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ESCHOLZMATT: Feuerwehr musste Schützen Platz machen

Die 1817 gegründete Schützengesellschaft feiert morgen ihr Jubiläum. In 200 Jahren bezogen die Schützen öfter ein neues Quartier – und waren auf einem Gebiet Pioniere.
Roger Rüegger
Die Escholzmatter beim Feldwettschiessen in Malters 1926. Amtsschützenvater Siegfried Schöpfer ist der Dritte von links stehend. (Bild: PD)

Die Escholzmatter beim Feldwettschiessen in Malters 1926. Amtsschützenvater Siegfried Schöpfer ist der Dritte von links stehend. (Bild: PD)

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Wenn die Schützengesellschaft Escholzmatt früher Schiessanlässe durchführen wollte, musste die Feuerwehr zuerst Platz schaffen. Das alte Schützenhaus beim Dorfplatz in der Mettlen diente nämlich gleichzeitig als Feuerwehrmagazin. Die Truppe der Brandbekämpfung entfernte also jeweils ihre Feuerspritzen, damit die Schützen losfeuern konnten.

Diese Mehrfachnutzung wurde ab 1840 praktiziert. Damals wurde das Schützenhaus und das Feuerwehrmagazin an derselben Stelle gebaut, an dem das alte Schützenhaus, das 1765 erstmals urkundlich erwähnt wurde, stand – eben mitten im Dorf. Heute schiesst die Schützen­gesellschaft ausserhalb der Wohnzone an der Ebnetstrasse. Dort wurde 1910 zum dritten Mal ein Schützenhaus in Escholzmatt gebaut, das sie nicht mehr mit der Feuerwehr teilen, dafür mit der Schützengesellschaft Marbach.

Feier mit 100 Ehrengästen und der Bevölkerung

Während das Vereinsheim verhältnismässig häufig wechselte, blieben die Mitglieder traditionsbewusst und beständig. Was sich auch darin zeigt, dass die Gesellschaft mit 200 Jahren der älteste Verein im Dorf ist. Das Jubiläum feiern die rund 40 Aktivmitglieder und Veteranen morgen Freitag in der Mehrzweckhalle Ebnet. Die Schützen sind eine gesellige Gruppe. Deshalb feiern sie nicht unter sich. Laut OK-Präsident und Gemeindeammann Pius Kaufmann sind rund 100 Ehrengäste eingeladen und natürlich die Bevölkerung.

Das Jubiläum wird – oder wurde zum Teil schon – in drei Teilen gefeiert. Im Vorfeld fanden anlässlich des Feldschiessens im Juni ein Gruppenwettkampf statt und im September an zwei Wochenenden das Jubiläumsschiessen. Insgesamt haben 1170 Schützen teilgenommen. Den Gruppenwettkampf kann man sich etwa wie in Dorfturnier vorstellen, bei dem jeder und jede mitmachen darf. «Wir wollten auch Leute zum Teilnehmen motivieren, die keine Schiesserfahrung haben», so Kaufmann. Dies ist gelungen, es meldeten sich 44 Teams zu vier Schützen an.

Auffällig an der Schützengesellschaft Escholzmatt ist, dass immer etliche Familien mit mehreren Mitgliedern aus verschiedenen Generationen vertreten sind. Aktuell stellt die Familie Wicki vier Frauen und sieben Männer als aktive Schützen. Hans Wicki, (68) der Präsident und Schützenvater, ist wie seine fünf Brüder langjähriges Mitglied. Er winkt ab, als wir ihn auf die Familientradition ansprechen: «Da sind nicht nur die Wickis, es gibt und gab viele andere, die das Vereinsleben ebenso mitgeprägt haben.» So etwa Sekundarlehrer und Amtsschützenvater Siegfried Schöpfer, der während fast 67 Jahren Aktuar und Schiesssekretär war (siehe Bild). Oder der Posthalter Gottlieb Hofstetter (1853–1925), der während 55 Jahren als aktiver Schütze kein Schützenfest versäumt hatte. Ohnehin sind die Escholzmatter fleissige Teilnehmer an Veranstaltungen. Seit 1824 bis heute haben sie laut ­Jubiläums-OK-Mitglied Gody Studer alle 57 eidgenössischen Schützenfeste besucht.

Der aktuelle Vorstand setzt sich aus vier Wickis, vier Mitgliedern der Familie Zihlmann und Ruedi Felder zusammen. Josef Portmann ist Fähnrich. Dennoch ist es eine Tatsache, dass sich Hans Wicki seit seinem Eintritt von Anfang an tatkräftig für die Gesellschaft einsetzt und ihr oft seinen Stempel aufgedrückt hat. So war er verantwortlich, dass Escholzmatt die erste elektronische Schiessanlage im Entlebuch in Betrieb nehmen konnte – im Jahr 1982, als er Präsident wurde. Auch die neue Standarte hat ­Wicki 1999 in Zusammenarbeit mit Roger Oberbühler entworfen. Und natürlich ist der Schützen­vater auch zielsicher. Wie sehr, bewies er kürzlich beim Wettbewerb im Auszahlungsschiessen. Dort erreichte er 388 von 400 möglichen Punkten. «Das ist aber nicht so wichtig», meint er bescheiden.

Aussergewöhnliche Eintracht im Entlebuch

Im Entlebuch existierte früher fast jeder Verein in einem Dorf doppelt. Auf der einen Seite die katholisch-konservativen Gesellschaften (rot), auf der anderen die liberalen (schwarz). Gody Studer erklärt, warum dies bei den Schützen in Escholzmatt scheint’s nicht so war: «Josef Stadelmann, der 2012 verstorbene langjährige Präsident der Schützengesellschaft, betonte immer, dass die Schützen in Escholzmatt politisch neutral seien und daher nur ein Verein existiere.» Studer erzählt, dass ihn diese Aussage geneckt habe, weil diese Eintracht doch eher aussergewöhnlich sei. Tatsächlich fand Studer, der ehemalige Gemeindepräsident, bei Recherchen heraus, dass im Lauf der Jahre sowohl ein «Wehrverein Escholzmatt» (offiziell um die militärische Wehrpflicht durchzuführen) wie auch der «Verein Junger Schützen» gegründet wurde. «Für die Gründungsjahre liegen keine Dokumente vor. Der Wehrverein schloss sich später mit der Schützengesellschaft zusammen», sagt Studer und lächelt. Heute sind in Escholzmatt auch noch ein Pistolenclub sowie die Sportschützen beheimatet.

Hinweis

Infos auf www.asg-entlebuch.ch

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