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ESCHENBACH: Seit 44 Jahren an derselben Schule

192 Lehrerinnen und Lehrer wurden gestern feierlich aus dem Schuldienst verabschiedet. Unter ihnen ist auch Osi Sager, der nicht nur mit Leib und Seele Oberstufenlehrer war, sondern auch Redaktor.
Susanne Balli
Lehrer Osi Sager in «seinem» Schulzimmer in Eschenbach. (Bild: Nadia Schärli (21. Juni 2017))

Lehrer Osi Sager in «seinem» Schulzimmer in Eschenbach. (Bild: Nadia Schärli (21. Juni 2017))

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

«Jugendliche haben das Herz nach wie vor am rechten Fleck.» Das sagt Oswald Sager (64), von allen Osi genannt, der seit 44 Jahren an der Schule Eschenbach unterrichtet. Vorausgesetzt, man schaffe gute Beziehungen zu den Jugendlichen und eine gute Lernatmosphäre. Der letzte Schultag vor den Sommerferien wird auch Osi Sagers letzter sein, dann ist er pensioniert. Gestern wurde er mit 192 weiteren Lehrpersonen feierlich aus dem Schuldienst verabschiedet (siehe Kasten).

42 von 44 Jahren unterrichtete Osi Sager die Schüler der Oberschule, die später Realschule und heute Sek-Niveau C heisst. Eine Stufe, die bei Lehrpersonen nicht unbedingt die beliebteste ist. Anders bei ihm. «Ich hatte immer Niveau-C-Schüler, die nicht von allen Musen geküsst wurden. Aber sie sind alle ihren Weg gegangen, und ich habe grosse Freude, zu sehen, was aus ihnen geworden ist.» Am Reallehrerberuf habe er geschätzt, dass man dafür ein Allrounder sein müsse. «Das Unterrichten über verschiedene Fächer hat mir immer gefallen.»

«Schule und Eltern sollen ein Tandem bilden»

Besonders viel Herzblut steckte er auch in die Schulzeitschrift «S’ Tandem», die dreimal im Jahr erscheint und die er vor 39 Jahren mit weiteren Beteiligten ins Leben gerufen hat. «Ich hatte schon immer eine Affinität zum Schreiben und verfasste früher als freier Mitarbeiter Sportberichte für das damalige ‹Vaterland›», sagt er. Die Idee für die Zeitung entstand, weil die Eltern damals kaum informiert waren, was in der Schule läuft. Mit einer Schulzeitung sollte sich das ändern. «Eltern und Schule sollten eben ein Tandem bilden», erklärt Osi Sager den Namen des Blattes. Doch mit der Zeit habe die Diskussion über den Inhalt und die Umsetzung der Schulzeitung an den Lehrersitzungen derart viel Platz eingenommen, «dass einige Lehrer genug davon hatten. Also entschieden wir uns für eine fixe Redaktion.» Lange Zeit habe das Team die Zeitung unentgeltlich gemacht. Die Gemeinde habe aber immer die Druckkosten übernommen. «Mit der Einführung der Schulleitung habe ich den Status Chefredaktor erhalten. Die Bezeichnung mag ich aber nicht so», schmunzelt er.

Als Osi Sager 1978 vom Lehrerseminar kam, unterrichtete er zuerst zwei Jahre als Primarlehrer in Eschenbach. Dann aber fehlte für die 7. Klasse an der damaligen Oberschule eine Lehrperson. Sager sprang ein und absolvierte berufsbegleitend die Reallehrerausbildung. Lehrmittel für diese Stufe seien rar gewesen. «Es gab nur ein Rechnungsbuch, ein veraltetes Deutschbuch und einen Atlas. Der restliche Lernstoff musste mühsam zusammengetragen werden. Heute hingegen gebe es eine so grosse Fülle an Lehrmitteln, sodass es wiederum sehr zeitintensiv sei, den Lernstoff für das Niveau-C runterzubrechen.

Osi Sager lässt sich ein Jahr früher als üblich pensionieren. «Ich habe meine jetzige Klasse nun drei Jahre unterrichtet und würde im kommenden Schuljahr eine neue Klasse übernehmen, die ich dann nach einem Jahr wieder abgeben müsste.» Das wollte er nicht; der Abschuss mit seiner bisherigen Klasse sei auch für ihn ein guter Abschluss. Was nach der Schulzeit kommt, lässt er noch offen. «Ich habe von verschiedenen Seiten Anfragen erhalten, aber noch nirgends zugesagt.» Sicher wolle er weiter die Juniorenmannschaft des FC Eschenbach trainieren. Sager, der verheiratet ist und drei erwachsene Söhne hat, will zudem Zeit mit seinen vier Grosskindern verbringen. «Und es macht auch nichts, wenn es mal langweilig ist. Dann kann ich mal länger bei etwas weilen.»

«Ein verdienter und wertgeschätzter Lehrer

Thomas Meyer, Leiter der Schule Eschenbach, sagt über Osi Sager: «Er ist ein verdienter Lehrer, der von den Kindern und Eltern wertgeschätzt wird.» Osi Sager sei literarisch sehr bewandert und verfüge über einen guten Witz. «Als Mitgründer und Chefredaktor der Schulzeitung hat er über die Jahre die technische Entwicklung mitgemacht und die positive Entwicklung des ‹Tandems’ massgeblich mitgeprägt.»

Am letzten Schultag vor den Ferien, am 7. Juli, wird Osi Sager an der Abschlussfeier der Gesamtschule verabschiedet. «Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt er.

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