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ETHIK-FORUM: Sie helfen Medizinern bei schwierigen Entscheiden

Ärzte und Pflegepersonen befinden sich bisweilen im Dilemma, wenn es um die Behandlung schwerkranker Menschen geht. In dieser Situation kann das Ethik-Forum helfen. Im Mittelpunkt steht dabei der Wille des Patienten.
Martina Odermatt
Brigitte Amrein und Gregor Schubiger vor dem Spitalgebäude in Luzern (Bild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung)

Brigitte Amrein und Gregor Schubiger vor dem Spitalgebäude in Luzern (Bild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung)

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Henry* meidet wenn möglich den Blick in den Spiegel. Seit geraumer Zeit plagt den 58-jährigen Mann ein Tumor, der sein Gesicht entstellt. Die Chemotherapie und chirurgische Eingriffe konnten weder die Schmerzen noch das Tumorwachstum mindern. Eine Heilung ist nicht mehr möglich. Wie soll man den Patienten im Spital nun weiterbehandeln? Eine radikale Bestrahlung könnte das Wachstum verzögern, hätte aber erhebliche Nebenwirkungen zur Folge. Die Alternative wäre die Betreuung auf der Palliativstation, der Abteilung, welche die Patienten auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet.

In Situationen wie dieser kann das Team rund um Brigitte Amrein und Gregor Schubiger helfen. Sie führen in Co-Leitung das Ethik-Forum des Kantonsspitals Luzern (Luks). Geht es um ethische Werte und befinden sich die behandelnden Ärzte oder die Pfleger im Dilemma über die weitere Behandlung eines Patienten, können Sie das Ethik-Forum für eine Fallbesprechung einberufen. Amrein, Schubiger oder andere Moderatoren des Forums bringen dann alle beteiligten Personen an einen Tisch, damit sie ihre Sichtweisen einbringen können.

Die Fallbesprechung wird auf eine methodische und strukturierte Art und Weise moderiert. «Wir möchten so ethische Werte in die Entscheidungsfindung einbeziehen und in jedem Fall den Willen und Würdeanspruch des Patienten respektieren», erklärt Gregor Schubiger, ehemaliger Chefarzt des Kinderspitals. Am Schluss soll eine Lösung gefunden werden, hinter der das ganze Behandlungsteam stehen kann. Die juristische Verantwortung bleibt jedoch nach wie vor beim zuständigen Arzt.

Persönliche Haltung hat bei Moderation keinen Platz

Den jeweiligen Patienten kennen die Moderatoren nicht. Als Moderator einer Besprechung sei es wichtig, nicht in den Fall involviert zu sein, so Schubiger. Und doch stellt sich die Frage: Lenkt man die Diskussion nicht unbewusst in eine Richtung? Brigitte Amrein erklärt: «Meine persönliche ethische Haltung kenne und reflektiere ich immer wieder. Aber bei der Fallbesprechung steht sie im Hintergrund.»

Als Moderatoren verfahren sie nach einem strukturierten ­Sieben-Schritte-Modell. «Dieses Modell hat zum Ziel, eine Behandlungsoption zu finden, die dem Patientenwillen entspricht», erklärt Amrein, die auch die Spitalseelsorge leitet. Sie stellten sich aber auch die Frage: Was ist zumutbar und was medizinisch sinnvoll? Generell habe der Patient das Recht, alle Behandlungsvorschläge abzulehnen. Er dürfe aber nicht Behandlungen verlangen, die rechtlich widrig oder medizinisch sinnlos sind.

Ethikstrukturen sind heute keine Seltenheit mehr. Mittlerweile gibt es sie in jedem grösseren Spital und auch in Spezialkliniken wie dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. Am Luks werden solche Fallbesprechungen ungefähr 20 Mal pro Jahr einberufen, oft etwa bei Frühgeburten, in der Schwangerschaft, bei Krebsleiden oder auch in der Intensivmedizin. Die Zahl steige allmählich an, «weil der Nutzen der ethischen Fallbesprechung erkannt wird und zu einer Entlastung führt», erklärt Amrein. Schubiger fügt an: «Viele Personen, die einmal vom Forum Gebrauch gemacht haben, kommen wieder.»

Sicherheit und Vertrauen durch Fallbesprechung

Das erste Ethik-Forum wurde vor gut 20 Jahren am Kinderspital der Universität Zürich gegründet, das Pendant am Luks gibt es seit 2009. Es besteht aus 20 Personen verschiedener Disziplinen und Professionen und ist an allen drei Standorten des Luks vertreten. «Beteiligt sind Ärzte, Hebammen, ebenso Fachpersonen aus der Pflege und von Drittdisziplinen», umschreibt Amrein die Zusammensetzung. Unter Drittdisziplinen sind etwa die Seelsorge, der Rechtsdienst oder die Physiotherapie gemeint.

Das Forum trifft sich rund zehn Mal pro Jahr. Neben der Moderation von Fallbesprechungen gehört auch die Erstellung von Leitlinien zu den Aufgaben des Forums, etwa zum Umgang mit Patientenverfügungen oder zum Thema Suizidbeihilfe. Auch werden Workshops und Weiterbildungen für die Mitarbeiter des Luks angeboten. «Wir profitieren davon, verschiedene Disziplinen und Professionen im Forum zu haben. Das erlaubt einen vielseitigen Blick auf die Problemstellung», sagt Amrein.

Auch bei den Ärzten stossen die Gespräche auf Interesse. «Die Beleuchtung aus allen Blickwinkeln der Berufsgruppe ergibt wertvolle Inputs, die sowohl für den Patienten als auch für das Behandlungsteam wichtig sind», schildert ein Arzt seine Erfahrung. Und Schubiger fügt an: «Den Patienten und Angehörigen gibt es ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen, wenn sie ­wissen, dass die Behandlungs­methode sorgfältig diskutiert und abgewogen wurde.»

* fiktives Beispiel

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