FACEBOOK-AUFRUF: Retter vom Pizol durch Online-Aufruf gefunden

Am Pizol ist am Wochenende ein 62-jähriger Wanderer zusammengebrochen. Unbekannte haben Erste Hilfe geleistet. Dank eines Facebook-Aufrufs wurden die Retter nun ausfindig gemacht.

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Mit diesem Aufruf sucht Erna Peter nach den Lebensrettern ihres Partners. (Bild: Screenshot Facebook)

Mit diesem Aufruf sucht Erna Peter nach den Lebensrettern ihres Partners. (Bild: Screenshot Facebook)

Statt einer schönen Wanderung erlebte ein Ehepaar aus Emmenbrücke am Wochenende den wohl grössten Schrecken seines Lebens: Wie «20 Minuten» berichtete, waren Erna Peter und ihr Mann Rolf Bachmann am Sonntag auf der Fünf-Seen-Wanderung am Pizol, einem 2844 Meter hohen Bergmassiv im Sarganserland. Beim vierten See, dem Schwarzsee, brach Rolf Bachmann plötzlich zusammen. «Er blieb reglos auf dem Boden liegen», sagte Lebensgefährtin Erna Peter danach gegenüber «20 Minuten». «Ich befürchtete schon, er würde nie wieder aufstehen.» Ohne Erfolg habe sie versucht, zu ihrem Partner durchzudringen.

Doch auf einmal seien ihr unbekannte Retter zu Hilfe gekommen: Die zwei Paare seien auf den Vorfall aufmerksam geworden und sofort herbeigeeilt. «Ein Mann hat ununterbrochen auf Rolfs Brust gehämmert», so Erna Peter. Er habe nichts unversucht gelassen. Währenddessen habe der andere Mann den Puls überwacht. Plötzlich gab Rolf unverhofft ein Stöhnen von sich, und Erna Peter fiel ein Stein vom Herzen. Klar ist: Dank dieser Massnahmen wurde Rolf Bachmanns Gehirn mit genügend Sauerstoff versorgt. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte es schwerwiegende Folgen haben können.

Unterdessen hätten die beiden Frauen Schaulustige ferngehalten und versucht, Handyempfang zu bekommen, um die Rega zu alarmieren. Schliesslich verständigte Erna Peter die Luftretter über die Rega-App. Diese trafen kurze Zeit später ein und brachten Bachmann ins nahe Kantonsspital St. Gallen. «Die Rega-App hat den Vorteil, dass sie die Koordinaten direkt über das Mobilfunknetz an die Rega weiterleitet», sagt Philipp Keller vom Rega-Mediendienst auf Anfrage. Die Koordinaten würden die Rettungszeit verkürzen – insbesondere wenn Verunfallte ihren genauen Standort nicht kennen.

Bachmann bereits aus dem Spital entlassen

In der Hitze des Gefechts konnten sich Erna Peter und Rolf Bachmann jedoch nicht bei ihren Helfern bedanken. Auch Kontaktdaten wurden in dem Moment keine ausgetauscht. Um die unbekannten Lebensretter zu finden, startete Peter am Montag deshalb einen Aufruf auf Facebook. «Am Mittwochmorgen haben wir das zweite Helferpaar gefunden», sagte Peter auf Anfrage. Das erste Paar wurde bereits am Dienstag ausfindig gemacht. «Die Retter haben den Online-Aufruf gesehen und sich bei uns gemeldet.» Sie seien den beiden Paaren unendlich dankbar und wollten diesen Dank gerne persönlich aussprechen. In solchen Fällen kann laut Philipp Keller auch die Rega selten weiterhelfen. Denn Personalien würden nur falls nötig aufgenommen. Seien die Personen aber bekannt, könne die Rega auf Wunsch ein Dankesschreiben an Helfer weiterleiten.

Insgesamt wurde der Aufruf des Ehepaars fast 2900-mal geteilt und um die 130-mal kommentiert. Der ganze Rummel sei dem Ehepaar nun auch ein wenig zu viel geworden: «Wir müssen die ganze Sache erst einmal selbst verarbeiten», sagt Peter. Ihrem Mann geht es jetzt glücklicherweise wieder besser: Er sei schon wieder in einem relativ guten Zustand und konnte gestern aus dem Kantonsspital St. Gallen entlassen werden.

 

Oliver Schneider

region@luzernerzeitung.ch