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EURO 2016: Arbeitgeber pfeifen Fussballfans zurück

Fussballspiele während der Arbeitszeit schauen ist für die meisten Angestellten tabu. In den meisten Büros gilt: «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser».
Guy Studer
So nicht: Die meisten Arbeitgeber schieben dem Konsum von Fussball am Arbeitsplatz den Riegel vor. (Symbolbild Philipp Schmidli)

So nicht: Die meisten Arbeitgeber schieben dem Konsum von Fussball am Arbeitsplatz den Riegel vor. (Symbolbild Philipp Schmidli)

Guy Studer

Heute beginnt die Fussballeuropameisterschaft in Frankreich. Ab sofort ist also wieder mit Hupkonzerten, farbig eingekleideten Fans und Bierstimmung zu rechnen. Für die einen ein grosses Fest, für die anderen schlicht ein Graus. Diese Stimmungslagen übertragen sich erfahrungsgemäss auch auf die Büros – besonders, wenn um 15 Uhr zu den Nachmittagsspielen angepfiffen wird. In vielen Betrieben dürfte in dieser Zeit die Produktivität stark sinken, während die Klickzahlen der Streaming-Portale in die Höhe schnellen.

Kein Streaming bei Grossanlässen

Es sei denn, die Arbeitgeber haben vorgesorgt und unterbinden das private Vergnügen am Geschäfts-PC. Wie eine Umfrage zeigt, wird der Umgang mit dem Internet am Arbeitsplatz bei öffentlichen Verwaltungen und Firmen unterschiedlich strikt gehandhabt.

Der Kanton Luzern bestreitet mit seinen Angestellten einen Mittelweg. Die entsprechende Verordnung schreibt fest, dass Informatikmittel, also etwa das Internet, «grundsätzlich nur zur Erfüllung dienstlicher Aufgaben benutzt werden» dürfen. «Die Benutzung zu privaten Zwecken ist ausnahmsweise, etwa ausserhalb der Arbeitszeiten, gestattet und darf den Dienstbetrieb nicht erschweren oder einschränken», ergänzt Philipp Berger, Mediensprecher der Staatskanzlei auf Anfrage. «Bei medialen Grossereignissen wie zum Beispiel einer Fussball-WM oder -EM sowie auch bei Olympischen Spielen oder Bundesratswahlen wird das Live-Streaming jeweils unterbunden.» Ausserdem werden laut der Verordnung «sämtliche Internetzugriffe und der gesamte E-Mail-Verkehr der Anwender protokolliert». Die «personenbezogenen» Daten werden nach sechs Monaten vernichtet.

«Ohne Wenn und Aber»

Ganz ähnlich sieht es im Kanton Zug aus: Auch dort regelt eine Verordnung die private Nutzung von elektronischen Mitteln am Arbeitsplatz. Demnach dürfen etwa nur Webseiten abgerufen oder Dateien heruntergeladen werden, die geschäfts- oder auftragsrelevant sind. «Die Verordnung ist anzuwenden ohne Wenn und Aber», sagt Landammann Heinz Tännler. Allerdings sei man auch «nicht päpstlicher als der Papst». Eine zeitlich geringfügige private Nutzung des Internets wird gemäss Verordnung toleriert, wobei die Arbeit in keinster Weise tangiert werden dürfe. «Wenn ein Angestellter zum Beispiel ein privates Mail in zwei Sätzen beantwortet oder mit einem kurzen Anruf, dann ist das natürlich in Ordnung.» Aber eine halbe Stunde Fernsehen oder Internetsurfen oder das Erledigen grösserer privater Korrespondenz sei nicht gestattet.

Stadt Luzern erlaubt, aber sperrt

Angestellte der Stadt Luzern«können selbstverständlich im Rahmen ihrer deklarierten Freizeit die Fernsehübertragungen ausserhalb des Stadthauses verfolgen», erklärt Niklaus Zeier, Chef Kommunikation. Ohnehin dürften die Möglichkeiten dazu am Arbeitsplatz limitiert sein. Denn «aufgrund von Erfahrungen aus anderen Sportereignissen sind im städtischen Internetservice Live-Streaming-Quellen seit längerem blockiert». Nur wenige Abteilungen und Bereiche, die eine umfassende Media-Nutzung zur Erfüllung ihrer Aufgabe benötigen, hätten das Recht auf die Nutzung von Live-Streaming-Quellen. Zudem hat auch die Stadt Luzern Vorgaben zur PC- und Internetnutzung, die für alle Mitarbeiter verbindlich sind. Demnach ist etwa die private Nutzung der Infrastruktur auf ein Minimum (ausserhalb der Arbeitszeiten) zu beschränken.

Auch in der Stadt Zug sind Streaming-Portale auf den PCs der Verwaltungsangestellten gesperrt, wie Stadtpräsident Dolfi Müller auf Anfrage sagt. Aber auch abgesehen davon sei die Fussball-EM in dieser Hinsicht kein grosses Thema, «denn wir gehen nicht davon aus, dass es zu Problemen kommt». Schliesslich würden die meisten Spiele ohnehin am Abend ausgetragen.

Strenges Regime

Gar nicht erst auf abwegige Gedanken kommen die Mitarbeiter der Kantone Nid- und Obwalden: Zugriffe auf fragliche Seiten wie etwa Facebook oder Streamingseiten von Sportanlässen sind gemäss den geltenden Informatikweisungen gesperrt. «Dazu werden monatlich anonyme Auswertungen gemacht, die aufzeigen, welche Seiten benutzt werden», erklärt Oskar Zumstein, Leiter des Informatikleistungszentrums der beiden Kantone. «Treten neue unerwünschte Seiten auf, die das System nicht schon selber erkannt hat, werden diese zusätzlich gesperrt.» So nehme die Anzahl der gesperrten Seiten laufend zu. Hinzu kommt, dass der gesamte Zugriff auf das Internet auch in Nid- und Obwalden protokolliert wird. «Es ist also jederzeit möglich nachzuweisen, wer auf welchen Seiten gesurft hat», so Zumstein. Solche Auswertungen dürfen aber nur auf Antrag eines Regierungsrats gemacht werden. Damit könne die «nicht geschäftsrelevante» Nutzung des Internets von vornherein auf ein Minimum reduziert werden.

CKW vertraut, Kantonalbank sperrt

Auf Vertrauen setzen oder doch lieber gleich sperren? In der Privatwirtschaft sind in dieser Hinsicht die Unterschiede noch grösser als bei den öffentlichen Verwaltungen. Bei den Centralschweizerischen Kraftwerken (CKW) etwa ist das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer in dieser Hinsicht entspannt: «Wir planen auf die EM hin keine Massnahmen oder Aktionen, schränken aber auch nicht ein», sagt Mediensprecher Marcel Schmid. «Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand, das hat sich auch in den letzten Jahren bewährt.» So hätten etwa während der Fussball-WM 2014 Mitarbeiter selber die Initiative ergriffen und eine Spielübertragung in einer Aula organisiert, «da bieten wir auch Hand». Allerdings zählten die so verbrachten Stunden nicht zur Arbeitszeit.

Bei der Luzerner Kantonalbank wiederum sind die üblichen Streamingdienste am Arbeitsplatz gesperrt, sagt Mediensprecher Daniel von Arx. Er relativiert gleichzeitig: «Es sind ja nicht viele Spiele, die während der Arbeitszeit stattfinden.» Falls ein Mitarbeiter trotzdem ein Spiel schaue, auf welche Art auch immer, «ist es Aufgabe des jeweiligen Vorgesetzten sicherzustellen, dass dieser seine Arbeitszeit richtig einsetzt».

Suva setzt auf gesundes Mass

Bei der Versicherung Suva ist die gelegentliche private Nutzung von Informatikdiensten (etwa E-Mail, Internet, Telefonie) den Mitarbeitern erlaubt, wenn ihre Arbeit dadurch nicht beeinträchtigt wird. «Wer sich also ab und an über den Spielstand informieren will, darf dies tun», sagt Mediensprecherin Barbara Senn. «Nicht erlaubt ist es jedoch, sich den ganzen Fussballmatch online anzuschauen.»

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