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Ex-Frau zeigt Luzerner an – und wird auch selber verurteilt

Ein Luzerner soll wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und Brandstiftung ins Gefängnis. Angezeigt hatte ihn seine Frau – die wegen ihm ebenfalls zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde.
Kilian Küttel
Das Luzerner Kriminalgericht hat einen Luzerner und seine Ex-Frau verurteilt. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern 12. Juli 2016)

Das Luzerner Kriminalgericht hat einen Luzerner und seine Ex-Frau verurteilt. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern 12. Juli 2016)

Es hätte so schön sein können: Mitte der 90er-Jahre heiraten sie, beide sind Ende 20, er ist Metzger, sie serviert. Wenig später kommt die erste Tochter zur Welt. Zwei weitere werden folgen. 2001 eröffnet der Ehemann die eigene Metzgerei, sie arbeitet im gemeinsamen Unternehmen mit, kümmert sich um die Buchhaltung, die Lohnzahlungen und die Rechnungen.

Die Geschäfte scheinen zu laufen: die Schützengesellschaft, Fussballvereine, der Jodelklub, Restaurants und das Chilbi-OK – sie alle beziehen das Fleisch von der Metzgerei aus der Luzerner Landgemeinde. Bilderbuchkarriere, Postkartenfamilie. Doch dann der Bruch: 2011 trennt sich das Paar. Sie zieht aus. Scheidung. Im August 2012 brennt plötzlich das Büro der Metzgerei. Die Gründe sind unklar. Wurde das Feuer absichtlich gelegt?

Ja. Zu diesem Schluss kommt das Luzerner Kriminalgericht in seinem Urteil, das es im März 2018 gefällt hat und seit Sonntag öffentlich, jedoch nicht rechtskräftig ist. Darin verurteilt es den heute 48-jährigen Metzger zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 4 Monaten – unbedingt. Gleichzeitig muss er die Verfahrenskosten von über 10 000 Franken tragen. Verurteilt wird er aber nicht nur des gelegten Brandes wegen, sondern auch wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung, Veruntreuung und Steuerbetrug.

Erträge flossen auf das private Konto

Den Fall ins Rollen bringt seine Ex-Frau, die ihn im Juli 2013 wegen des letztgenannten Delikts anzeigt. Die Staatsanwaltschaft nimmt sich dem Dossier an, erhebt 2016 Anklage. Was war geschehen? Das Ehepaar hatte Erträge der Metzgerei auf ihr Privat- statt auf das Geschäftskonto fliessen lassen. Laut der Anklage hatte der Metzger seine Frau angewiesen, den Rechnungen private Einzahlungsscheine beizulegen. Die Masche ist zwar so elegant wie ein ausgelatschter Turnschuh, dafür umso effektiver: Von 2007 bis 2011 landen über 300 000 Franken auf dem Bankkonto der Eheleute. Das geht so lange gut, weil der heute 48-Jährige die notwendigen Gegenbuchungen entweder selber löscht oder seiner Frau sagt, sie soll das tun.

Und nicht nur das: Bis 2011 sind auch gut 30 000 Franken vom Geschäfts- auf das Privatkonto der Eheleute überwiesen worden, ohne dass dies jemand verbucht hatte.

«Er hat mit seinem gefüllten Portemonnaie geprahlt»

Gemäss dem Urteil sind den Steuerbehörden fast 205 000 Franken entgangen: Verrechnungs-, Staats-, Gemeinde- und Bundessteuern – sowohl geschäftlicher, als auch privater Natur. Denn, so der Vorwurf der Anklage, der Metzger habe gemäss den Lohnausweisen sich selber 4500 und seiner Frau 700 Franken Lohn pro Monat ausbezahlt. In Wahrheit sei das Einkommen aber um einiges höher gewesen. Dass die Familie einen hohen Lebensstandard pflegte, sagte vor Gericht die Schwägerin des Unternehmers, die auch für die Metzgerei gearbeitet hatte: «Jeden Samstag habe er mit seinem gefüllten Portemonnaie geprahlt. Darin seien jeweils sicher 1500 Franken gewesen», heisst es im über 100-seitigen Urteil des Kriminalgerichts. Den Kindern habe es an nichts gefehlt. Zudem sei die Familie einmal pro Woche auswärts essen gegangen.

Der Metzger wollte von den Anschuldigungen nichts wissen und schob den Schwarzen Peter seiner Ex-Frau zu. Die Administration sei ihre Aufgabe gewesen, er habe genug zu tun gehabt mit dem Tagesgeschäft in der Metzgerei. Von Buchhaltung und Online-Banking habe er sowieso keine Ahnung. Dem widersprach die Ex-Frau. Ihr Mann sei der Chef im Haus gewesen, habe ihr die Anweisungen gegeben und bei der Arbeit häufig über die Schulter geschaut. Aus Angst habe sie sich nicht gewehrt – nicht zuletzt deshalb, weil er mindestens zwei Mal handgreiflich geworden sei.

Zumindest die Schwägerin, die Schwester der Ex-Frau also, habe den Metzger darauf angesprochen, dass nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Die frisierten Bücher müssten doch bei einer externen Kontrolle auffliegen. Zwangsläufig blühe ihm Ärger. Dem Metzger war das offenbar egal: «Er habe gemeint, das sei für ihn kein Problem und ‹sonst brenne dann mal das Büro›», wie es im Urteil heisst.

Freiheitsstrafe auch für die Frau

Dies passiert am frühen Abend des 16. August 2012. Im dritten Stock der Liegenschaft, in der sich die Metzgerei befindet und in welcher der Metzger lebt, bricht Feuer aus. Der Polizei sagt der Luzerner, er sei im Garten gewesen und habe Würste geräuchert, als er den Brand bemerkte. Zuerst glaubt die Polizei, ein technischer Defekt an einem Computer sei für das Feuer verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft geht nicht auf den Fall ein, erlässt eine Nichtanhandnahmeverfügung.

Im Zuge der Ermittlungen wird jedoch klar, dass der Computer innen gar nicht beschädigt ist, die Flammen nur äusserlichen Schaden angerichtet haben. Für das Gericht ist demnach klar, dass es sich um Brandstiftung handelt. Dieses Vergehen ist das schwerwiegendste sämtlicher Anklagepunkte. Mit ihrem Urteil von 3 Jahren und 4 Monaten gehen die Richter über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, welche eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten beantragte, davon 18 Monate bedingt. Zusätzlich forderte sie eine Busse von 1000 Franken. Die Verteidigung wollte das Strafverfahren wegen Steuerbetrugs und ungetreuer Geschäftsbesorgung wegen Verjährung einstellen lassen, zudem beantragte sie einen Freispruch in den anderen Anklagepunkten und eine Genugtuung sowie Schadensersatz in Höhe von 10 000 respektive 243 500 Franken.

Das Urteil erging wie gesagt am 7. März 2018. Gleichentags wurde auch die Frau wegen Urkundenfälschung, Veruntreuung und Steuerbetrug verurteilt. Anzeige erstattet hatte ihr Ex-Mann. Auch für sie verhängte das Kriminalgericht eine Freiheitsstrafe. Diese wurde aber bedingt ausgestellt und fällt mit 9 Monaten um einiges tiefer aus als jene des Metzgers. Erheblich strafmindernd haben sich die vollumfängliche Kooperationsbereitschaft, das rasch abgelegte Geständnis und die glaubhaft dargestellte Reue ausgewirkt, so das Gericht. Das Ende der Geschichte ist damit aber noch nicht geschrieben. Denn beide Parteien haben Berufung beim Kantonsgericht eingelegt.

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