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ETTISWIL: Er baut unfassbare Motorräder

Was macht ein Töffmech und bekennender Bierliebhaber in seiner Freizeit? Er verbindet Arbeit und Hobby. Das Resultat lässt sich sehen – und fahren.
Roger Rüegger
Kilian Vogel auf seinem selbst gebauten Holzmotorrad. Die Räder des Gefährts bestehen aus Bierfässern. (Bild Dominik Wunderli)

Kilian Vogel auf seinem selbst gebauten Holzmotorrad. Die Räder des Gefährts bestehen aus Bierfässern. (Bild Dominik Wunderli)

Ein spezieller Vogel ist der Bursche auf dem Holztöff. Kilian heisst er mit Vornamen, wohnen tut er mit Ehefrau Regula und den Töchtern Livia (6) und Sina (4) in Ettiswil. Seine Maschine ist das «Brauiross». Kilian Vogel, der gelernte Töffmechaniker, arbeitet tagsüber als Servicetechniker bei Schaerer Kaffeemaschinen in Zuchwil. Ein ganz normaler Job, bei dem manche Überstunde zusammenkommt. Doch wenn es dunkel wird, verschwindet der 40-Jährige in seinem Keller und schraubt in der Werkstatt an seinen Projekten. So entstand vor anderthalb Jahren das «Brauiross». «Ziel war, aus Holz und Bierfässern in Kombination mit einem Dieselmotor einen Töff zu bauen. Utensilien wie das Kummet-Pferdegeschirr habe ich in Brockenhäusern und auf Dachböden gefunden», schildert Vogel die Entstehung.

Zur Not tuts auch Feldschlösschen

Bei jedem Projekt streut er im Bekanntenkreis, was er gerade plant und welche Zubehörteile er braucht. «So werden mir jeweils tolle Schätze herbeigebracht.» Doch auch wenn er über beste Verbindungen verfügt und selber vielen Dingen nachrennt: Alles kann auch Vogel nicht besorgen. So ist es ihm nicht gelungen, zwei Eichhof-Fässer zu beschaffen. «Die wären mir als Luzerner am liebsten gewesen. Nun habe ich ein Fässchen von Feldschlösschen und eines von Löwenbräu verwendet. Die erfüllen den Zweck als Räder genauso.»

Die Fässer, Bretter aus Kirschholz und ein Dieselmotor einer alten Bitumenspritze mit 420 ccm Hubraum waren die Basis für das «Brauiross». Eine Zeichnung braucht Vogel nie. Er setzt auf rollende Planung. So baute er vor Jahren aus dem Stegreif in eine (Eichhof-)Bier-Kiste einen Motor ein und brauste darauf an der Fasnacht herum. Mit den Jahren wurden die Maschinen grösser. Das «Brauiross» ist sein Highlight – bis jetzt. Doch derzeit klopft und hämmert es nächtens wieder in Vogels Keller. Details dazu verrät er nicht, nur so viel: «Am 11. Mai, zum Ami-Treff im Sport Rock Willisau, muss es fertig sein.»

Halbes Leben im Keller verbracht

Obwohl der Mann ein gefühltes halbes Leben in seiner Werkstatt verbringt, ist er nahe bei der Familie. Die Töchter sind oft bei ihm und schauen interessiert zu. «Meine drei Frauen haben Verständnis für mein Hobby, und sie unterstützen mich tatkräftig. Wenn dies nicht so wäre, würde es nicht funktionieren.» Die Familie steht im Vordergrund. So pflegt er auch zu Göttibueb Kilian Kurmann (23) ein enges Verhältnis. Nicht verwunderlich, dass dieser dasselbe Hobby wie Vogel betreibt und – welch Zufall – einen ähnlichen Töff wie sein Götti baute. Aus Holz, aber anstelle der Bierfässer verwendete er Wagenräder. «Wir spornten einander gegenseitig an. Aber jeder machte sein eigenes Ding», sagt Vogel.

Die beiden haben ihre Holztöffs letzten Sommer an der Bike-Show auf dem Big Hill in Willisau präsentiert und prompt die ersten Plätze belegt. Vogel wurde Sieger, Kurmann Zweiter. Auf Pokale ist Vogel aber nicht scharf. «Mir macht die Sache Spass. Beim Suchen der Einzelteile habe ich viel mit Leuten zu tun und erfahre manche Geschichte.»

Klar ist, dass Vogel nicht nur auf seinem Exoten unterwegs ist, zumal dieser für die Strasse nicht zugelassen ist. «Früher unternahmen wir wilde Ritte auf Töffs und feierten Partys. Das ist mit der Familie vorbei», sagt er. Seine Leidenschaft lebt er dennoch aus. So fährt er im Jahr rund 2000 Kilometer auf seiner Harley. So jeweils an Fronleichnam im Verbund mit Arbeitskollegen zum Wellness nach Österreich. Die ganz wilde Zeit scheint vorbei – doch warten wir den Mai ab.

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