EUROPAPLATZ: «Friedensburg» prägte das Luzerner Stadtbild

Wo heute das KKL steht, war vor 100 Jahren eine Burg zu sehen. Sie stand symbolisch für die Friedensbewegung nach der Jahrhundertwende.

Beatrice Vogel
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An der Stelle des KKL stand vor 100 Jahren das Kriegs- und Friedensmuseum am Europaplatz. Die «Burg» war allerdings nur Kulissenarchitektur aus Holz und Eisen. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

An der Stelle des KKL stand vor 100 Jahren das Kriegs- und Friedensmuseum am Europaplatz. Die «Burg» war allerdings nur Kulissenarchitektur aus Holz und Eisen. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Eine mittelalterliche Burg am See mitten in der Stadt Luzern. Davor der leere Bahnhofplatz, ohne Busperrons und Verkehr, sowie die eher unspektakuläre Schifflände. Wären da nicht Dampfschiffe, die noch heute das Bild des Luzerner Seebeckens prägen, und in der Ferne die Rigi – man würde den Ort nicht wiedererkennen. Die Kleidung der Menschen auf dem Foto lässt er­ahnen: Wir blicken in die Zeit nach der Jahrhundertwende, zwischen 1902 und 1910. Damals beherbergte ein mehrtürmiges Gebäude auf dem heutigen Europaplatz das Internationale Kriegs- und Friedensmuseum, wie über dem Eingang zu lesen war.

Die «Burganlage» stammte aber keineswegs aus dem Mittelalter. Sie wurde 1901 als Festhütte für das Eidgenössische Schützenfest in Luzern erbaut, bevor sie zum Friedensmuseum wurde. Die Stabilität täuscht: Das Gebäude ist eine Holz-Eisen-Konstruktion, kurzlebige Kulissenarchitektur. Dennoch stand die Burg 30 Jahre am Ort, wo heute das KKL thront. 1931 wurde die Burg abgerissen und durch den Meili-Bau, das frühere Kunst- und Kongresshaus, ersetzt.

Museum und Rollschuhpalast

In den 30 Jahren seines Bestehens diente die ehemalige Festhütte verschiedenen Zwecken. Nach der Nutzung als Museum wurde das Gebäude als Rollschuhpalast und als Lebensmittellager während der Kriegszeit gebraucht. Als Kriegs- und Friedensmuseum erlebte das Gebäude seinen Höhepunkt. Die Idee des Museums geht auf den polnischen Industriellen und Pazifisten Jan Bloch zurück. Er hatte erkannt, dass künftige Kriege zwischen Grossmächten bisher unbekannte wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben würden. So war Bloch eine der treibendsten Figuren einer internationalen Pazifismusbewegung nach der Jahrhundertwende.

Vor deren Hintergrund erhoffte man sich vom Kriegs- und Friedensmuseum, das unter anderem die rasante waffentechnologische Entwicklung und das Wettrüsten zeigen sollte, einen Attraktivitätsgewinn für den Tourismusstandort Luzern. Deshalb trieb die Stadt das Projekt voran – innert Kürze war das Museum im Provisorium, der ehemaligen Festhalle, eingerichtet. Der erhoffte Erfolg stellte sich ein: Bis zu 65 000 Besucher zählte das Museum jährlich. Luzern hatte damals 30 000 Einwohner. 1905 beherbergte Luzern – auch dank des Museums – den 14. Weltfriedenskongress, welcher der Stadt weltweite Aufmerksamkeit bescherte.

Allerdings gab es auch Kritik: Das Museum unterscheide sich durch seine Kriegslastigkeit kaum von einem gewöhnlichen Militärmuseum, so der Vorwurf. Da der Frieden ungleich schwieriger darzustellen ist als der Krieg, wurde das Ausstellungskonzept nur leicht erweitert mit Darstellungen von Schiedsgerichtsfällen, Porträts von Friedensaktivisten und Friedensliteratur.

Krieg: Niedergang des Museums

Schon bald wurde der Wunsch nach einem neuen Gebäude für das Kriegs- und Friedensmuseum laut. Das Provisorium in der Schützenfesthütte ge­staltete sich im Unterhalt aufwendig. Zudem hatte man die Konzession für den Standort am Bahnhofplatz von der Stadt nur für sechs Jahre erhalten. 1910 erhielt das Museum ein eigenes Gebäude an der Museggstrasse. Heute sind hier die Kantonsschule Musegg und die PH Luzern untergebracht. An das Museum erinnert noch das Fresko «Friede schlägt den Krieger» von Hans Zürcher an der Nordfassade des Fluhmattschulhauses.

Doch die Freude am neuen Museum währte nicht lange. Mit dem Ersten Weltkrieg brach der Tourismus ein. Keiner wollte mehr den Krieg, den man am eigenen Leib miterlebte, im Museum anschauen. Die prekäre wirtschaftliche Lage endete in der Liquidation des Museums 1919.

Quellen: Flyer «Ein Museum gegen das Wettrüsten»; Broschüre «Krieg und Frieden im Museum» (2002).

Das KKL am Luzerner Europaplatz heute. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Das KKL am Luzerner Europaplatz heute. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)