Facebook-Beitrag fliegt Luzerner Regierungsberater um die Ohren

Weil die Swiss Music Awards trotz Corona-Virus stattfanden, griff Peter Soland auf Facebook zum verbalen Zweihänder.

Evelyne Fischer
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Luca Hänni gewann an den Swiss Music Awards die Auszeichnung für den «Best Male Act».

Luca Hänni gewann an den Swiss Music Awards die Auszeichnung für den «Best Male Act».

Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 28. Februar 2020)

Da musste einer gehörig Dampf ablassen: Peter Soland, persönlicher Mitarbeiter von SVP-Regierungsrat Paul Winiker, feuerte am letzten Freitag einen gepfefferten Facebook-Beitrag ab. Im Visier: die Swiss Music Awards, die in redimensionierter Form trotz Corona-Alarm stattfinden konnten. Es sei ein Skandal, dass der «millionenschwere Musik-Chaschperli-Anlass» trotz bundesrätlichem Verbot durchgeführt werde.

Obwohl für die Swiss Music Awards ein privater Veranstalter verantwortlich zeichnet, behauptete Soland, es handle sich dabei um einen Anlass der eidgenössischen «Farbfernseh-Anstalt», bei dem «Landjäger-Promis und sogenannte VIP-Politfunktionäre ihre Rüben in die Staatskamera-Linsen strecken dürfen». Der «Zwangsgebührenladen» sei «mit linken SP- und CVP-Leuten kontaminiert», liess er seine 1033 Freunde wissen. Dazu kamen weitere Interessierte – denn Solands Profil ist öffentlich einsehbar. Ähnlich hat sich Soland auch in einem Beitrag auf der Facebook-Seite unserer Zeitung geäussert.

Soland hat Solidarität und Vorbildfunktion vermisst

Als unsere Zeitung Peter Soland auf seine pikanten Äusserungen anspricht, will dieser die Aussagen relativieren. Die grosse Ungerechtigkeit habe ihn verärgert, sagt Soland. «Solidarisch mit allen anderen Veranstaltern, die ihre Anlässe abblasen mussten, hätten auch die Swiss Music Awards abgesagt werden müssen.» Das Schweizer Radio und Fernsehen – das zwar nicht wie behauptet als Organisatorin auftrat, aber immerhin als Produzentin – habe seinen «Vorbildcharakter» vermissen lassen. Von einer verbalen Entgleisung will Peter Soland allerdings nichts wissen.

«Ich kann mich nicht mehr an die genaue Wortwahl erinnern, vielleicht war ich etwas heftig.»

Geziemt sich denn ein solcher Ausbruch als Regierungsberater? Soland sieht hier kein Problem. Er sei sich seiner Funktion sehr wohl bewusst. Aber: «Ich bin auch nur ein Mensch mit Herz und Seele.» Er sehe sich nicht als Person der Öffentlichkeit, sagt der Inhaber eines KMU für Medientechnik. Soland hatte einst den Grundstein für Radio Pilatus gelegt. «In der Öffentlichkeit zu stehen, war mir immer unangenehm.»

Winikers Departement hat interveniert

Mittlerweile liess Soland den besagten Facebook-Beitrag verschwinden. Jedoch nicht etwa auf äusseren Druck, wie er sagt. «Ich lösche regelmässig Beiträge.» Wie wahr. Nach dem Telefongespräch vom Mittwoch waren auf einmal auch Posts zu Winikers Fasnachtsvideo, dessen Schiessversuche an einem Sportanlass in Reiden oder der Besuch beim Infanteriebataillon nicht mehr auffindbar.

Dass der Facebook-Beitrag tatsächlich ganz unfreiwillig gelöscht wurde, scheint jedoch unwahrscheinlich: Beim kantonalen Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) hat man Kenntnis vom Fall. Konkrete Fragen liess man unbeantwortet. JSD-Sprecher Erwin Rast verweist stattdessen auf interne Richtlinien für Kantonsangestellte bezüglich der sozialen Medien. Er sagt:

«Die Mitarbeitenden sind sich bewusst, dass sie in der Öffentlichkeit immer auch als Vertreterin oder Vertreter ihres Arbeitgebers wahrgenommen werden.»

«Entsprechend hat der betreffende Mitarbeiter seine spontane Äusserung schnell wieder vom Netz genommen.» Beiträge, die der beruflichen Reputation oder dem Arbeitgeber schaden könnten, gelte es zu vermeiden.