Luzerner Regierung wollte Schule schliessen, jetzt wird in sie investiert: Fachklasse Grafik soll in Viscosistadt

Die Luzerner Regierung will die Fachklasse Grafik von Luzern nach Emmenbrücke zügeln. Allein die Investitionskosten betragen 2,8 Millionen Franken. Noch vor fünf Jahren stand die Schliessung im Vordergrund. Die Kehrtwende freut den Förderverein der Fachklasse.

Alexander von Däniken
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Sollen bald zügeln: Studenten der Fachklasse Grafik in Luzern.

Sollen bald zügeln: Studenten der Fachklasse Grafik in Luzern.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 21. August 2020)

Noch erhalten angehende Grafikerinnen und Grafiker in der Luzerner Altstadt Unterricht. Doch die Liegenschaft an der Rössligasse 12 und am Löwengraben 27 ist sanierungsbedürftig, die Räume sind energie- und sicherheitstechnisch ungenügend. Der Luzerner Regierungsrat will die Fachklasse Grafik deshalb auf den 1. August 2022 in die Viscosistadt nach Emmenbrücke zügeln. Die Regierung beantragt dafür dem Kantonsparlament einen Sonderkredit. Rund 2,8 Millionen Franken werden als einmalige Kosten für die Züglete fällig, rund 453'000 Franken pro Jahr als Miet-, Neben- und Betriebskosten.

Bei der Fachklasse Grafik handelt es sich um einen Ausbildungsgang der Sekundarstufe II. Nach vier Jahren mit Praktika schliessen die Lernenden mit dem eidgenössischen Fachausweis für Grafiker sowie der Berufsmatura ab. Derzeit zählt die Fachklasse 102 Lernende.

In direkter Nachbarschaft zur Hochschule

Der neue Standort bringt laut dem Regierungsrat zahlreiche Vorteile mit sich. So sei die Viscosistadt mit dem Auto, dem Velo und dem öffentlichen Verkehr gut zu erreichen. Und mit dem Departement Design und Kunst der Hochschule Luzern ist eine Schule in unmittelbarer Nähe, die von den Absolventen der Fachklasse im Anschluss besucht werden kann. Ausserdem sei das Areal schon jetzt «durch eine vielfältige Mischung aus Industrie, Gewerbe und Kreativwirtschaft geprägt», wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Die Fachklasse Grafik benötigt Räume für acht Klassen und Atelierräume für praktische Arbeiten. Dafür stehen in der Viscosistadt 2670 Quadratmeter bereit, in der jetzigen Liegenschaft sind es 2161 Quadratmeter. Geplant ist, einen Mietvertrag von zehn Jahren abzuschliessen, der maximal um weitere fünfzehn Jahre verlängert werden kann. Der Vertrag endet damit spätestens am 31. Juli 2047. Danach ist der Abschluss eines neuen Vertrags denkbar.

Kauf war nicht möglich

Nicht möglich ist es dem Kanton hingegen, die neuen Räume zu kaufen. Die Viscosistadt AG will das gesamte Areal als Anlageobjekt halten und deshalb gezielt investieren, heisst es auf Nachfrage beim Finanzdepartement. Die Investitionskosten für den Kanton werden der Investitionsrechnung kantonale Hochbauten belastet, die wiederkehrenden Mietkosten sind bereits im Aufgaben- und Finanzplan 2020-2023 enthalten.

Dass der Regierungsrat für die Fachklasse Grafik einmalig 2,8 Millionen Franken und für zehn Jahre rund 4,5 Millionen Franken investieren will, ist eine Wendung um 180 Grad: Noch vor fünf Jahren wollte die Exekutive dieselbe Schule aus Spargründen schliessen (siehe Box).

Was mit jener Liegenschaft passiert, in der die Fachklasse aktuell untergebracht ist, ist erst in groben Zügen bekannt. Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz und gehören seit rund 200 Jahren dem Kanton Luzern. Aber nicht mehr lange: Die Gebäude sollen gemäss der kantonalen Immobilienstrategie verkauft werden; die Sanierung wird Sache des neuen Eigentümers sein. Dieser wird gesucht, sobald die Fachklasse ausgezogen ist. Die Liegenschaft wurde ursprünglich als Wohngebäude mit Gewerbeanteil konzipiert. Die schulische Nutzung ist zwar nicht zonenkonform, aber dennoch rechtens, weil der Schulbetrieb gemäss Planungs- und Baugesetz nicht störender ist als eine Wohn- und Gewerbenutzung.

Präsident des Fördervereins «stolz und erfreut»

Der Nidwaldner Künstler, Grafiker und Fotograf Melk Imboden hat als Präsident des Fördervereins Fachklasse Grafik vor fünf Jahren an vorderster Front für den Erhalt der Fachklasse gekämpft. Dass der Regierungsrat nicht mehr die Schliessung der Schule im Auge hat, sondern im Gegenteil in diese investieren will, ist für Imboden eine grosse Genugtuung:

«Ich bin sehr stolz und erfreut, dass sich der damalige Einsatz gelohnt hat.»

Die Idee, die Fachklasse in die Viscosistadt zu zügeln, gab es bereits 2015. Damals war der Umzug aber noch nicht konkret. Heute ist dies anders: «Die räumliche Nähe zur Hochschule Design und Kunst macht absolut Sinn.»

Der Künstler weiss um die Synergiemöglichkeiten – er lehrt an beiden Schulen. Die Hochschule sei zudem in den letzten Jahren stark gewachsen: mit neuen Lehrgängen und mehr Studenten. Insofern sei eine grössere Nähe zur Fachklasse richtig.