2 Gemeinden, 20 Jahre, 200 Prozent: Die politische Karriere von Fritz Lötscher ist eindrücklich

Gemeindepräsident von Marbach, dann von Escholzmatt-Marbach: Fritz Lötscher hat die Region stark geprägt. Jetzt endet sein Einsatz – aber nur in der Politik.

Alexander von Däniken
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Fritz Lötscher vor dem Gemeindehaus in Escholzmatt.

Fritz Lötscher vor dem Gemeindehaus in Escholzmatt.

Bild: Pius Amrein, Escholzmatt,  22. 01. 2020

Es gibt Gemeindepräsidenten, die verwalten und meistens im Büro sitzen. Und es gibt solche wie Fritz Lötscher. Der 66-Jährige gilt im Entlebuch als «Chrampfer», als Politiker zum Anfassen, als Kommunikator und Mann mit Ideen.

Im Jahr 2000 wurde Lötscher für die CVP ins Gemeindepräsidium von Marbach gewählt, auf den 1. Januar 2013 zügelte er sein Büro nach Escholzmatt – und war fortan für die Geschicke von Escholzmatt-Marbach verantwortlich. Auf Ende August hängt er seine politische Karriere nach 20 Jahren an den Nagel.

Für die Neuwahlen will die CVP-Ortspartei am Mittwoch Beat Duss als Lötschers Nachfolger nominieren. Zudem soll Jeannette Riedweg-Lötscher in den Gemeinderat kommen – und damit den ebenfalls zurücktretenden Parteikollegen Franz Duss ersetzen. Riedweg ist Anwältin und persönliche Mitarbeiterin von Regierungsrat Guido Graf. Das dritte Gemeinderatsmitglied der CVP, Gemeindeammann Pius Kaufmann, tritt wieder an. Zurück zu Fritz Lötscher. Wir haben ihn zu vier Punkten befragt.

Der Anfang

«Als ich in meiner Heimatgemeinde Marbach zum CVP-Ortsparteipräsidenten gewählt wurde, war ich gerade erst 29», erinnert sich Lötscher. Er betont, nie ein «Parteibüffel» gewesen zu sein, sondern stets sachorientiert zu politisieren. Zwar habe seine Familie eine Nähe zur CVP, aber im direkten Umfeld habe es nie einen Mandatsträger gegeben. Lötscher ist gelernter Buch- und Offsetdrucker sowie Verlagsfachmann und wurde 1992 Geschäftsführer der Druckerei Schüpfheim, die als Teil des Entlebucher Medienhauses auch den Entlebucher Anzeiger herausgibt.

«Ich bin meistens vor 6 Uhr im Büro, was mir ermöglicht hat, mich am späteren Nachmittag um die Politik zu kümmern.»

Als ehemaliger Langläufer und Langlauftrainer und Verbandsverantwortlicher ist Lötscher bestens vernetzt. So kam es, dass er «plötzlich für das Amt des Gemeindepräsidenten nominiert» wurde – und im Jahr 2000 mit fast «sowjetischem Stimmenanteil» von über 90 Prozent gewählt wurde.

Der Höhepunkt

Sie gilt als mustergültig; die Fusion von Escholzmatt und Marbach anno 2013. Zwei Jahre später erhielt die Gemeinde den Demokratiepreis der Neuen Helvetischen Gesellschaft. Wenn Lötscher über die Fusion spricht, leuchten seine Augen. Er erwähnt, dass beide Gemeinden schon zuvor einen regen Austausch pflegten und etwa bei der Bildung schon zusammengearbeitet haben. «Eine Fusion war aber nie ein Thema.» Das änderte sich erst, als die Grossfusion aller Entlebucher Gemeinden Schiffbruch erlitten hatte. 2009 sprachen die Gemeinderäte von Marbach und Escholzmatt auf der Marbachegg zum ersten Mal von einem Zusammenschluss.

Die Verantwortlichen tauften das Projekt «Mitenand», bildeten Arbeitsgruppen – und bezogen von Anfang an die Bevölkerung mit ein. «Eine offene und proaktive Kommunikation ist das A und O», sagt Lötscher. Am 27. November 2011 stimmten die Marbacher (63,1 Prozent) und die Escholzmatter (79,2 Prozent) der Fusion zu.

Die Gemeinde wurde 106 Quadratkilometer gross, zählte rund 4500 Einwohner – und gewann laut Lötscher in der kantonalen Politik an Gewicht. Auch das Gewerbe und der Tourismus profitierten.

In den letzten zwanzig Jahren tauchte Fritz Lötscher einige Male in unseren Berichterstattungen auf – ein kleiner Rückblick.2003: Redaktionsleiter Josef Küng und der Geschäftsführer Fritz Lötscher des Entlebucher Anzeigers schauen sich den ersten Druck der aktuellen Zeitung an.
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2011: Fusionsabstimmung der Gemeinde Marbach und der Gemeinde Escholzmatt. Fritz Lötscher (links), Gemeindepräsident Marbach und Gody Studer, Gemeindepräsident Escholzmatt gratulieren sich zur Fusion der beiden Gemeinden.
2013: Fritz Lötscher ist Gemeindepräsident von Escholzmatt-Marbach.
2013: Eröffnung des Xundheitszentrum Escholzmatt.
2016: Evelyne Leu, Olympiasiegerin 2006 in Skiakrobatik und Donghua Li, Olympiasieger 1996 im Kunstturnen bei der Talstation Marbachegg am 20. Februar 2016, anlässlich des Events Heicho Tage. Links: Fritz Lötscher.
2019: CVP Bundesfeier auf dem Europaplatz in Luzern.
2020: Fritz Lötscher tritt nicht mehr zur Wahl des Gemeindepräsidenten von Eschholzmatt-Marbach an.

In den letzten zwanzig Jahren tauchte Fritz Lötscher einige Male in unseren Berichterstattungen auf – ein kleiner Rückblick.

2003: Redaktionsleiter Josef Küng und der Geschäftsführer Fritz Lötscher des Entlebucher Anzeigers schauen sich den ersten Druck der aktuellen Zeitung an.

Bild: Esther Michel

Der Verzicht

Vor rund acht Monaten erlitt Lötscher plötzlich «ein kleines Herzproblem». Es erforderte das Einsetzen eines Stents. Der Eingriff verlief ohne Komplikationen, wie Lötscher betont: «Ich bin fit, bewege mich oft und gerne in der Natur, betreibe Sport, was mir grosse Freude bereitet.» Freunde haben ihn vor dem Eingriff zu einer weiteren Legislatur ermuntert. «Das habe ich mir reiflich überlegt.» Die Familie hätte ihn weiterhin unterstützt, gab ihm aber zu verstehen, dass etwas kürzer zu treten auch eine gute Option sei. «Immer auf 200 Prozent zu laufen, geht auf Dauer nicht gut.»

Dass es sich Fritz Lötscher mit dem Entscheid nicht einfach gemacht hat, liegt daran, dass er das Gemeindepräsidium «unheimlich gern» ausgeführt hat. Vor allem die persönlichen Gespräche schätze er sehr; man müsse die Leute und den Umgang mit ihnen auch gern haben.

Die Zukunft

Ende August endet für Fritz Lötscher zwar die politische Karriere; auf einige weitere Tätigkeiten wird er aber vorerst nicht verzichten. Er präsidiert die Unesco-Biosphäre Entlebuch, betreibt ein eigenes Werbebüro, sitzt im Verwaltungsrat der Sportbahnen Marbachegg und weiteren Organisationen. Trotzdem will er mehr Zeit haben für seine Familie, für Reisen, die Natur und das Langlaufen.