Eschenbach: Schrebergärten droht wegen neuer Gesetze der Abriss

Im Eschenbacher Gebiet Moos müssen die Zonen genauer festgelegt werden. Das hat Konsequenzen für einige Hobby-Gärtner.

Niels Jost
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Es ist ein Idyll für viele Hobby-Gärtner, Familien und Pensionäre: das Eschenbacher Moos. Gelegen am Dorfausgang Richtung Rothenburg (siehe Karte), zwischen hoch gewachsenem Mais, dem Wald und grünen Wiesen, finden sich hier über zwei Dutzend kleine Häuschen, Gärten und Schrebergärten.

Viele der Bauten stehen schon seit mehreren Jahrzehnten – und müssen nun zum Teil weichen. Grund ist eine Teilzonenplanänderung, welche wegen übergeordneter Gesetze vom Bund und Kanton nötig wird. Konkret müssen die Naturschutzzone und der Waldabstand angepasst, die Gewässerräume ausgewiesen und die Familiengartenzone arrondiert werden.

«Das Gebiet hat sich über die Jahre von selbst entwickelt»

Dass der aktuell gültige Zonenplan nicht mit den im Moos vorherrschenden Gegebenheiten übereinstimmt, erklärt der zuständige FDP-Gemeinderat Benno Fleischli so: «Das Gebiet hat sich über die Jahre von selbst entwickelt. Einige Gartenhäuschen wurden mit gültiger Baubewilligung errichtet, andere wiederum nicht.» Deshalb müssen «einige Bauten und Gärten», welche in einer falschen Zone stehen, rückgebaut werden. Wie viele es schliesslich sein werden, kann Fleischli nicht sagen.

Sicher ist, dass diese sogenannte Familiengartenzone um 1,4 Hektaren verkleinert werden muss. Während einige Parzellen entfallen, werden andere neu geschafften. Insbesondere wird eine Fläche, welche heute von Familiengärten bewirtschaftet wird, von der Landwirtschafts- in die Familiengartenzone umgezont. Dadurch können diese Gärten bleiben, sofern sie die Vorgaben der Familiengartenzone einhalten.

Emotionales Thema schon früh aufgegleist

Einige Bauten könnten auch umplatziert werden, da es genügend Platz für Gärten in der Familiengartenzone hat. Ganz generell bleiben die Grundstücke aber in Besitz der Eigentümer. Fleischli betont zudem: «Der Sozialverträglichkeit zuliebe erlauben wir es, dass gewisse ältere Leute ihre Häuschen und Gärten noch so lange nutzen dürfen, bis sie sie nicht mehr selber betreiben können. Danach dürfen sie das Grundstück aber nicht verkaufen oder vererben.»

Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass die Betroffenen, welche teils über Jahrzehnte ihre kleine Oase mit viel Herzblut aufgebaut haben, sehr daran hängen. «Es ist eine emotionale Angelegenheit», weiss Fleischli. «Deshalb war es uns wichtig, die Situation früh mit allen Betroffenen anzugehen und transparent zu kommunizieren.» In der Tat: Vor fast drei Jahren hat der Gemeinderat die Grundeigentümer, Pächter und Nutzer erstmals zu einem Workshop eingeladen. Seither haben unzählige Gespräche und Sitzungen stattgefunden, Arbeits- und Echogruppen wurden ins Leben gerufen.

Bei Hobby-Gärtnern herrscht Ratlosigkeit

Bei den Betroffenen herrscht dennoch eine gewisse Ratlosigkeit, wie ein Augenschein zeigt. «Das tut schon weh», sagt etwa Hans, ein Pensionär aus Rothenburg, der wie alle anderen im Moos gleich Duzis macht. «Wir hegen und pflegen unsere Gärten und helfen damit sogar der Biodiversität.» So würden hier nicht nur die unterschiedlichsten Blumen und Pflanzen gedeihen, sondern auch viele Vögel nutzten die aufgestellten Vogelhäuschen rege zur Fortpflanzung.

Das Gleiche ist von Urs und Walti, ebenso zwei Pensionäre aus der Umgebung, zu hören. «Es gibt hier nie Probleme, wir schauen zueinander.» Der Fall wecke Erinnerungen an den Krienser Hochwald, wo illegal errichtete Hütten abgerissen werden mussten. Hans, ein weiterer Pensionär aus Eschenbach, findet es «unverständlich», den Zonenplan anzupassen. Immerhin hätten die bisherigen Gespräche bereits einiges bewirkt, etwa dass gewisse Parkplätze beibehalten werden können.

Neues WC-Häuschen in Planung

Gerade diese Parkplätze sind ein weiterer, zentraler Punkt der Zonenplanrevision. «Bisher herrschte reges, illegales Wildparkieren», sagt Gemeinderat Fleischli. «Jetzt führen wir eine Parkplatzordnung ein.» Parkplätze gibt es einerseits für die Garten-Besitzer, andererseits für die Nutzer des Vita-Parcours. Zudem ist der Bau eines öffentlichen WC vorgesehen.

Wie das aussehen wird, präsentiert der Gemeinderat mit den Verantwortlichen an einem Infoanlass (siehe Hinweis am Schluss). Zudem liegen alle Dokumente zum neuen Zonenplan noch bis am 1. Oktober online abrufbar sowie bei der Gemeindeverwaltung Eschenbach auf. Das letzte Wort hat das Stimmvolk: Über die Teilzonenplanrevision wird frühestens im Februar 2020 abgestimmt.

Hinweis: Infoanlass am Mittwoch, 11. September, 20 Uhr, Mehrzweckraum Neuheim Eschenbach.