ESCHENBACH: Dorfbach bleibt im Verborgenen

Die Sanierung des Dorfbachs zieht sich seit Jahren in die Länge. Nun könnte es endlich vorangehen – weil der Kanton klamm ist.

Ismail Osman
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Der Dorfbach hätte beim Rössliplatz (im Bild) offengelegt werden sollen. Der mit Geländern versehene Bachlauf befindet sich rechts der Bildmitte. (Bild: Visualisierung PD)

Der Dorfbach hätte beim Rössliplatz (im Bild) offengelegt werden sollen. Der mit Geländern versehene Bachlauf befindet sich rechts der Bildmitte. (Bild: Visualisierung PD)

Ismail Osman

Der Weg vom Café Brioche bis zum Rösslipatz misst keine 200 Meter. Der Kanal, der sich dazwischen befindet und durch den der Dorfbach fliesst, sorgt bei der Gemeindebehörde aber schon seit Jahren für Kopfweh und Ärger.

Bereits 2008 lies der Gemeinderat den in die Jahre gekommenen Kanal untersuchen, um danach eine Sanierung in die Wege zu leiten. Keine grosse Sache, möchte man meinen. Auch die Kosten von rund 540 000 Franken lassen kaum aufhorchen. In Eschenbach hätte man sich denn wohl auch kaum träumen lassen, dass man rund sieben Jahre später immer noch am gleichen Punkt steht.

Widerwillige Sanierung

Für den Gemeinderat steht fest, dass das Ärgernis rund um die Kanalsanierung begann, als der Kanton sich einschaltete. Dieser forderte schon kurz nach Bekanntwerden des Sanierungsprojektes die Offenlegung des Bachabschnittes. Eine entsprechende Sanierung mit Offenlegung sollte den Dorfbach für eine Jahrhundertflut rüsten. Sie hat jedoch auch ihren Preis. Nach Angaben der Gemeinde rund 2 Millionen Franken. Die Summe sollte zwischen Gemeinde, Kanton und Bund aufgeteilt werden. «Wir fanden es zwar unsinnig, den Kanal offenzulegen, aber wir folgten den Weisungen des Kantons», sagt Gemeindepräsident Guido Portmann.

Unsinnig deshalb, weil eine Offenlegung eine bis zu drei Meter Tiefe Schneise durchs Dorf ziehen würde. «Meist ist es nur ein Gerinne, welches dort durchfliesst», erklärt Gemeindeschreiber Anton Christen. «Der ökologische Wert einer solchen Öffnung wäre entsprechend bescheiden.» Da selten viel Wasser fliesse, würde eine solche Offenlegung auch dem Dorfbild nicht zudienen, argumentieren die Gemeindevertreter weiter. Auch innerhalb der Bevölkerung seien die Reaktionen auf die geplante Offenlegung eher negativ ausgefallen, wie sich an Infoanlässen gezeigt habe, sagt Portmann. Dennoch stellte sich die Gemeinde auf eine Öffnung des Baches ein. Diese verzögerte sich aber wiederholt – unter anderem, weil der Kanton ein Gesamtkonzept ausarbeitete und noch im vergangenen Jahr das Hochwasserrisiko neu eingeschätzt hat.

Nun erfolgt jedoch die Kehrtwende: «Wie nun bekannt wurde, hat der Kanton aufgrund fehlender Finanzen auf absehbare Zeit keine Möglichkeit, das Projekt zu unterstützen», schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. Dies habe zur Folge, dass sich die Kosten für eine Offenlegung zu Lasten der Gemeinde von 540 000 auf rund 1,1 Millionen Franken erhöhen würden. Die Weisung des Kantons, den Dorfbach offenzulegen, wird dadurch hinfällig. In der Konsequenz gehe Eschenbach wieder zurück auf Feld eins und plant für eine Sanierung des bestehenden Kanals.

«Riesiger Projektüberhang»

«Es ist eine Tatsache, dass unser Budget seit 2013 massiv gekürzt wurde», sagt Albin Schmidhauser, Leiter der Abteilung Naturgefahren bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur. «Dies wieder­um bedeutet, dass derzeit ein riesiger Projektüberhang besteht.» Laut dem entsprechenden Planungsbericht bestehen für dieses und das kommende Jahr Finanzierungslücken von 37,95 (2015) und 54,25 (2016) Millionen Franken. Noch immer seien rund 1300 Hektaren Siedlungsgebiet im Kanton Luzern nicht vor einem Hochwasser geschützt, gibt Schmidhauser zu bedenken. Das Luzerner Parlament verlangte denn auch eine Priorisierungsliste der anstehenden Naturgefahrenprojekte, mit welcher die Einhaltung des Budgets gewährleistet bleibt. «Oberste Priorität erhalten Projekte, mit welchen für den eingesetzten Franken die grösste Risikoreduktion erzielt werden kann, so an der Kleinen Emme und der Reuss.»

Strasse wird geflutet

Im Falle des Dorfbachkanals in Eschenbach, hätte sich Schmidhauser gewünscht, die geplante Sanierung zu einem späteren Zeitpunkt durchführen zu können. Dass man nun auf Feld eins zurückgefallen sei, lässt er jedoch nicht gelten: «Es wurden verschiedene Varianten geprüft und nun eine gewählt, die ergänzende Objektschutzmassnahmen vorsieht.» Nach einer Sanierung des Kanals wird das Wasser bei einer Flut auf die Unterdorfstrasse ausweichen, um weiter unten wieder in den Fluss zurückzufliessen. An Objektschutzmassnahmen könnten dann von der Feuerwehr sogenannte Beaver, Gummischläuche, die als mobile Dämme genutzt werden, eingesetzt werden. Weiter könnten wasserdichte Türen oder Dammbalken für Tiefgaragen installiert werden.

Ziel sei es, die Planung noch bis Ende Jahr abschliessen zu können, bestätigt der Eschenbacher Gemeinderat auf Anfrage. «Es war von Anfang an ein schwieriger Prozess», sagt Gemeindepräsident Guido Portmann rückblickend. «Wir sind nun einfach froh, dass wir grünes Licht erhalten, um mit der Sanierung vorwärtszumachen.»