FACEBOOK-QUERELE: «Miss 1291»: Rassistische Gruppe gelöscht

Noch am Nachmittag war von Facebook keine eindeutige Antwort zu erhalten gewesen, was mit der Gruppe des unerwünschten «Fan»-Klubs der Miss-Schweiz-Finalistin geschehen wird. Jetzt hat Kalifornien reagiert.

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Marion Stutz. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Marion Stutz. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Eigenen Angaben zufolge hat die Hochdorfer Miss-Schweiz-Finalistin die «Fan»-Gruppe «Diesmal kein Geschwür!!! Darum wählt Marion Stutz!!!» im Verlaufe des Dienstags Facebook als anstössig gemeldet. Andere Mitglieder ihrer offiziellen Fangruppe haben es ihr gleichgetan. Trotzdem musste es Donnerstagabend werden, bis die auf inzwischen 120 Mitglieder angewachsene Gruppe gelöscht wurde.

Übersee-«Kollegen» werdens richten...
Noch am frühen Donnerstagnachmittag hatte es auf Anfrage Tina Kulow, Facebook-PR-Sprecherin von Deutschland, nach anfänglicher gegenteiliger Information geheissen, dass sie leider keine genauen Auskünfte und auch keine Interviews zum Fall geben könne. Im deutschsprachigen Raum gebe es zurzeit noch kein eigentliches Facebook-Büro – sämtliche Meldungen würden zentral über Kalifornien laufen. Sie sei sich sicher, dass die «Kollegen bei Facebook» sich die Gruppe genau ansehen würden. Und weiter: «Ich bitte auch zu verstehen, dass dies unter Umständen ein bisschen dauern kann, bei dem Volumen – und es will ja genau gearbeitet werden.»

Im auf der Firmenwebsite aufgeschalteten offiziellen Statement von Facebook tönt das indes etwas anders: «Wir nehmen unsere Nutzungsbedingungen sehr ernst und reagieren schnell, um Gruppen vom Netz zu nehmen, die unsere Regeln verletzen.» Gleichzeitig wird jedoch auch auf das schwierige Verhältnis zwischen dem Recht auf freie Meinungsäusserung und Zensur aufmerksam gemacht. Doch hier dürfte der Fall eigentlich recht schnell klar gewesen sein, müsste man meinen.

Heikles Foto gab wohl Ausschlag
Stellt sich natürlich die Frage, wie man von Kalifornien aus feststellen kann, ob die Gruppe «Diesmal kein Geschwür!!! Darum wählt Marion Stutz!!!» widerrechtlich ist, braucht es dafür doch einen lokalen Background, um die Zusammenhänge zu verstehen. Eine Löschung tat auf jeden Fall Not, zumal die Kommentare auf der Site immer bizarrere Ausmasse angenommen hatten – vor allem seit dem Eintrag vom späten Mittwochabend mit dem Wortlaut «du hesch i viune d hoffnig bestätigt dases dochno eini git wo reins bluet het» eines laut Profil bekennenden 20-jährigen SVP-Wählers aus dem bernischen Walkringen.

So paradox das klingen mag, hat möglicherweise gerade ein selbst über nicht alle Zweifel erhabener Kritiker der Gruppe den Ausschlag zur Löschung derselben gegeben, indem er eine Aufnahme aus der Nazizeit hochgeladen hat, um auf die Gräuel des Krieges und das der Gruppe anhaftende absurde Element zu verweisen. Denn wie schon Marion Stutz vermerkte: «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» – und brachte mit seiner internationalen Verständlichkeit auch in Übersee die Alarmglocken zum Klingeln.

Rampenlicht hat ein Ende
Nach wie vor online sind die Accounts der beiden Gruppengründer Dominik Schmid und Pascal Hostettler. Bislang war es nicht möglich, eine spezifische Stellungnahme von Facebook zum aktuellen Fall zu erhalten. Um Marion Stutz, die noch bis Sonntag im Auftrag der Miss-Schweiz-Organisation in Montreux weilt, dürfte es nun auf jeden Fall wohl wieder etwas ruhiger werden – ein anonymes Schreiben, das unsere Redaktion erreicht hat und mit dem wohl eine Schmutzkampagne losgetreten hätte werden sollen, hin oder her. Ob Stutz die durch den Vorfall entstandene und durch die Veröffentlichung des Fotos mit dem multikulturellen Freundeskreis auch selber hervorgerufene Publicity genützt hat, wird sich spätestens am 26. September an der Miss-Schweiz-Wahl in Genf zeigen.

Dave Schläpfer