Kolumne
Exklusiv: Ein Russe könnte die Zügel beim FCL übernehmen #fasnacht

Die sportlichen Erfolge der letzten Wochen machen den Luzerner Fussballclub plötzlich zur attraktiven Braut.

Renée van Eyck
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Kamerascheu: Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch in einer der raren Aufnahmen aus den Neunzigerjahren.

Kamerascheu: Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch in einer der raren Aufnahmen aus den Neunzigerjahren.

Bild: Crypto-Leaks

Fünf Spiele – fünf Siege. Der FC Luzern surft auf der Erfolgswelle. Und nun könnte der Allmend-Klub die Tür zu ganz anderen Sphären aufstossen. Wie unsere Zeitung rüüdig exklusiv weiss, hat Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg mit dem russischen Milliardär Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch einen Letter of Intent unterschrieben. Zentraler Punkt dieser Absichtserklärung: Der Oligarch aus Magnitogorsk ist offenbar äusserst interessiert daran, Alpstaeg sämtliche FCL- und Stadion-Aktien abzukaufen.

Zwar dementierte Alpstaeg bei einer ersten Anfrage die Verkaufsabsichten («Der FCL ist eine Herzensangelegenheit. Meine Aktien sind nicht zu verkaufen – Stand jetzt.»). Bei einer zweiten Kontaktaufnahme 47 Minuten später liess er jedoch verlauten: «Der ‹Stand jetzt› ist nicht mehr derjenige von vorhin.» Diese leicht kryptische Aussage wollte weder Alpstaeg noch sein Sprecher weiter ausführen. Doch unsere Zeitung weiss: Der definitive Kaufvertrag soll bis spätestens Ende Februar unterzeichnet werden.

Sponsor der russischen Biathleten

Raschnikowitsch (70) hat gemäss russischen Medienberichten sein Vermögen in der Eisen- und Stahlproduktion sowie im Devisengeschäft gemacht. Heute zählt er zu den reichsten Oligarchen Russlands. Sein Motto: «Vertraue nur der Arbeit deiner eigenen Hände.» Der Besitzer der 140 Meter langen Luxusjacht «Steel Rose» hat im russischen Sport mit seinem Engagement beim KHL-Klub Metallurg Magnitogorsk Spuren hinterlassen. Zudem sponsert er schon seit Jahrzehnten die Munition der russischen Biathleten. Nettes Detail: Seit dem Beginn des Sponsorings ziert die Gravur «zakonchit’ vmeste» die Projektile, was ungefähr mit «gemeinsam ins Ziel» übersetzt werden kann.

Die Stadt Magnitogorsk: Unter anderem hier hat der russische Milliardär Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch sein Geld gemacht.

Die Stadt Magnitogorsk: Unter anderem hier hat der russische Milliardär Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch sein Geld gemacht.

Bild: Getty (30. Dezember 2019)

Beim FCL will sich Raschnikowitsch künftig im Hintergrund halten. Einige Auskünfte hat er uns via seine Entourage trotzdem gegeben. Zu seiner Motivation lässt er verlauten:

«Transparenz ist wichtig – wenn sie mir dient.»

Im Verwaltungsrat sollen seine Interessen von einer «in Luzern gut verankerten Persönlichkeit mit langjährigem FCL-Bezug» vertreten werden.

Gut möglich auch, dass der neue FCL-Geldgeber für seine Tochter Tatjana (26) eine Aufgabe im Verein vorsehen wird. Darauf lässt ein unserer Zeitung zugespielter Mailverkehr – möglicherweise gehackt – deuten, den der Russe mit seiner Entourage aus dem Umfeld des Luzerner Super-League-Vereins geführt hat. Tatjana gilt als sportverrückt und ist derzeit nebenbei als Influencerin auf dem russischen Facebook-Pendant VK aktiv, unter anderem mit Themen wie «Welcher Pelz übersteht die Bierdusche im Stadion am besten?», «Robbe und Browning – verträgt sich das?» oder «Eisho­ckeyaner, Männer aus Stahl». Offenbar finden diese Themen ihr Publikum. Tatjanas Seite hat derzeit über 750'000 Follower.

500 Millionen Franken sollen investiert werden

Raschnikowitsch, der Luzern von zahlreichen Aufenthalten im Hotel Gütsch kennen und schätzen gelernt hat, will beim FCL mit der grossen Kelle anrichten und den Klub für den internationalen Fussball fit machen. Spätestens in drei Jahren soll Luzern bis in den Halbfinal der Champions League vorstossen. Der Russe hält nüchtern fest:

«Ich bin kein Träumer. Ein Finaleinzug ist nur mit ein wenig Glück, Raffinesse und ‹Unterstützung› möglich.»

Mindestens 500 Millionen Franken will er in die Mannschaft, Trainer und Staff investieren. Apropos Trainer: Fabio Celestini kennt Raschnikowitsch aus seiner Zeit als Spieler bei Troyes – dessen Clubfarben übrigens ebenfalls blau/weiss sind. In der historischen Hauptstadt der Champagne ist der Russe nämlich ein häufiger und gern gesehener Gast. Er gilt als Hauptabnehmer des lokalen Champagners Rémy Massin. Deshalb und auch angesichts seiner Erfolgsbilanz dürfte sich Fabio Celestini keine Sorgen um seine Zukunft machen müssen: «Fabio wird immer einen Platz in meiner Champagnerrunde haben», lässt Raschnikowitsch mit jovialem Unterton versichern.

Freude herrscht bei der Stadt Luzern

Die Minderheitsaktionäre schweigen bislang zu den neusten Entwicklungen. Dem Vernehmen nach hat sich die ­Triple-S-Gruppe im «Chedi» in Andermatt zu einer Retraite getroffen, um das weitere Vorgehen zu diskutieren. Wodka soll aus dem Sitzungsraum verbannt worden sein.

Die Stadt Luzern begrüsst die Handänderung. Stapi Beat Züsli lässt sich folgendermassen zitieren:

«Der Stadtrat ist froh, den Club und das Stadion weiterhin in seriösen Händen zu wissen.»

Mit dem Luzerner Klubfussball Weltniveau zu erreichen sei im Übrigen realistisch: «Warum soll im Sport nicht möglich sein, was wir im Bereich der klassischen Musik mit dem Lucerne Festival bereits erreicht haben?»

Auch Bernhard Alpstaeg, der sich kurz vor Redaktionsschluss nochmals bei unserer Zeitung gemeldet hat, ist dem Vernehmen nach überzeugt von der Seriosität Raschnikowitschs:

«Er ist zu 100 Prozent sauber – sagt mein Privatdetektiv.»

Hinweis: Dieser Bericht ist ein satirischer Beitrag im Rahmen unserer Fasnachtsberichterstattung.