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Ettiswil: Neuer Anlauf für «Wakeboard-Park»

Ein künstlicher See zum Wakeboarden samt Campingplatz – davon träumen zwei Luzerner. Ihr Projekt hat viele Hürden zu überwinden.
Evelyne Fischer
Gibts solche Bilder bald auch aus Ettiswil? Wassersportler in einer Wakeboard-Anlage in Deutschland. (Bild: Getty)

Gibts solche Bilder bald auch aus Ettiswil? Wassersportler in einer Wakeboard-Anlage in Deutschland. (Bild: Getty)

«Wir liften Ettiswil» – mit diesem Werbeslogan schloss Willi Bernet (46) kürzlich seine Präsentation beim Verein Pro Region Willisau-Wiggertal. Der Willisauer liess den Tourismusverein an jener Vision teilhaben, die er und Bruno Zemp (38) aus Ruswil verfolgen: «Wake & Camp Wiggertal». Auf einem 150 mal 250 Meter grossen, künstlich ausgehobenen See wollen sie eine Wakeboard-Anlage erstellen. Wie an einem Skilift würden bis zu acht Sportler auf einem Brett übers Wasser gezogen. Etappiert sollen ein Campingplatz mit 100 Stellplätzen und 10 Bungalows dazukommen.

Alte Träume neu belebt

Bei Wake & Camp verschmelzen die Ideen zweier Einzelkämpfer, deren Planung von Geldern der Neuen Regionalpolitik unterstützt wurde. Willi Bernets Version hiess Napfpark Wiggertal. 2013 wollte er einen Hotel-, Camping- und Freizeitkomplex realisieren. Bruno Zemp wiederum plante in Ruswil einen Wake-Park. Das Projekt wurde 2012 versenkt. Die Regierung schrieb damals, die Anlage sei «nicht von übergeordneter kantonaler Bedeutung» und habe «nur einen geringen regionalen volkswirtschaftlichen Nutzen». Zu gross wäre der Landverlust.

Soll Wake & Camp Ende Jahr zur Vorprüfung eingereicht werden können, müssen solche Punkte geklärt sein. Denn: «Aus kantonaler Sicht werden wir wieder die gleichen Fragen stellen wie bei der Ruswiler Anlage», sagt Markus Mächler, Projektleiter Raumentwicklung bei der Dienststelle Raum und Wirtschaft (Rawi). «Um mindestens eine regionale Bedeutung geltend zu machen, braucht es mehr als nur die Standortgemeinde, die ihre Unterstützung zusichert.»

Breitensport in Deutschland

Gemäss Bernet lässt sich die Kompensation der Fruchtfolgeflächen gewährleisten. Er ist überzeugt: Ihr Projekt stösst auf das nötige «erhebliche öffentliche» Interesse. «Unsere Anlage wäre eine Attraktion mit nationaler Ausstrahlung.» In Deutschland gelte Wakeboarden mit über 70 Anlagen längst als Breitensport. «Hierzulande gibts bisher erst in Estavayer-le-Lac eine ähnliche Anlage.» Bestärkt fühlen sich die Initianten durch den Regionalen Entwicklungsplan Willisau–Wiggertal, der «sanften und nachhaltigen Tourismus» fördern will sowie Sport- und Freizeitaktivitäten erwähnt.

Für Wake & Camp brauchts sieben Hektaren Land – knapp zehn Fussballfelder. Bauernfamilie Stocker vom Ettiswiler Balmhof will dieses im Baurecht abgeben. «Mit 13 Hektaren Land bietet unser Hof längerfristig zu wenig Perspektiven», sagt Kurt Stocker (47). Seit 23 Jahren führt er den Hof mit 20 Kühen. Aufgrund sinkender Milch- und Getreidepreise suchte der dreifache Familienvater nach Alternativen. «Ein neuer Betriebszweig wie Poulet- oder Schweinehaltung ist wegen der Nähe zur Siedlung ausgeschlossen.» Bauland einzuzonen sei aufgrund der Reserven im Dorf wenig realistisch. «Den Hof nur noch reduziert zu bewirtschaften und im Park mitzuhelfen, wäre eine einschneidende Veränderung, zugleich aber eine grosse Chance.»

Die Sorgen der Anwohner

10'000 Besucher soll Wake & Camp während der Betriebsmonate Mai bis Oktober anziehen. Dies könnte zwei Vollzeit- und bis zu 15 Saisonstellen generieren. Der Lärmpegel und der Verkehr beschäftigen die Ettiswiler, wie der «Willisauer Bote» berichtete. «Wake & Camp wird junge Sportbegeisterte anziehen, aber auch für Familien interessant sein. Das ist kein lärmiger Vergnügungspark», sagt Bernet dazu. Der Gemeinderat stützt den Initianten den Rücken. «Der Verkehr dürfte sich über den ganzen Tag verteilen, es wird keine Autokolonnen geben, wie man sie in Skigebieten beobachtet», sagt Gemeindepräsident Peter Obi. Er spricht von einem «einzigartigen Projekt, das der Region einen Mehrwert bieten würde». Den Pioniercharakter betont auch Guido Iten, Präsident des Vereins Pro Region Willisau-Wiggertal: «Aus touristischer Sicht wäre dieses Angebot eine Bereicherung. Den entstehenden Mehrverkehr von rund 30 Fahrzeugen pro Tag muss man in Kauf nehmen.»

Für den Wake-Park samt Betriebsgebäude sind 2,7 Millionen Franken nötig. 3 Millionen bräuchte es für den Campingplatz und die Bungalows. «Der Businessplan steht und ist realistisch», so Bernet. Nun sind Investoren gesucht. Ettiswil prüft derzeit, wie sich bei der Ortsplanungsrevision eine Sonderzone ausscheiden liesse. Parallel soll die kantonale Vorprüfung erfolgen. Bis Ende 2017 dürfte die Genehmigung beim Bund dauern. 2018 könnte die Gemeindeversammlung über die Umzonung befinden. Vor 2019 dürfte der Baustart kaum realistisch sein.

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