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ESCHENBACH: Ein Radiotalk wies ihr den Weg ins Kloster

Schwester M. Ruth Nussbaumer ist mit 69 Jahren die jüngste der Klosterfrauen und wird nun die 20. Äbtissin der Zisterzienserinnen-Gemeinschaft. Auf dieses Amt hat sie sich lange vorbereitet.
Ernesto Piazza
Die künftige Äbtissin, Schwester M. Ruth Nussbaumer, in einem der Ateliers im Kloster.Bild: Dominik Wunderli (Eschenbach, 10. November 2016)

Die künftige Äbtissin, Schwester M. Ruth Nussbaumer, in einem der Ateliers im Kloster.Bild: Dominik Wunderli (Eschenbach, 10. November 2016)

«Ich hätte nie gedacht, dass mein Weg einmal ins Kloster führen würde», sagt Schwester M. Ruth Nussbaumer. Und während die 20. Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Eschenbach so redet, kann sich die 69-Jährige ein Schmunzeln kaum verkneifen. Am Samstag wird sie durch den Generalabt des Ordens in Rom, P. Mauro-Giuseppe Lepori, in der Pfarrkirche offiziell in ihr neues Amt geweiht. «Auf den Moment freue ich mich», sagt sie. Auch, weil sie den Generalabt von früher her persönlich gut kennt.

Beim Gespräch wird deutlich: Hier steht eine Frau mit beiden Beinen auf dem Boden. Pflichtbewusst, jedoch äusserst weltoffen und stets darauf erpicht, im Sinne der mittlerweile nur noch acht Schwestern umfassenden Gemeinschaft zu handeln. Und wer dachte, hinter den Mauern des geschlossenen Klosters in Eschenbach eine ernste Person anzutreffen, liegt falsch. Immer wieder lässt Schwester M. Ruth ihren Humor aufkeimen. Etwas, was für eine Würdenträgerin ihrer Kragenweite doch eher ungewöhnlich ist.

Per Rundfunk zum Schlüsselerlebnis

Als die Baslerin noch als Verwaltungsangestellte tätig war, begleitete sie freiwillig Firmlinge. Schwester M. Ruth beteiligte sich auch an der kirchlichen Jugendarbeit. Das Schlüsselerlebnis für ihren späteren Weg passierte der jüngsten Eschenbacher Schwester jedoch während einer Radiosendung. Ein Gespräch der damaligen Äbtissin von Eschenbach faszinierte Schwester M. Ruth. «Sie redete so offen über das Kloster, dass ich mich entschied, diesen Ort zu besuchen.»

Wenig später kam sie für eine Woche zurück, um das Klosterleben besser kennen zu lernen. Bei weiteren Besuchen stellte sie fest: Dort wird eine spezielle Art von kunstgewerblichen Tätigkeiten ausgeübt, die sie von ihrer nebenberuflichen Weiterbildung an der Kunstgewerbeschule Basel her bereits kannte und ihr somit «Heimat» bedeutete. Für die Entscheidungsfindung nahm sie sich ein knappes halbes Jahr Zeit.

Schwesterngemeinschaft mit Flair für Kunst

Mit 43 Jahren war sie bereit. «Ich fühlte mich davon angezogen wie Menschen, die sich verlieben.» Sie sei einem Ruf gefolgt und fühle sich dabei glücklich. «Ich lebe überall, wo ich bin – auch im Kloster», sagt Schwester M. Ruth mit Bestimmtheit. «Wäre ich dabei nicht glücklich, wäre ich nicht geblieben.» Sie spricht vom Kloster von einem Fundus für die Welt. Das Gebet gebe den Menschen Halt. Sie seien es, welche das geschlossene Kloster von aussen öffnen würden, sagt sie. Immer wieder werden Anliegen, auch Sorgen, an die Schwesterngemeinschaft herangetragen und von dieser in Gebet und Fürbitten eingeschlossen.

Die Regel «ora et labora» gilt auch im Frauenkloster Eschenbach. Dort werden Bilder, Kunstkarten, Oster- und Taufkerzen oder Paramente – kirchliche Textilien – hergestellt. Die Talente der Schwestern werden genutzt und gefördert. Schwester M. Ruth absolvierte – bereits als Klosterfrau – wie schon zuvor zwei Mitschwestern die Schule für Ge­staltung in Luzern. Sie malt und fotografiert auf hohem künstlerischem Niveau. «Mit diesen Ar­beiten und deren Verkauf finanzieren wir einen Teil unseres bescheidenen Lebensunterhalts», betont sie. Auch Lesen gehört zu ihrem Tageswerk, das normalerweise bereits morgens um Viertel nach fünf beginnt und zwischen 21 und 22 Uhr endet.

Die 69-Jährige ist voller Tatendrang und Überraschungen. So sagt sie etwa: «Ich habe im Kloster auch die Migros- und die Coopzeitung, damit ich weiss, was draussen läuft.» Auch die Wahl des amerikanischen Präsidenten verfolgte sie zusammen mit ihren Mitschwestern. Sie wollen über das Weltgeschehen informiert sein. Ihre Inspiration zur Kreativität holt sie sich dagegen bei der klassischen Musik. Dass sie 15 Jahre jünger ist als die älteste Schwester im Zisterzienserinnenkloster, stört sie keineswegs. Im Gegenteil: Man könne immer wieder voneinander lernen.

Beziehung zu Gott ist «wie eine Freundschaft»

Und wie sieht sie die aktuelle Kirche? «Sie ist an einem ganz andern Ort als noch vor 20 Jahren und befindet sich momentan in einem intensiven Prozess», so Schwester M. Ruth. Wer Gott finden wolle, brauche einen vorgezeichneten Weg. Man müsse diese Beziehung wie eine Freundschaft im Bekanntenkreis pflegen.

Seit 2000 ist Schwester M. Ruth Priorin gewesen. Als «rechte Hand» unterstützte sie ihre Vorgängerin, Mutter Äbtissin Lutgard Feierabend, bereits tatkräftig. Während eines Jahres konnte sie sich zudem als Administratorin explizit auf das Amt der Äbtissin vorbereiten. Mit ihrer neuen Tätigkeit werde sich der Aufgabenkreis nicht viel ändern, ist sie überzeugt. Aber die Verantwortung dürfte zunehmen. Sie habe immer in der Gemeinschaft gelebt. Das werde auch künftig so sein. Strukturen sind ihr bei der Arbeit sehr wichtig. «Mit Freude packe ich zusammen mit den Mitschwestern an, was auf uns zukommt.»

Hinweis

Äbtissinnenweihe: Samstag, 14 Uhr, Pfarrkirche Eschenbach.

Ernesto Piazza

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