Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ESCHENBACH: Mit Christbäumen in Frieden leben

Heute wird Franz Zemp 80 Jahre alt. Geboren an einem 24. Dezember – was könnte da besser passen, als Christbäume zu verkaufen? Sein Weg dorthin war kurvenreich.
Ernesto Piazza
Er verkauft Christbäume und feiert am «Christkindlitag» Geburtstag: Franz Zemp (80) in seiner Baumkultur in Eschenbach. (Bild Roger Grütter)

Er verkauft Christbäume und feiert am «Christkindlitag» Geburtstag: Franz Zemp (80) in seiner Baumkultur in Eschenbach. (Bild Roger Grütter)

Er legt seine Handsäge beiseite und hält einen Moment inne. Franz Zemp lächelt. Seine innere Zufriedenheit strahlt bis nach aussen hin. Die Arbeit in der eigenen Christbaumkultur ist seit rund 20 Jahren Teil seiner Welt. «Diese Beschäftigung wirkt bei mir wie gute Medizin», sagt er. Immer wieder baumnah mitzuerleben, wie die rund 2500 Exemplare im Verlaufe des Jahres wachsen, hält ihn fit. Und ob Rot-, Blau- oder Nordmanntannen: Mit schnittfrischen Bäumen versucht er seinen Kunden Jahr für Jahr eine Freude zu bereiten. Damit hebt er sich von Mitbewerbern ab mit ihren oft bereits Wochen vor dem Fest in den Verkauf gelangenden Exemplaren aus dem In- und dem Ausland.

Heute Heiligabend bleibt seine Anlage in Eschenbach allerdings geschlossen. Zemp will sich Zeit zur Musse nehmen, den Tag im Kreis seiner Liebsten verbringen. Heute feiert der in all den Jahren stets mit grosser Bescheidenheit durchs Leben gezogene gebürtige Entlebucher seinen 80. Geburtstag. Und dies, nachdem er bereits im Sommer mit seiner Frau Martha die goldene Hochzeit hat begehen dürften. 50 Jahre verheiratet. «Für diese gemeinsame Zeit bin ich dankbar», betont er.

Wein für den Verkäufer

Nach 8 bis 12 Jahren Wachstum steht der weihnächtliche Stubenschmuck bereit. Zemps Christbäume sind auch in diesem Jahr begehrt gewesen. Auf einen Blitzbesuch fährt beispielsweise Margrit Sedlatzek aus Hochdorf vorbei. Sie holt ihren Baum ab und bringt Zemp zugleich eine Flasche Wein mit. «Er hat immer Zeit für die Menschen. Er ist einfach ein Schatz», sagt sie, trinkt ihren Kaffee, isst ein Guetzli und ist bereits wieder weg.

Wie viele Exemplare Zemp heuer verkauft hat, vermag er nicht zu sagen. Dieser Fokus geniesst bei ihm keine Priorität. Und trotzdem: Einen finanziellen Zustupf für das Rentnerleben gibt es allemal.

Obwohl sich mittlerweile viele Anbieter auf dem Christbaummarkt tummeln: Franz Zemp lässt sich von seinem eingeschlagenen Weg nicht abbringen. Ein kleiner Schwatz, ein Kaffee – schon mal avec – Birnenweggen oder hausgemachte Guetzli: Der Kleingewerbler, wie er sich selber bezeichnet, setzt vor allem auf ein stimmiges Ambiente. Dabei kann er auf die Mithilfe der ganzen Familie zählen. Der Höhepunkt ist jeweils das gemeinsame Fondue am Samstagabend vor Weihnachten – am Ende des intensiven Hauptverkaufstages.

Bauernberuf verwehrt

Der Wunsch nach einer eigenen Christbaumkultur reifte in ihm im Laufe der Mitarbeit bei den Gebrüdern Isenegger in Fenkrieden. Dort half er während 32 Jahren jeweils im Dezember beim Verkauf der Bäume mit. Handwerkliche Arbeit begleitete ihn – ob bei der Landi in Eschenbach oder in Waldibrücke als Hilfsschreiner – sowieso während seines ganzen Berufslebens.

Ursprünglich wollte der in Hasle geborene Absolvent der landwirtschaft­lichen Schule Bauer werden. Dieser Beruf blieb ihm jedoch verwehrt. Der Hof ging an seinen älteren Bruder. Dennoch kam er im Herbst seines Lebens noch zum eigenen Betrieb. Auch wenn er wegen der verpassten Chance, sein tägliches Brot als Bauer zu verdienen, nie haderte, weiss er: «Diese Möglichkeit, als Kleinunternehmer zu arbeiten, erfüllt mich mit Genugtuung.»

«Bin ein gläubiger Mensch»

Franz Zemp stand keineswegs immer auf der Sonnenseite des Lebens. So musste er schon früh auf dem elterlichen Hof mit anpacken. Später galt es für ihn, eine siebenköpfige Familie zu ernähren. Eine Tugend kam ihm in all den Jahren nie abhanden: «Ich bin ein gläubiger Mensch.» Darin ortet der 80-Jährige einen Grund für die positiven Momente in seinem bisherigen Leben – und nennt hier beispielsweise die fünf Kinder und die sieben Grosskinder. Sie seien alle gut geraten, sagt er. In seiner Stimme schwingt Zufriedenheit mit.

Kuh geliefert – Fest verpasst

Dass er am 24. Dezember zugleich Geburtstag habe, störe ihn nicht, so Zemp. «Ich wurde deswegen auch nie verwöhnt.» Im Gegenteil: Ein Heiligabend bleibt ihm immer in seiner Erinnerung. Als 10-Jähriger begleitete er einen Angestellten auf dem Weg zu einem anderen Landwirt. Der Hofmitarbeiter musste diesem eine Kuh bringen. Um 21 Uhr seien sie nach mehrstündigem Fussmarsch wieder zurückgekommen. Zu dieser Zeit stand der Christbaum bereits in der Stube – der Moment, auf den sich kleine und grosse Kinder oft so sehr freuen, war bereits vorbei. «Ein Päckli mit Finken als Inhalt lag noch darunter», erinnert sich Zemp. Und immerhin habe ihm sein Bruder Toni auf einem ebenfalls unter dem Baum liegenden Blatt Papier noch zum Geburtstag gratuliert.

Alphorn und Kornett

Dank guter Gesundheit habe er immer arbeiten dürfen, betont der 1935 geborene Zemp. Darin sieht er ebenfalls einen Grund, «dass wir uns vor 22 Jahren in Eschenbach den Wunsch einer Eigentumswohnung erfüllen konnten».

Der Rentner hat zudem eine besondere Beziehung zur Blasmusik. Insbesondere das Spielen mit Alphorn und Kornett gehört zu seinen Steckenpferden. Während Franz Zemp dies erzählt, wird sein Christbaumfachwissen wieder­um benötigt. Tamara Niederberger kommt sogar vom Hirzel nach Eschenbach. Sie stiess über ihren Schwager auf die Adresse in Eschenbach. «Im letzten Jahr holten wir fünf Bäume.» Und weil sie zufrieden sind, «kommen wir im nächsten Jahr wieder». Ein alter Weggefährte von Zemp ist Franz Schöpfer. Er ist an diesem Morgen ebenfalls auf der Kultur zugegen. Es sei alles speziell an ihm, beantwortet er die entsprechende Frage. «Franz macht diese Arbeit mit Leib und Seele. Er wäre ein sehr guter Bauer geworden», so Schöpfer.

Zemp nimmt diese Worte schweigend zur Kenntnis. Er sagt nur: «Ich möchte noch einige Jahre gesund bleiben und diesen Saisonartikel weiterhin verkaufen.» Und vor allem – passend zur Weihnachtszeit: «In Frieden leben.»

Ernesto Piazza

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.