Eschenbach: Private investieren 12 Millionen Franken in 300 Jahre altes «Rössli»

Das ehemalige Restaurant Rössli im Eschenbacher Dorfzentrum soll saniert werden, daneben sind drei Neubauten geplant. Das Projekt überzeugt den Gemeinderat.

Niels Jost
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Fast schon 300 Jahre hat das Restaurant Rössli auf dem Buckel. Doch gewirtet wird im altehrwürdigen Gebäude mitten in Eschenbach schon lange nicht mehr – seit rund neun Jahren steht es leer. Das soll sich nun ändern. Die Besitzerin, die Romano & Christen Management AG aus Luzern, möchte das Rössli und die unmittelbare Umgebung für rund 12 Millionen Franken aufwerten.

Bild: Corinne Glanzmann, 14. Februar 2020

Am späteren Freitagnachmittag wurde das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs vorgestellt. Der Anlass stiess auf reges Interesse. Die 12-köpfige Jury, unter anderem mit Vertretern des Gemeinderats und der Denkmalpflege, hat aus den fünf Bewerbern die Cometti Truffer Hodel Architekten AG aus Luzern zur Siegerin gekürt. Sie möchte den historischen Charakter vor Ort beibehalten, sowohl was das Rössli betrifft, als auch den daneben liegenden Dorfplatz und die als erhaltenswert eingestufte Trafostation auf der Rössliwiese.

Auch in Zukunft soll im «Rössli» gewirtet werden

Geplant ist, künftig einen Gastrobetrieb im Rössli zu ermöglichen. Dafür wird das Gebäude komplett saniert. Obwohl dieses als erhaltenswert eingestuft ist, wäre eine Totalsanierung laut der Denkmalpflege nicht nötig: Nur der ältere Teil Richtung Dorfplatz aus den 1720er-Jahren sei zu restaurieren. Der Teil Richtung Hauptstrasse aus den 1850er-Jahren hätte abgerissen werden können.

Mit dem kompletten Erhalt sei die «wirtschaftliche Messlatte hoch angesetzt», sind sich die Architekten bewusst. Im Schlussbericht schreiben sie aber auch: «Wir lassen uns vom Grundsatz leiten, so viel Identitätsmarker wie möglich zu erhalten und mit charakterstarken Neubauten und Freiräumen zu ergänzen.»

Idee: Eine der Dorfplatz-Zufahrten sperren

Einer dieser Neubauten kommt neben das Rössli an der Luzernstrasse zu stehen, beim heutigen, kleinen Parkplatz. Im Untergeschoss sind Dienstleistungsflächen vorgesehen, in den vier Obergeschossen Wohnungen. Die anderen beiden Neubauten sollen auf der Rössliwiese zu stehen kommen, ebenso mit 2½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen. Total sind etwa zwei Dutzend Miet- und Eigentumswohnungen geplant. Eine Tiefgarage mit Zufahrt bei der Wydmühlestrasse soll zudem genügend Parkplätze für die künftigen Anwohner und den Gastrobetrieb bieten.

Im Projekt wird auch vorgeschlagen, die Zufahrt vom Post- auf den Dorfplatz zu verengen und für den motorisierten Verkehr zu sperren. Dadurch solle die Bedeutung des Dorfplatzes gestärkt werden, schreiben die Architekten weiter. Die Parkplätze oberhalb des Züntihauses sollten bestehen bleiben. Dasselbe solle für den Dorfbach gelten. Je nach Projekt hätte dieser verschoben werden müssen. Gemäss den jetzigen Plänen wird dieser jedoch seine heutige Form behalten und in den Garten des Rösslis integriert.

«Wir sind froh, dass an dieser Lage etwas geht»

Dass das ehemalige Restaurant wieder in neuem Glanz erstrahlen und Leben einkehren soll, begrüsst der Eschenbacher Gemeinderat. «Das Rössli gehört zum Dorfbild von Eschenbach. Wir sind froh, dass an dieser zentralen Lage nun etwas geht», sagt Gemeindeammann Markus Kronenberg (CVP). Mit dem Bauprojekt wird nicht nur das historische Gebäude erhalten, sondern es wird auch dem Grundsatz der inneren Verdichtung gerecht. Kronenberg begrüsst zudem, dass die privaten Investoren künftig auf einen Gastrobetrieb setzen möchten. «Für ein lebhaftes Dorf ist es wichtig, dass es für die Bevölkerung und Vereine ein Restaurant gibt.» Aktuell finden sich in der Gemeinde mit 3600 Einwohnern vier Betriebe: der «Löwen», die Pizzeria Ristorante Piazza, das «Brioche» und der Bahnhöfli-Take-Away.

Wann das Rössli wieder betrieben und die Neubauten bezugsbereit sind, ist noch unklar. Zunächst wird nun ein baureifes Projekt samt Gestaltungsplan erarbeitet. Der frühestmögliche Baubeginn ist in der zweiten Hälfte 2021. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von 18 Monaten.

Hinweis: Am Samstag, 15. Februar, ist das Siegerprojekt von 9 bis 13 Uhr im Schulhaus Neuheim ausgestellt. Die Verantwortlichen sind vor Ort.