ESCHOLZMATT: Ein Leben für die Trachten

Während 38 Jahren gehörte Agi Limacher dem Kantonalvorstand der Luzerner Trachtenvereinigung an. Jetzt ist Schluss. Trachten besticken, das wird sie weiterhin.

Monika Van De Giessen
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Mit sicherer Hand: Agi Limacher bei Stickereiarbeiten. (Bild: Pius Amrein)

Mit sicherer Hand: Agi Limacher bei Stickereiarbeiten. (Bild: Pius Amrein)

Ihre Leidenschaft gehört dem Besticken von Trachten. Agi Limacher (71) ist im Amt Entlebuch die Einzige, die diese Kunst beherrscht. Vor 38 Jahren, am 23. Mai 1976, wurde sie in Nebikon in den Kantonalvorstand der Luzerner Trachtenvereinigung gewählt. Seit 2003 bis am vergangenen Wochenende war sie Präsidentin der Trachtenkommission. Jetzt ist Schluss. Anlässlich des 87. Jahresbot der Luzerner Trachtvereinigung in Wolhusen ist Agi Limacher von ihren Ämtern im Kantonalvorstand zurückgetreten. «Nach so vielen Jahren kommt sicher ein wenig Wehmut auf. Das eine oder andere wird mir fehlen. Aber, es geht weiter. Jetzt habe ich mehr Zeit für meine Familie.» Agi Limacher gehört seit 55 Jahren und auch weiterhin der Trachtengruppe Escholzmatt an.

Trachten, soweit das Auge reicht

Bei Agi Limacher dreht sich alles um die Tracht. Für uns macht sie die beiden Holzschränke auf, in denen fein säuberlich sortiert nach Festtags-, Sonntags- und Werktagstrachten, blütenweissen Trachtenblusen und Trachtenzubehör sowie Kindertrachten in den verschiedensten Grössen und Farben darauf warten, getragen zu werden. Kenner der Szene wissen es, Limachers grosse Leidenschaft ist, neben der Familie, das Besticken von Trachtenlatzen, Chüjermutz (Samtjacke), Taschen und Kragen für die Entlebucher Trachten, aber auch für viele andere Luzerner Gemeinden. Agi Limacher weiss alles über die Schweizer Trachten und deren Besonderheiten. Sie ist so etwas wie ein wandelndes Trachtenlexikon.

Noch heute ist das Herstellen einer Tracht Handarbeit. Für eine massgeschneiderte Luzerner Festtagstracht inklusive Zubehör bezahlt man gegen 10 000 Franken. Eigentlich wollte sie Schneiderin werden. Aber als ältestes von zehn Kindern musste sie zu Hause anpacken. Auf den Geschmack der Trachtenstickerei- und Trachtenschneiderei sei sie als 15-Jährige in einem Haushaltjahr bei einer Trachtenschneiderin gekommen.

Wie man eine Tracht richtig trägt, darüber wird immer wieder diskutiert. Heute steht in den Richtlinien (Ausgabe 2012) der Luzerner Trachten folgendes: «Ein schön gepflegtes Äusseres, leicht dezent geschminkt und ohne rote Fingernägel steht unseren Trachtenfrauen bestimmt sehr gut. Vergessen wir Frauen jedoch nicht, das Rauchen in der Tracht zu unterlassen.» In den Dreissigerjahren empfahl man den Trachtenträgerinnen «ein massvolles Anpassen der Tracht in die neue Zeit». Empfohlen wurde eine Rocklänge von 30 bis 35 Zentimeter ab Boden.

Keine Lackschuhe

Limacher erinnert sich an eine Versammlung der Luzerner Trachtenvereinigung vor rund vierzig Jahren, als ein männlicher Teilnehmer den Wunsch äusserte, man möge die Trachtenröcke kurz, also ob Knie, belassen. Diesem Wunsch konnte nicht entsprochen werden. «Halbwadenlang gilt noch heute.» In den Richtlinien zum Tragen der Entlebucher Tracht aus dem Jahr 1942 steht: «Es ist selbstverständlich, dass zu einer Tracht weder Lackschuhe, noch solche mit hohen Absätzen, weder seidene, noch modefarbene Strümpfe, auch nicht kitschiger Schmuck oder gar geschminkte Lippen und gefärbte Fingernägel passen.» Agi Limacher freut sich jetzt auf ruhigere Zeiten: «Die Trachtenstickerei ist indes nach wie vor mein grosses Hobby und macht mir viel Freude.»