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ESCHENBACH: «Köfferlimuni» ersetzt den leibhaftigen Stier

Die Braunviehzuchtgenossenschaft feiert morgen auf dem Hof Herrendingen ihr 100-Jahr-Jubiläum. Aufgrund der kleiner werdenden Szene sind solche Feierlichkeiten selten geworden.
Viehschau der Braunviehzuchtgenossenschaft Eschenbach im Jahr 1964. (Bild: PD)

Viehschau der Braunviehzuchtgenossenschaft Eschenbach im Jahr 1964. (Bild: PD)

«Komm und wähle unsere Miss 100 Jahr!» So wirbt die Braunviehzuchtgenossenschaft aus Eschenbach für ihre 100-Jahr-Feier, die morgen um 12 Uhr mit einem Mittagessen auf dem Hof Herrendingen beginnt. Nicht Preisrichter, wie sonst in der Szene üblich, werden die schönste Kuh küren, diesmal ist diese Aufgabe den Besuchern vorbehalten. «Wir entschieden uns aufgrund des besonderen Anlasses für diese spezielle Wahl», erklärt Irene Iten, welche bei der Genossenschaft für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Die Zahl der teilnehmenden Kühe aber zeigt: Die Zucht des Braunviehs ist trotz dessen hoher Milchleistung, der Robustheit und der Langlebigkeit weiter rückläufig – insgesamt werden nur 15 Tiere für den Schönheitswettbewerb zurechtgemacht. «Die Grosswetterlage der Branche ist bekannt: Wegen des Aufwands und des Milchpreises wollen immer weniger Bauern täglich melken. Viele stellen auf Mutterkühe oder Mast um», berichtet Iten. Der Blick ins Genossenschaftsarchiv offenbart 1968 als Spitzenjahr, als 53 Mitglieder 755 Tiere besassen. Heute sind es 23 Aktive mit 587 Tieren.

TV-Star gab sich vor 25 Jahren die Ehre

Anlässe wie den morgigen hat es deshalb in Eschenbach schon lange nicht mehr gegeben. Letztmals kam man 1993 zur 75-Jahr-Feier zusammen. Damals übernahm die gerade durchstartende TV-Bekanntheit Gabriela Amgarten (Spielshow «Risiko») die Funktion der Tombola-Glücksfee. Weiterhin einen fixen Platz in der Agenda haben die jähr­lichen Generalversammlungen und landwirtschaftlichen Ausflüge. An der 100-Jahr-Jubiläumsfeier hofft Iten auf Gäste aus dem ganzen Kanton Luzern. «Für das Bankettessen am Abend mit dem Ochs am Spiess haben wir 260 Sitzplätze bereitgestellt.» Nachwuchsjodler am Familiennachmittag sowie Ländlermusik und eine Trychlergruppe am Abend sorgen für das akustische Rahmenprogramm.

Wer sich dann die Zeit nimmt und die reichhaltige Geschichte der Genossenschaft etwas Revue passieren lässt, wird um die Erkenntnis grosser Veränderungen nicht umhinkommen. Früher war es in der Zucht gang und gäbe, der Natur freien Lauf zu lassen. «25 Franken kostete anfänglich das Sprunggeld», erzählt Iten und meint damit die Kosten für die Begattung einer Kuh. «Der Natursprung ist zwar nicht verschwunden, wird aber vor allem noch dann gebraucht, wenn das Tier Probleme mit der Fruchtbarkeit hat», erklärt Irene Iten. Üblich sind heute die künstliche Besamung, der Embryonentransfer (Leihmutter) und der Bezug von gesextem Sperma, um das Geschlecht des Kalbes im Voraus bestimmen zu können. Oder anders formuliert: Der Besamungstechniker, spasseshalber auch Köfferlimuni genannt, ersetzt den Besuch des leibhaftigen Stiers.

Verändert hat sich auch die Verwaltung der Datenbank. «Der Zuchtbuchführer hatte früher eine zentrale Rolle inne. Er ging auf jedem Hof vorbei, markierte die Tiere und trug Fakten wie den Namen, die Abstammung oder die Milchleistung ins Herdenbuch ein, um deren Zuchtwert zu bestimmen», weiss Iten. Heute findet diese Katalogisierung in einer digitalen Sammelstelle des Braunviehzuchtverbands statt. Hinzu kamen Begriffe wie die ­genomische Selektion, die zur Schätzung des erblichen Potenzials genutzt wird.

Morgen kehren die Eschenbacher für einen Tag wieder an die Anfänge zurück und feiern ihre 1918 gegründete Braun­viehzuchtgenossenschaft. Nicht mehr mit Gabriela Amgarten, aber mit der ehemaligen Braunviehkönigin Andrea Furrer. Sie wirkt als Jurorin im Rahmen des Kälberwettbewerbs, wenn ab 14 Uhr Kinder die Jungtiere auf möglichst kreative Weise vorführen werden.

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

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