Lohnungleichheit: Ex-Angestellte klagt gegen den Kanton Zug

Eine ehemalige kantonale Angestellte zieht ihren früheren Arbeitgeber vor Gericht. Der Grund: Die Frau soll im Vergleich zu ihrem männlichen Kollegen pro Monat für die gleiche Arbeit rund 1000 Franken weniger verdient haben.

Thomas Heer
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Buttons der Gewerkschaft Unia betreffend Lohngleichheit. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

Buttons der Gewerkschaft Unia betreffend Lohngleichheit. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

Gerüchteweise wabert die Geschichte bereits seit Wochen herum. Geht es hingegen darum, Konkretes auf den Tisch zu legen, zeigen sich die Meisten, in den Fall Involvierten, sehr zurückhaltend. Namentlich genannt werden, will sowieso niemand. Zu brisant scheint die Angelegenheit zu sein.

«Wir sind die Beklagten». Zumindest soweit lässt sich eine leitende Angestellte des Kantons Zug vernehmen. Die Frau sagt aber auch, sie könne zu diesem laufenden Verfahren nichts sagen. Sie verweist an die Zuger Finanzdirektion. Dort, so teilt die Frau mit, werde der Fall administrativ behandelt. Aber auch bei der Finanzdirektion nimmt niemand zur laufenden, vom Kantonsgericht zu beurteilenden Angelegenheit Stellung.

Konkret geht es in diesem Fall darum, dass eine Ex-Angestellte ihren einstigen Arbeitgeber, den Kanton, verklagt. Laut gut informierter Kreise handelt es sich um insgesamt zirka 100 000 Franken. Das ist die Summe, welche die Frau während ihrer Zeit als kantonale Mitarbeiterin über all die Jahre insgesamt zu wenig verdient haben soll. Das heisst, weniger als ihr Kollege, der im gleichen Team dieselbe Arbeit verrichtete, jedoch pro Monat rund 1000 Franken mehr verdiente als die Klägerin. Gemäss Insidern sei die Frau, was die Qualifikation anbelangt, sogar besser ausgebildet, als der erwähnte Mann.

Beim soeben Geschilderten handelt es sich offenbar nicht um eine singuläre Konstellation. Denn mit einer anderen Ex-Angestellten hat der Kanton sich offenbar auf einen Vergleich geeinigt. Bei diesem Deal ging es dem Vernehmen nach um mehrere zehntausend Franken.

Beim 100 000-Franken-Fall wird es interessant sein zu erfahren, wie das finale rechtskräftige Urteil – von welchem Gericht dann auch immer gefällt – dereinst lauten wird. Als Aussenstehender ist es derzeit nur schemenhaft nachvollziehbar, wie die eingangs beschriebene Situation überhaupt entstehen konnte. Es ist nämlich kaum vorstellbar und wird auch nicht der Realität entsprechen, dass im Kanton Zug Frauen bei gleicher Qualifikation und für dieselbe Arbeit im Vergleich zu den Männern systematisch weniger verdienen und damit methodisch diskriminiert werden sollen.

Was hingegen möglich scheint, dass im erwähnten Beispiel der Mann wesentlich länger beim Kanton angestellt ist oder war und somit von einer gewissen automatischen Lohnentwicklung profitieren konnte. Aus Sicht der weniger gut bezahlten Frau macht das die Sache aber nicht viel besser. Lohnungleichheit bleibt, was sie ist: ein Unding.

Acht Prozent Lohnunterschied sind nicht erklärbar

Die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen ist hierzulande längst zu einem hochpolitischen Sache geworden und wird auch am Frauenstreiktag vom kommenden 14. Juni Thema sein. Allein schon das zähe Ringen ums AHV-Alter 65 für beide Geschlechter wird von vielen Frauen immer wieder mit folgender Argumentation bekämpft: Zuerst müsse die Lohnungleichheit endlich vom Tisch.

Je nach Erhebungsmethode verdienen die Frauen in der Schweiz zwischen 12 und 20 Prozent weniger als Männer. Wie die Luzerner Zeitung am 22. Februar schrieb, liegt der Brutto-Medianlohn in der Privatwirtschaft im Kanton Luzern für Männer bei 6400 Franken pro Monat. Dieser Wert beträgt bei den Frauen hingegen nur 5300 Franken.

Der eklatante Lohnunterschied lässt sich nur teilweise erklären. Beispielsweise dadurch, dass Männer mehr Kaderpositionen besetzen und weniger in Tieflohnbranchen tätig sind. Gemäss Lustat Statistik komme zu den erklärbaren Faktoren aber ein unerklärbarer und damit potenziell diskriminierender Faktor hinzu. Die Statistiker beziffern diesen Anteil auf acht Prozent.