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Estermanns im Kantonsrats-Wahlkampf: Die Schwester macht das Rennen

Privat verstehen sich die Geschwister Rahel (31, Grüne) und Markus Estermann (34, CVP) sehr gut. Politisch haben die beiden das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Bei der Wahl in den Kantonsrat schafft Rahel – im Gegensatz zu ihrem Bruder – den Sprung ins Parlament.
Ernesto Piazza
Die Geschwistern Rahel und Markus Estermann haben beide für den Kantonsrat kandidiert. Sie schafft die Wahl, er bleibt ohne Chance. (Bild: Dominik Wunderli, 31. März 2019)

Die Geschwistern Rahel und Markus Estermann haben beide für den Kantonsrat kandidiert. Sie schafft die Wahl, er bleibt ohne Chance. (Bild: Dominik Wunderli, 31. März 2019)

Sonntagmittag 14 Uhr: Noch wissen Rahel Estermann (31, Grüne) und ihr Bruder Markus (34, CVP) nicht, ob sie den Sprung ins 120-köpfige Kantonsparlament schaffen. Doch obwohl die Spannung und damit auch der Puls bei den Beiden sukzessive ansteigt, wirken sie beim Fototermin in der Luzerner Neustadt noch recht entspannt. Dieser Ort ist nicht zufällig gewählt. Der in Hildisrieden wohnhafte Markus Estermann arbeitet in diesem Gebiet als Geschäftsführer einer Informatikfirma. Seine Schwester, die Digitalisierungsforscherin, ist in der Luzerner Neustadt zu Hause.

Rahel Estermanns politische Heimat ist – obwohl es in Hildisrieden, wo beide aufgewachsen sind, keine Ortspartei der Grünen gibt – seit jeher diese Gruppierung. «Ich habe diese Partei schon immer gewählt.» Rund zehn Jahren politisiert sie aktiv. Von 2009 bis 2016 führte sie das Parteisekretariat der Grünen in Luzern. Das sei die Zeit gewesen, als sie aktiv in die Politik einstieg. Richtig in den Vordergrund trat sie politisch im vergangenen September. Damals rückte sie für Ali R. Celik in den Kantonsrat nach. Klimaschutz, eine liberale Gesellschaft und die digitale Zukunft sind ihre «grünen Themen». Politikwissenschaft studiert, widmet sich die Digitalisierungsforscherin als Kantonsrätin vor allem diesem Gebiet. «Mich interessiert speziell, wie Gesellschaft und Technik interagieren.»

Politische Ausrichtung ist aufgrund der Herkunft naheliegend

Ihr Bruder Markus gehört in Hildisrieden seit rund fünf Jahren der CVP-Ortsparteileitung an. Man habe früher zu Hause dann und wann politisiert», erklärt der 34-Jährige. Und auf der Landschaft aufgewachsen, sei die CVP als Partei für ihn irgendwie naheliegend. Und als er für deren Vorstandsarbeit angefragt wurde, nahm die Politik bei ihm Fahrt auf. «Kritisieren, Forderungen stellen oder Probleme benennen kann jeder, mich interessieren umsetzbare Lösungsvorschläge», betont der CVP-Kantonsratskandidat aus dem Wahlkreis Sursee zu einem Politcredo.

Im Rahmen seines Wahlkampfes habe er «nichts Spezielles» gemacht. Er orientierte sich vor allem an der Hildisrieder CVP-Frau Gerda Jung und ihren Aktivitäten bei der erfolgreichen Wahl in den Kantonsrat vor vier Jahren. Zudem hat er auch Standaktionen gemacht.

Am Wahlmorgen ist Markus Estermann seinem beruflichen Klischee treu geblieben: Nicht allzu früh aufstehen und spät ins Bett gehen. Ein spezielles Programm – Fehlanzeige. «Ich arbeite zwar nicht in der Informatikbranche, bin aber auch keine Frühaufsteherin», sagt Rahel Estermann und schmunzelt. Die Stimmung bei den beiden ist locker und freundschaftlich. Am Morgen habe sie noch zwei Stunden lang Forschungstexte geschrieben, um 12 Uhr den Wahlticker eingeschaltet. Dann sei das Adrenalin langsam angestiegen. «Ich wurde recht nervös.» Zeit für einen Kaffee mit ihrem Freund, musste noch sein. Bevor sie dann die Wohnung verliess.

Politisch neckt man sich selbstverständlich

Der Fototermin ist mittlerweile beendet. Markus Estermann konsultiert erneut sein Handy. Die Ergebnisse interessieren selbstverständlich, obwohl er sich nicht allzu grosse Wahlchancen ausrechne. «Bei dir ist das anders», sagt er und wirft seiner Schwester einen verschmitzten Blick zu. Die Chemie zwischen den beiden stimmt. Auch wenn sie von der politischen Gesinnung her nicht gleich getaktet sind. «Wir verstehen uns sehr gut», erklären die beiden.

So waren sie am Freitag vor dem Wahlsonntag noch miteinander Mittagessen. Politisch necke man sich selbstverständlich ab und zu, weiss Rahel Estermann. Unsere Beziehung ist aber relativ unpolitisch. «Die Diskussionen drehen sich um andere Themen», ergänzt ihr Bruder Markus. Spezielle Tipps zum Wahlkampf hat er bei seiner Schwester auch nicht geholt.

«Ich bin sehr glücklich über das Resultat»

Wenig später trennen sich ihre Wege für diesen Sonntag wieder. Derjenige von Rahel Estermann führt ins Regierungsgebäude. Der CVP-Politiker kehrt nach Hildisrieden zurück. Und es kam wie dieser prophezeit hatte: Markus Estermann blieb mit seiner Kandidatur chancenlos. «Ich musste damit rechnen», hält sich bei ihm die Enttäuschung in Grenzen. Anders bei seiner Schwester: Aufgeführt als Nummer eins auf der Liste eins der Grünen der Stadt Luzern schaffte sie überzeugend die Wiederwahl. «Ich bin sehr glücklich über das Resultat.» Und so stand der Feier in der Music-Box im St. Karli-Gebiet nichts mehr im Wege.

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