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ESCHOLZMATT: Kirche vor dem Auseinanderfallen gerettet

Die Kirche Escholzmatt ist eine der grössten im Kanton Luzern. Deren Aussehen wurde auch von der Natur geprägt.
Manuela Liem
Die Kirche St. Jakob in Escholzmatt, 1894 erbaut und 1983/84 restauriert, ist ein typisches Beispiel für eine neugotische Kirche. (Bild Boris Bürgisser)

Die Kirche St. Jakob in Escholzmatt, 1894 erbaut und 1983/84 restauriert, ist ein typisches Beispiel für eine neugotische Kirche. (Bild Boris Bürgisser)

Manuela Liem

Das imposante Bauwerk mitten im Dorfzentrum von Escholzmatt ist nicht zu übersehen: die Pfarrkirche St. Jakob. Sie ist die grösste Kirche im Entlebuch und gilt als eines der wichtigsten Beispiele einer neugotischen Hallenkirche in der Schweiz. Aufgrund von Platzmangel in der alten war die Errichtung einer neuen Kirche nötig. Zwei Architekten durften ihr Projekt vorstellen. Ausgewählt wurde jenes von August Hardegger (1858–1927) aus St. Gallen. Die Kirche ist der neugotischen Stadtpfarrkirche St. Maria von Schaffhausen nachempfunden. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Kirche im Oktober 1894 geweiht. Der Bau kostete damals 300 000 Franken – die Restaurierung rund 90 Jahre später 6,7 Millionen Franken. «Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein solch grosses Bauwerk nach dieser Zeit erneuert werden muss», sagt Hermann Bieri, der damalige Präsident der Baukommission.

Auf schrägem Untergrund erbaut

Die Kirche wurde auf schrägem Untergrund gebaut. Um das auszugleichen, baute man eine Krypta, also ein Raum unterhalb des Chor, mit der Form eines unvollständigen Achtecks. Ursprünglich wollte man die gerade Wand als Begräbnisstätte für einheimische Geistliche nutzen. Der amtierende Pfarrer während der Bauzeit und sein Vorgänger ruhen noch immer in jener Wand. Später wurde dann aber ein neues Priestergrab auf dem Friedhof errichtet.

Heute wird die Krypta vor allem für Gottesdienste mit kleineren Gruppen wie Schul­klassen oder Vereinen genutzt. 1969 bis 1971 baute man die Krypta nach Plänen von Bruder Xaver Ruckstuhl aus Engelberg um. Zuvor war die Sicht vieler Messeteilnehmer durch Säulen versperrt worden. Heute steht in der Mitte des Raumes ein runder Altar und auf drei Seiten eine Reihe mit Sitzbänken, wodurch der Pfarrer seine Position der Gruppengrösse anpassen kann.

Neues Zuhause für barocke Figuren

Eines der Fenster der Krypta zierte ursprünglich eine Glasmalerei, die die Auferstehung des Lazarus zeigt – eine Szene, die nur selten auf Kirchenfenstern zu sehen ist. Nach der Kirchenrenovation installierte man das Fenster im Seitenschiff der Kirche. Zu den wenigen Dekorationen der Krypta zählen vier barocke Figuren, die von einem Freund Bieris in einer Kapelle ausserhalb des Dorfes gefunden worden waren. Wie sich später herausstellte, stammen sie aus der ehemaligen Pfarrkirche. Man konnte die Besitzer der Kapelle davon überzeugen, die Figuren in der Krypta unterzubringen: in einer geschützten Umgebung und nicht völlig einsam wie in der Kapelle.

Fenster zugemauert

Für die Restaurierung 1983/84 war Architekt Paul Arnold aus Sempach verantwortlich. «Er hat sich die Kirche und ihren Baustil genau angeschaut, um diesen bei den Erneuerungen nachzuahmen», sagt Bieri. Aufgrund des abfallenden Geländes neigten sich die Fassade und die Säulen im Innern immer weiter nach aussen. Um die Kirche zusammenzuhalten, wurde eine ungewöhnliche Massnahme getroffen: Man baute Metallplatten in die Frontmauer und spannte rund um die Kirche ein Stahlseil.

Durch die Neigung der Mauern wurde auch das Rosettenfenster an der Vorderseite der Kirche zerrissen. Um die Orgel vor dem dadurch eindringenden Regen zu schützen, wurde das Fenster bereits 1927 zugemauert und mit einem Christusmosaik versehen. Bei der Renovierung legte man das Fenster wieder frei und stabilisierte es mit einem schmiedeisernen Gestell. Das Mosaik wollte man behalten und brachte es an einer Schulhauswand an.

Im Inneren wurden unter anderem die Sitzflächen der Bänke, der Boden sowie die Beleuchtung erneuert sowie ein neuer Zelebrationsaltar aufgestellt. Dieser ist ganz dem neugotischen Stil nachempfunden. Wie in einem Schaufenster ist hinter Spitzbögen eine Truhe mit Reliquien zu sehen. Auf der Sakristei und der Nebensakristei baute man eine Brüstung, damit diese nicht mehr so kahl aussahen – ebenfalls im Stil der Kirche.

Wie auch für gotische Kirchen typisch, sind die Glasfenster farbig bemalt. «Speziell ist, dass darauf die 10 Gebote notiert sind», sagt Bieri. Wenn man die Kirche von aussen betrachtet, fällt eines auf: das gedrehte Dach, genannt Spitzhelm, des Turms. Hinter dieser Besonderheit steckt jedoch keine architektonische Neuschöpfung, sondern lediglich die Kraft der Natur. Das Dach besteht aus mit Kupfer bedecktem Holz. Im Laufe der Jahre hat es sich verzogen und sich so verformt, dass das Dach heute ganz anders aussieht als bei der Fertigstellung 1894.

Die bereits erschienenen Artikel der Serie finden

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