ETTISWIL: Neuer Herr fürs Wasserschloss Wyher

Franz Künzli ist neuer Präsident des Stiftungsrates Schloss Wyher in Ettiswil. Er hat schon seine Kindheit neben dem Schloss verbracht.

Susanne Balli
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Franz Künzli vor dem Wasserschloss Wyher in Ettiswil. (Bild Pius Amrein)

Franz Künzli vor dem Wasserschloss Wyher in Ettiswil. (Bild Pius Amrein)

Das Wasserschloss Wyher sieht ein bisschen aus wie ein Schloss aus einem Märchen. Idyllisch zwischen Bäumen und Wiesen, umgeben von einem Teich, liegt es vor dem Dorf Ettiswil. Wer über die kleine Holzbrücke in den Schlossbereich tritt, wird von grossen Karpfen im Teich empfangen, die nach Futter bettelnd ihre grossen Fischmäuler aufsperren und aus dem Wasser strecken. Seit kurzem hat das Schloss quasi einen neuen Schlossherrn. Der 56-jährige Franz Künzli ist neuer Präsident des Stiftungsrates Schloss Wyher. Der Vater von drei erwachsenen Kindern hat das Amt von Pius Meyer übernommen, der es nach 18 Jahren abgegeben hat. Künzli ist Geschäftsleiter und Mitinhaber eines Ingenieurbüros in Sursee und seit 1999 Mitglied des Stiftungsrates Schloss Wyher. In der Gemeinde ist er ein bekanntes Gesicht. Von 1999 bis 2010 amtete er als Gemeindepräsident (CVP).

Schlossbrand miterlebt

Mit dem mittelalterlichen Wasserschloss Wyher ist Franz Künzli seit seiner Kindheit verbunden. «Ich bin auf einem Bauernhof gegenüber dem Schloss aufgewachsen», sagt er. So war er als 6-Jähriger Zeuge eines dramatischen Vorfalls. Ziemlich genau vor 50 Jahren, am 26. Juli 1963, schlug nachts ein Blitz in das Dach des Hauptgebäudes des Schlosses ein (Ausgabe vom 9. März). Das Schloss brannte bis auf die Grundmauern nieder. «Ich kann mich an diese Nacht erinnern, wie ich aus dem Fenster in den durch das Feuer hell erleuchteten Nachthimmel zum brennenden Schloss schaute.»

So kurios es tönt, aber der Blitzeinschlag war für das Schloss ein Erwachen aus dem Dornröschenschlaf. «Zuvor war es in einem äusserst schlechten Zustand und lotterte vor sich hin», sagt Künzli. Das Schloss gehörte einer Bauernfamilie, welche nicht die Mittel und Zeit hatte, das Schloss in Schuss zu halten. Nach dem Brand kaufte der Kanton Luzern die Brandruine und stellte das Schloss unter Denkmalschutz. Die Stiftung Schloss Wyher wurde errichtet. Dank privater Initiative und der Unterstützung durch den Gönnerverein und den Stiftungsrat wurde das Schloss für insgesamt 6,5 Millionen Franken über die letzten 20 Jahre hinweg nach und nach erneuert. «Heute ist es eines der wenigen Schlösser im Kanton, das auf Anfrage der Öffentlichkeit zugänglich ist und für diverse Feierlichkeiten und Veranstaltungen genutzt werden kann», sagt Künzli (siehe Kasten).

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Schloss Wyher 1304. Es diente dem Adel als Jagdschloss und Sommerresidenz. Mehrere niederadelige Geschlechter hatten im Hochmittelalter Anteil an der Herrschaft Wyher. Von 1480 bis 1588 blieb es im Besitz der einflussreichen Luzerner Familien Feer und anschliessend beinahe 250 Jahre in der Hand der Pfyffer. 1837 gingen Schloss und Hof an eine Bauernfamilie über.

Mehrere Bundesräte zu Gast

Die bewegte Geschichte des Schlosses verleiht dem Ort etwas Geheimnisvolles, auch wenn von den alten Gemäuern längstens nichts mehr zu erkennen ist. Mit seinem weissen Anstrich wirkt es auf Gäste sehr einladend. Kein Wunder, dass es sich in jüngster Zeit zu einem beliebten Ort für Hochzeiten und andere Festivitäten gemausert hat. «Es wurden auch schon zahlreiche prominente Gäste hier empfangen, so zum Beispiel mehrere Bundesräte», sagt Künzli. Auch auf den «Schlossherrn» hat das Gut bis heute seine ganz besondere Anziehungskraft behalten. Geheiratet hat Künzli zwar nicht im Schloss Ettiswil, «da war es noch nicht im heutigen Zustand. Aber heute würde ich sicher hier heiraten, also falls meine Frau das auch wollte.»

Künzli wird immer eine besondere Verbindung zum Wasserschloss Wyher haben. Mit seiner Frau wohnt er am Rand von Ettiswil. «Jeden Abend blicke ich vor dem Zu-Bett-Gehen aus dem Fenster zum Schloss», sagt er und schmunzelt.