmärkte im Kanton Luzern erstmals eine privatrechtliche Organisation für den Markt verantwortlich. Stefan Heller, Geschäftsführer des LBV, ist zufrieden mit dem neuen Standort: «Es ist natürlich noch nicht alles perfekt. Aber in Anbetracht, dass wir schnell eine Lösung finden mussten, ist das Resultat sehr positiv.»

«Auch heute braucht es Schlachtviehmärkte»

Positiv gestimmt waren auch die Händler und Käufer der Tiere. Willi Zumstein aus Sarnen hatte eine Kuh zum Markt gebracht. «Ich wollte zuerst sehen, wie es läuft. Aber alles ist tipptopp», sagt er. Für den Händler Josef Schwegler aus Nottwil ist der neue Standort eine Umstellung. Das Verkehrsaufkommen sei in Eschenbach grösser, moniert er. Etwas verhalten ist auch Andreas Vogel aus Sursee: «Den neuen Ort kann man noch nicht beurteilen. Schauen wir zuerst, wie sich die Abläufe einpendeln. Im Moment ist ja noch alles neu», sagt er. 70 bis 80 Kühe will er heute kaufen. «Wir kaufen eigentlich alles, was es hat», sagt Vogel. Den Platz stellt die Thomas Estermann AG der Gesellschaft jeweils am Dienstagmorgen zur Verfügung. Gestern haben dort ungefähr 150 Kühe den Besitzer gewechselt.

Doch braucht es in der heu­tigen Zeit noch Schlachtviehmärkte? Landwirte und Händler transportieren die Tiere teilweise durch den halben Kanton, um sie an den Mann zu bringen. Stefan Heller vom LBV sagt, dass auch er sich mit dieser Frage beschäf­tigen musste, nachdem der Markt in Sursee gekündigt worden war. Er kam zum Schluss: «Ja, den Markt braucht es weiterhin aus verschiedenen Gründen. Einerseits werden das Angebot und die Preisbildung transparent. Andererseits läuft so alles geordnet und kontrolliert ab.» Jede Kuh wird elektronisch erfasst. So sei die Nachverfolgbarkeit gewährleistet. Dies sei auch der Grund, weshalb sich der Veterinärdienst für einen Markt eingesetzt habe und die Bewilligungsphase schnell verlief.

Martina Odermatt